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Bildung in Deutschland: Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Cover des Bildungsberichts Bildung in Deutschland 2020
© wbv Media GmbH & Co. KG

Der am 23. Juni 2020 vorgestellte achte Bildungsbericht beschreibt die Gesamtentwicklung des deutschen Bildungswesens und geht dabei teilweise auch auf Unterschiede zwischen den Geschlechtern ein.

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, und die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und rheinland-pfälzische Bildungsministerin, Dr. Stefanie Hubig, haben am 23. Juni 2020 gemeinsam mit dem Sprecher der Autorengruppe, Prof. Dr. Maaz (DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation) den Bericht „Bildung in Deutschland 2020 “ vorgestellt. Der nunmehr achte Bildungsbericht beschreibt die Gesamtentwicklung des deutschen Bildungswesens. Schwerpunkt des aktuellen Berichts ist „Bildung in einer digitalisierten Welt“. Der Bildungsbericht erscheint alle zwei Jahre.

Der Bildungsbericht widmet dem Geschlechterunterschieden in der deutschen Bildungslandschaft kein eigenes Kapitel, sondern thematisiert diese gegebenenfalls in den einzelnen Abschnitten wie beispielsweise „Frühe Bildung“ oder „Hochschule“.

Interessante Ergebnisse aus dem Bildungsbericht:

  • Bildung in der Familie: Malen, Basteln oder Handwerken sowie Singen oder Musikmachen sind für viele Familien Teil des Alltags. Eine Betrachtung der gemeinsamen Aktivitäten hinsichtlich des Geschlechts des Kindes zeigt bei einigen Tätigkeiten (Vorlesen, Musizieren, Malen/Basteln) Unterschiede in der Häufigkeit: Diese Aktivitäten werden etwas häufiger mit Mädchen ausgeübt. Kinder und Jugendliche haben inzwischen Zugang zu einer Vielzahl verschiedener digitaler Geräte. Dabei zeigen sich kaum mehr Geschlechterunterschiede.
  • Bildungspersonal: Der Anteil des weiblichen pädagogischen und wissenschaftlichen Personals liegt mit 71 Prozent deutlich über dem aller Erwerbstätigen (47 Prozent). Auch der Anteil der in Teilzeit Beschäftigten am pädagogischen und wissenschaftlichen Personal liegt mit 54 Prozent höher als bei den Erwerbstätigen insgesamt (28 Prozent). Darin kommt zum Ausdruck, dass Frauen häufiger als Männer und insbesondere Mütter häufiger als Väter teilzeitbeschäftigt sind.
  • Berufliche Ausbildung (Arbeitsmarkt): Personen im Alter von 25 bis unter 35 Jahren, die einen dualen oder schulischen Ausbildungsabschluss erworben haben, sind zu 90 Prozent voll­ oder teilzeiterwerbstätig. Unabhängig von der Art des Ausbildungsabschlusses gilt jedoch, dass Frauen deutlich häufiger in Teilzeit beschäftigt sind als Männer, was mehrheitlich auf Erziehungsphasen zurückgeführt werden kann.
  • Berufliche Ausbildung (Selbstwahrnehmung digitaler Kompetenz von Auszubildenden): Nur in den stark frauendominierten „Sonstigen Berufen“ urteilen Männer kritischer über die eigene digitale Kompetenz als Frauen, ansonsten ist es umgekehrt. Anscheinend spielen für die Selbstwahrnehmung digitaler Kompetenzen von Auszubildenden neben auf Geschlechtsrollenstereotypen basierenden Selbstzuschreibungen unterschiedliche arbeitsweltlich­berufliche Prägungen eine Rolle.
  • Bildungsstand der Bevölkerung: Die positive Entwicklung des Bildungsstands unterscheidet sich nach den Geschlechtern. Während in den älteren Geburtskohorten Männer über einen höheren Bildungsstand verfügen, kehrt sich das Verhältnis bei den 40­ bis unter 45-Jährigen in Bezug auf die Hochschulreife um und bei den 30­ bis unter 35-Jährigen liegt der Anteil der Frauen mit Hochschulreife mit 51 Prozent dann deutlich über dem der Männer (46 Prozent). In Bezug auf den Hochschulabschluss findet eine Umkehr des Geschlechterverhältnisses bei den 30­ bis unter 35-Jährigen statt. In dieser Altersgruppe verfügen signifikant mehr Frauen als Männer über einen Hochschulabschluss.
  • Hochschule (Studienaufnahme): Mit Blick auf den Übergang ins Studium zeigen sich Geschlechterunterschiede, anders als für die zuvor berichtete Studienberechtigtenquote jedoch dieses Mal zugunsten von Männern: Männliche Studienberechtigte nehmen häufiger ein Studium auf als weibliche. So erwerben Frauen zwar häufiger als Männer die Hochschulreife (57 vs. 45 Prozent), nutzen diese jedoch seltener für die Aufnahme eines Studiums. Damit lässt sich auch erklären, dass der Geschlechteranteil unter Studienanfängerinnen und -anfängern in Deutschland trotz des deutlichen weiblichen Vorsprungs im Erwerb der Hochschulreife nach wie vor fast ausgeglichen ist.
  • Hochschule (Studienfachwahl): In der hochschulischen Bildung existieren nach wie vor Geschlechterdisparitäten, insbesondere mit Blick auf die Fächerwahl von Frauen und Männern. Den geringsten Frauenanteil weisen – trotz leichter Zuwächse – nach wie vor die Ingenieurwissenschaften auf (25 Prozent). Aber auch innerhalb einzelner Fächergruppen bestehen große Unterschiede. So beträgt der Frauenanteil in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern Informatik, Elektrotechnik sowie Verkehrstechnik und Nautik unter 25 Prozent, in der Architektur und in der Raumplanung dagegen 55 bis 62 Prozent. Einen überdurchschnittlich hohen Frauenanteil von 60 bis über 80 Prozent verzeichnen die Geisteswissenschaften, die Kunst und die Kunstwissenschaften, die Humanmedizin und die Gesundheitswissenschaften, die Psychologie, das Sozialwesen, die Erziehungswissenschaft und die Veterinärmedizin. Bei den Naturwissenschaften ist der Frauenanteil in der Physik mit 30 Prozent am geringsten, in der Biologie und in der Chemie beläuft er sich dagegen auf 66 bzw. 49 Prozent.

Hintergrund

Den seit 2006 alle zwei Jahre erscheinenden Bildungsbericht hat eine unabhängige Wissenschaftlergruppe unter Federführung des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation erarbeitet.
Beteiligt sind das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. (DIE), das Deutsche Jugendinstitut (DJI), das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi), das Soziologische Forschungsinstitut an der Universität Göttingen (SOFI) sowie das Statistische Bundesamt (Destatis) und die Statistischen Ämter der Länder (StLÄ).
Die besondere Bedeutung des Bildungsberichts liegt darin, die verschiedenen Bildungsbereiche von Bildung im Lebenslauf in ihrem Zusammenhang und indikatorengestützt über größere Zeiträume darzustellen und so übergreifende Herausforderungen im deutschen Bildungssystem sichtbar zu machen.

Quelle: Bildung in Deutschland 2020 | Pressemitteilung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vom 23. Juni 2020

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