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„Klischeefreie Berufsorientierung verlangt einen generellen Kulturwandel“

Porträt der Prorektorin für Personal und wissenschaftlichen Nachwuchs der RWTH
© RWTH Aachen University

Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen ist eine der größten Universitäten für technische Studiengänge in Deutschland - und Partnerin der Initiative Klischeefrei. Prof. Dr. Doris Klee, Prorektorin für Personal und wissenschaftlichen Nachwuchs der RWTH, stellt im Interview dar, wie sich die Hochschule für klischeefreie Berufsorientierung engagiert.

Frau Prof. Dr. Klee, stellen Sie sich und die RWTH bitte kurz vor.

Die RWTH Aachen University ist eine interdisziplinäre technische Hochschule mit einer starken ingenieur- und naturwissenschaftlichen Ausrichtung. Von den insgesamt 45.377 Studierenden sind 32 Prozent Frauen (in Zahlen 14.674 Studentinnen; Stand Wintersemester 2017/18). Als Prorektorin für Personal und wissenschaftlichen Nachwuchs bin ich zuständig für die Steuerung von Gleichstellung an der RWTH. Ich arbeite dabei eng mit der Rektoratsstabsstelle Integration Team – Human Resources, Gender and Diversity Management (IGaD) sowie mit der Gleichstellungsbeauftragten zusammen. Die Ansprache von Studierenden und Studieninteressierten erfolgt dabei stets in Kooperation mit der Zentralen Studienberatung, die über eine eigens eingerichtete Koordinationsstelle für Schülerinnen- und Schülerprogramme verfügt.

Was hat Sie motiviert, sich bei den Nationalen Kooperationen zu engagieren?

Gleichstellung und die Anerkennung von Vielfalt sind an der RWTH erklärte Leitungsaufgaben und als strategische Querschnittsthemen fest in der Hochschulstruktur verankert. Dazu gehören die Realisierung umfassender Chancengerechtigkeit in Forschung, Lehre, Studium und Beruf sowie die Schaffung eines vielfältigen und inklusiven Arbeits- und Studienumfeldes. Auch wenn wir zahlreiche Formate entwickelt haben, um Schülerinnen und Schüler als Studieninteressierte zu erreichen und jenseits von Geschlechterklischees zu beraten und zu ermutigen, ist das Ziel einer Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees doch nur durch breites gesamtgesellschaftliches Engagement, einen generellen Kulturwandel sowie den nachhaltigen Abbau von Widerständen zu erreichen. Daher ist es uns ein Anliegen, unsere Angebote noch sichtbarer zu machen sowie gute Kooperationen in diesem Bereich zu pflegen und auszubauen.

Auf welche Weise setzt sich die RWTH für eine geschlechtersensible Berufs- und Studienorientierung ein?

Als technische Hochschule verfügt die RWTH über ein breites Spektrum naturwissenschaftlicher und technischer Ausbildungsberufe und Studiengänge, die wir Schülerinnen und Schülern verschiedener Altersgruppen durch frühzeitige und fundierte Informationen und Schnupperangebote nahebringen. Dazu gehören die jährlichen Aktionstage Girls'Day und Boys‘Day, die Kinderuni, die Schüleruni sowie diverse Schülerlabore in den MINT-Fächern. Um gezielt Mädchen für MINT-Fächer zu begeistern, haben wir die Projekte Roboterworkshop go4it, die Schnupperuni in den Ingenieurwissenschaften oder das Ferienprogramm Girls-go-MINT+Sport ins Leben gerufen.

Ab dem Studieneintritt richtet sich eine Vielzahl gleichstellungsfördernder Karrieremaßnahmen an weibliche Zielgruppen auf allen wissenschaftlichen Statusgruppen. Dazu gehören insbesondere die TANDEM Mentoring-Programme für Studentinnen, Doktorandinnen und Postdoktorandinnen an der RWTH sowie an der Medizinischen Fakultät. Angebote für Studentinnen sind weiterhin u.a. das Femtec Careerbuilding-Programm, das Henry-Ford-Stipendium, der jährliche Zukunftstag für Studentinnen sowie spezifische Aktivitäten insbesondere in den ingenieur- und naturwissenschaftlichen Fakultäten. Mit dem Forum für Doktorandinnen unter dem Dach des Center for Doctoral Studies (CDS) haben wir zudem ein informelles Netzwerk für Frauen in der Promotionsphase geschaffen.

Welche Erfolge haben Sie bereits mit Ihrem Engagement erreichen können?

Die Institutionalisierung des Gender und Diversity Managements (IGaD), die Verstetigung diverser Gleichstellungsmaßnahmen sowie die Einrichtung der Koordinationsstelle für Schülerinnen- und Schülerprogramme sind ein klares Bekenntnis unserer Hochschule zu einer geschlechtergerechten Personalentwicklung. Für den Erfolg unserer zahlreichen Aktivitäten werden wir regelmäßig ausgezeichnet.

Ein Beispiel in Zahlen: Der Anteil der Studentinnen an der RWTH insgesamt liegt seit dem Wintersemester 2010/11 zwar gleichbleibend bei etwa 31 Prozent dies ist angesichts der parallel stark gestiegen Anzahl an Studenten (doppelte Abiturjahrgänge in den Jahren 2011 bis 2013 sowie zeitgleicher Wegfall der allgemeinen Wehrpflicht) dennoch ein deutliches Zeichen insgesamt stetig wachsender Frauenanteile bei den Studierenden. Betrachtet man die Entwicklung etwa an der Fakultät für Maschinenwesen, so hat sich die Zahl der Studentinnen zwischen 2006 und 2016 mehr als verdoppelt.