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Mädchen können MINT – haben aber weniger Selbstvertrauen

Die Beine eines Mädchens in Jeans stehen auf einem roten Teppich mit der Aufschrift „Mathe macht glücklich“
© Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V. | Ort: Mathematikum Gießen

In den MINT-Fächern Biologie, Physik und Chemie gibt es bei den Kenntnissen von Jugendlichen in der 9. Klasse kaum noch Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen. Jungen sind jedoch mehr von ihrem Können in diesem Bereich überzeugt. Das zeigt der IQB-Bildungstrend 2018.

Mädchen erreichen in den naturwissenschaftlichen Fächern, insbesondere im Fach Biologie, aber auch im Fach Chemie sowie im Bereich „Erkenntnisgewinnung“ im Fach Physik im Durchschnitt ein signifikant höheres Kompetenzniveau als Jungen. Nur in Mathematik erzielen Jungen – wie bisher – im Mittel höhere Kompetenzwerte als Mädchen. Allerdings fällt der Unterschied zwischen den Kompetenzmittelwerten relativ klein aus und ist meist statistisch nicht signifikant.

Obwohl Jungen also nur im Fach Mathematik bessere Leistungen als Mädchen vorweisen können, schätzen sie ihr eigenes Können und ihr Interesse in den Fächern Mathematik, Chemie und Physik höher ein.

Diese Tatsache deckt sich mit den Erkenntnissen früherer Jahre. In der Erhebung des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) 2016, bei der Kinder in der 4. Klasse befragt wurden, gaben 78 Prozent der Jungen an, sie seien gut in Mathe – aber nur 64 Prozent der Mädchen. Im Fach Biologie hingegen decken sich bei den Mädchen die erreichten Kompetenzen mit ihrem Interesse und der Einschätzung des eigenen Könnens.

Über alle vier untersuchten Fächer, also Biologie, Chemie, Mathematik und Physik, ist das Interesse bei Mädchen wesentlich geringer ausgeprägt als bei Jungen. Professorin Nele McElvany, Geschäftsführende Direktorin am Institut für Schulentwicklungsforschung (IfS) an der Technischen Universität Dortmund erklärte dazu im zwd-POLITIKMAGAZIN: „Es ist erschreckend, wenn zum Beispiel 62 Prozent der Mädchen in der 9. Klasse über ein niedriges fachliches Interesse an Physik berichten“.

Mit Blick auf das Studium sei eine stärkere Förderung von Kompetenzen und Interessen im schulischen Unterricht nötig: „Wenn nur 45 Prozent der Neuntklässlerinnen und Neuntklässler (mindestens) den Regelstandard in Mathematik erreichen, hat dies auch Auswirkungen auf ihre Studierfähigkeit“, sagte McElvany weiter.

Auch Professor Alexander Lorz (CDU), hessischer Kultusminister und derzeitiger Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), sieht ähnliche Herausforderungen: „Als Land, das ganz erheblich vom Forscher- und Erfindergeist seiner Bürgerinnen und Bürger lebt, müssen wir schlicht und einfach zukünftig noch mehr unternehmen, um die Begeisterung unserer Schülerinnen und Schüler für die Naturwissenschaften zu wecken“, sagte Lorz im zwd-POLITIKMAGAZIN.

Quelle: zwd-POLITIKMAGAZIN 374/2019 | IQB-BILDUNGSTREND 2018: Mädchen holen Jungen bei den Kompetenzen ein – glauben aber weniger an sich