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Geisteswissenschaftlerinnen im Gender-Gap

IW-Studie verdeutlicht geschlechtsbezogene Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt

Museumsmitarbeiterin und Museumsmitarbeiter in einer Bildergalerie
© Seventyfour | stock.adobe.com

Frauen überwiegen mit einem Anteil von 65 Prozent gegenüber Männern bei den erwerbstätigen Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftlern. Dennoch machen auch unter Philosoph*innen und Germanist*innen mehr Männer Karriere.

Sprachen, Geschichte, Philosophie – die häufig als „brotlose Kunst“ verstandenen Geisteswissenschaften bieten auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen als gemeinhin angenommen. Dies ergab eine Studie, die das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) durchgeführt hat. Im Schnitt haben Geisteswissenschaftler mit anderen Absolventen vergleichbare Karrieremöglichkeiten. Arbeitgeber schätzen ihre Fähigkeit, sich in Neues flexibel einzuarbeiten und ihre Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit. Größere Unterschiede zu anderen Akademikerinnen und Akademikern gibt es vor allem beim Einkommen und beim Erreichen von Führungspositionen, wo andere Fächer mehr Erfolg im Beruf versprechen.

Karriereoptionen und Gehaltshöhe hängen auch in den Geisteswissenschaften vom Geschlecht ab. Obwohl es mehr erwerbstätige Frauen als Männer mit einem geisteswissenschaftlichen Hintergrund gibt, besetzen die Männer eher Stellen mit einem höheren Qualifizierungsniveau (68 Prozent bzw. 54 Prozent) und sind auch eher in Führungspositionen (41,4 Prozent bzw. 29,5 Prozent) zu finden als Geisteswissenschaftlerinnen. Nahezu jede vierte Geisteswissenschaftlerin ist auf Fachkräfte- oder Helferniveau tätig. Der Anteil bei den Männern ist nur halb so hoch. Die Studie sieht einen möglichen Grund dafür in einem unterschiedlichen Suchverhalten arbeitsloser Akademikerinnen und Akademiker. Frauen neigten demnach eher als Männer dazu, sich auf Stellen zu bewerben, für die ein Studium nicht erforderlich ist.

Die Studie weist zudem große Gehaltsunterschiede zwischen in Vollzeit arbeitenden Frauen und Männern mit geisteswissenschaftlichem Studium aus. Nur 7 Prozent der Frauen erreichen ein Einkommen über 4.000 Euro netto. Dagegen finden sich 17 Prozent der Männer in dieser Gehaltsgruppe. Gleichzeitig verdienen Frauen mit einem Anteil von 37,8 Prozent sehr viel häufiger als Männer mit gut 24 Prozent unter 2.000 Euro netto. Warum dieser Unterschied so gravierend ist, kann die Studie, die unter anderem auf Daten des Mikrozensus zurückgreift, nicht erklären. Vermutet wird ein Zusammenhang mit der Steuerklassenkombination III/V.

Teilzeitarbeit spielt auch bei Geisteswissenschaftlerinnen eine große Rolle: Über 35 Prozent der erwerbstätigen Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftler arbeiten in Teilzeit. Unter allen Akademikerinnen und Akademikern sind es nur 22,4 Prozent. Die Stundenreduzierung ist überwiegend freiwillig. Nur rund 11 Prozent der Teilzeitbeschäftigten würden gerne mehr arbeiten. Die Studie erklärt dies mit dem insgesamt hohen Frauenanteil unter Geisteswissenschaftlern. Von den Frauen mit Hochschulabschluss waren laut Statistischem Bundesamt 2017 über 37 Prozent in Teilzeit beschäftigt. Dagegen gaben nur 9,8 Prozent der Männer dieses Arbeitszeitmodell an.

Quelle: IW-Report 32/19 „Geisteswissenschaftler auf dem Arbeitsmarkt“