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„Wir wollen Berufsfelder realitätsnah darstellen“

MINT-Förderung im Forschungszentrum Jülich

Porträt einer jungen Frau: Sabrina Schwarz von der Forschungsstelle Jülich
© Forschungszentrum Jülich

Das Forschungszentrum Jülich setzt sich für eine gute MINT-Bildung ein. Sabrina Schwarz von der Stabsstelle „Büro für Chancengleichheit“ stellt im Interview das Engagement und die Ziele des Forschungszentrums vor.

Stellen Sie sich und Ihre Organisation bitte kurz vor.

Ich arbeite als Soziologin in der Stabstelle Büro für Chancengleichheit am Forschungszentrum Jülich. Das Forschungszentrum Jülich betreibt interdisziplinäre Spitzenforschung zur Lösung großer gesellschaftlicher Herausforderungen in den Bereichen Energie und Umwelt sowie Information und Gehirn. Einmalig ist dabei die Verknüpfung mit den beiden Schlüsselkompetenzen Physik und Supercomputing. In Jülich werden sowohl langfristig angelegte, grundlagenorientierte Arbeiten als auch konkrete technologische Anwendungen erarbeitet. Mit rund 5900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehört das Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft in Jülich zu den größten Forschungszentren Europas.

Die Stabsstelle Büro für Chancengleichheit ist Ansprechpartnerin in allen Themen rund um Chancengerechtigkeit und Frauenförderung sowie Familienbewusstsein und MINT- Bildung. In diesen Bereichen steht sie allen Mitarbeitenden beratend zur Seite. Gemeinsam mit vielen Kooperationspartnern setzt das Büro für Chancengleichheit zahlreiche Unterstützungsangebote um und wirkt an der Umsetzung der familienbewussten und chancengerechten Unternehmenskultur des Forschungszentrum Jülich mit.

Was hat Sie motiviert, sich bei den Nationalen Kooperationen zu engagieren?

Für junge Menschen ist das Erlernen und die Ausübung eines Berufes wesentlicher Bestandteil ihrer Lebensplanung. Bei Betrachtung der geschlechtsspezifischen Teilnahme am deutschen Arbeitsmarkt zeigt sich jedoch eine deutliche Ungleichverteilung von Frauen und Männern hinsichtlich der gewählten Berufsfelder. Vor allem in den MINT-Disziplinen ist die Partizipation von Frauen sehr gering. Diese beginnt bei den geringen Teilnehmerinnenzahlen in MINT-Angeboten der Schulen und erstreckt sich über die Wahl der Ausbildungsberufe und Studiengänge bis hin zur Berufswahl. Langfristig kann dies eine Verschärfung der sozialen Ungleichheit und horizontalen Arbeitsmarktsegregation bedeuten, denn die Partizipation an beispielsweise technologischen und informatischen Entwicklungen ermöglicht Entscheidungskraft und Gestaltungsmöglichkeit für die heutige und zukünftige Gesellschaft. Es ist uns daher besonders wichtig, jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Stärken und Fähigkeiten auszutesten und ihre Interessen zu vertiefen – und zwar unabhängig von bestehenden Geschlechterstereotypen bzw. geschlechtsspezifischen Zuschreibungen.

Auf welche Weise setzt sich das Forschungszentrum Jülich für eine geschlechtersensible Berufs- und Studienorientierung ein?

Das Forschungszentrum Jülich setzt sich dafür ein, mehr Frauen in den MINT-Berufen einzustellen und Schülerinnen und Schülern schon früh die Möglichkeit zu geben, die eigenen Fähigkeiten auszutesten und neue Berufsfelder kennen zu lernen. Über Berufsfelderkundungen speziell für Mädchen ermöglichen wir beispielsweise Einblicke in Berufsfelder im MINT-Bereich und schaffen Erlebnisräume in Form von Workshops. Im diesem Kontext lernen die Schülerinnen Jülicher Forscherinnen kennen, die ihre Arbeit vorstellen und ihren Berufsweg beschreiben. Zudem stehen den Schülerinnen weibliche ehemalige Auszubildende als ständige Ansprechpartnerinnen zur Seite. Gerade in den Zeitraum der Adoleszenz fällt die Phase, in der Berufs-und Studienwahlentscheidungen getroffen werden. Gleichzeitig ist es die Phase in der die Zugehörigkeit zu den Peergroups einen wichtigen Aspekt der Identitätsentwicklung darstellt. Wir versuchen daher, Berufsbilder besonders realitätsnah darzustellen und somit ein falsches Verständnis über MINT-Berufe als Männerdomäne zu verhindern.

Da unsere Umwelt eine sehr große Wirkung auf unsere Sozialisation hat und daher in der Lage ist, Geschlechterstereotype zu reproduzieren und zu verstärken, sind viele Akteurinnen und Akteure wie beispielsweise Lehrer*innen, Erzieher*innen, Eltern sowie andere Institutionen und Organisationen in unsere Projekte und Angebote eingebunden.


Welche Erfolge haben Sie bereits mit Ihrem Engagement erreichen können?

Die Ausrichtung des Girls‘Days und Boys‘Days erfreut sich sehr hoher Beliebtheit und bietet jedes Jahr rund 100 Schülerinnen und Schülern aus der Region die Möglichkeit, neue Berufsfelder frei von Klischees kennenzulernen. Insgesamt besuchen jährlich 5000 Schülerinnen und Schüler das Schülerlabor Julab; der Anteil der Schülerinnen liegt bei 53 Prozent. Rund 480 Praktika werden jährlich vergeben und knapp 100 Erzieher*innen und Lehrer*innen geschult. Zudem nehmen rund 40 Schülerinnen jedes Jahr an den Berufsfelderkundungen speziell für Mädchen im MINT-Bereich teil.