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„Wir wollen klischeehaftes Denken bei der Berufswahl aufbrechen!“

Porträt von dem Geschäftsführer der Koordinierungsstelle
© KWB | Ulrich Perrey

Die Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung verfolgt mit vielfältigen Projekten das Ziel, vorhandene Potenziale für den Arbeitsmarkt sichtbar zu machen. Geschäftsführer Hansjörg Lüttke stellt dar, wie sich seine Einrichtung dabei auch für eine klischeefreie Berufsorientierung einsetzt.

1. Herr Lüttke, stellen Sie Ihre Organisation bitte kurz vor.

Die Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung ist eine Agentur für Bildungsmanagement in Hamburg. Wir engagieren uns auf ganz unterschiedlichen Feldern der Qualifizierung und Vermittlung in den Arbeitsmarkt. Einer unserer Schwerpunkte liegt im Bereich der Berufsberatung sowie Vermittlung von Auszubildenden. Hier arbeiten wir eng mit Unternehmen, der Jugendberufsagentur und weiteren Institutionen, die den Übergang von der Schule in den Beruf gestalten, zusammen. Unsere Berufsberaterinnen und -berater aus dem Projekt „TALENTS Hamburg“ zum Beispiel unterstützen Jugendliche gezielt bei der Aufnahme einer betrieblichen Ausbildung oder eines dualen Studiums.

Junge Erwachsene, die aufgrund familiärer Gründe eine Ausbildung in Teilzeit absolvieren möchten, haben mit unserem Projekt „Servicecenter Teilzeitausbildung“ eine zentrale Anlaufstelle in Hamburg. Unser Projektteam berät die Teilnehmenden zum Bewerbungsprozess sowie zu Kinderbetreuungsmöglichkeiten oder der Finanzierung des Lebensunterhalts und stellt den Kontakt zu interessierten Ausbildungsunternehmen her.

Schülerinnen und Schüler sowie Studierende, die ihre beruflichen Chancen in der Welt der Medien und IT austesten wollen, haben dazu bei unserem jährlich stattfindenden Berufsorientierungs-Event „TALENT DAY Medien + IT“ die Gelegenheit. Hier öffnen Unternehmen der Medien- und IT-Wirtschaft einen Tag lang ihre Türen für Nachwuchstalente und informieren über Ausbildungsperspektiven und den Berufseinstieg.

2. Was hat Sie motiviert, sich bei der Initiative Klischeefrei zu engagieren?

Es ist einfach ungeheuer wichtig, bei komplexen Beratungsprojekten im Netzwerk zu agieren. Denn Netzwerke bringen kreative Partnerinnen und Partner zusammen und befördern innovative Ideen – und diese sind umso wichtiger, wenn wir sehen, dass die Berufs- und Studienwahl von Jugendlichen immer noch so stark Geschlechter- und Rollenklischees folgt. Dieses Denken wollen wir aufbrechen und engagieren uns daher sehr gern bei den Nationalen Kooperationen der Initiative Klischeefrei!

3. Auf welche Weise setzt sich die Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung für eine geschlechtersensible Berufs- und Studienorientierung ein?

Wir setzen uns insbesondere und ganz konkret im Rahmen unserer Berufs- und Ausbildungsberatung dafür ein, Jugendliche dazu zu motivieren, sich bei der Wahl eines Ausbildungs- oder Studienplatzes von Rollen- und Geschlechterklischees zu befreien. Das ist aber natürlich nicht einfach. Denn Geschlechterzuschreibungen begegnen uns nicht nur in der Berufswelt – Klischees sind allgegenwärtig, wir wachsen damit auf und reproduzieren sie tagtäglich, häufig sogar unbewusst. Im Zuge der Berufswahl ist es daher auch schon entscheidend, dass die Studien- und Berufsorientierung in der Schule diesen Aspekt in den Fokus nimmt und Schülerinnen und Schüler dazu anregt, Geschlechtszuschreibungen bei Berufen zu hinterfragen. In unseren Fortbildungen für Lehrkräfte gehen wir dieses Thema gezielt an.

4. Welche Erfolge haben Sie bereits mit Ihren Projekten für geschlechtssensible Berufsorientierung in Unternehmen erreichen können?

Viele Teilnehmerinnen, die zu uns in die Beratung kommen, ziehen z. B. Ausbildungsberufe im MINT-Bereich zunächst überhaupt nicht in Betracht – meist, weil sie sich mit der Branche noch nie beschäftigt haben oder sich einen Beruf im Bereich IT & Technik nicht zutrauen. Wir konnten aber innerhalb unserer Berufsberatungsprojekte vor allem bei Mädchen und jungen Frauen die Begeisterung für technische Berufsfelder durch entsprechende Veranstaltungen mit ausbildenden Unternehmen sowie intensive Beratungsarbeit deutlich erhöhen und Berührungsängste mit der Branche abbauen. Und das schlägt sich auch in unserer Vermittlungsquote nieder.

Eine besonders erfreuliche Vermittlung startet jetzt im kommenden Ausbildungsjahr ab August: Eine motivierte Teilnehmerin wird ihre Ausbildung zur Elektronikerin für Geräte und Systeme beginnen – und das sogar in Teilzeit! Damit ist sie Vorreiterin in ganz Hamburg. Nochmals herzlichen Glückwunsch! Wir hoffen, dass sich auch in Zukunft mehr Mädchen und junge Frauen trauen, ihre technischen Kompetenzen zu entdecken und diese in eine berufliche Perspektive verwandeln.