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„Wir hinterfragen klischeehafte Jobideen!“

Das bbw Südhessen unterstützt Jugendliche bei der Berufswahl

Porträtfoto eines jungen Mannes, der freundlich lächelt
© bbw Südhessen

Das überregionale Berufsbildungswerk Südhessen bietet eine breit gefächerte Palette an Angeboten für junge Menschen mit Förderbedarf, um sie beim Übergang von der Schule in den Beruf zu unterstützten. Dabei werden auch klischeehafte Berufsvorstellungen in den Blick genommen.

Herr Witzlauf, stellen Sie sich und Ihre Einrichtung bitte kurz vor.

Wir im bbw Südhessen bieten Wohnen und Jugendhilfe-Leistungen, Berufsorientierung und Berufsvorbereitung sowie Ausbildung in mehr als 30 Berufen an. Unsere Zielgruppen sind junge Menschen mit Förderbedarf, zum Beispiel mit einer Lernbehinderung, mit psychischer Erkrankung, aus schwierigen sozialen Verhältnissen, aus dem Autismus-Spektrum oder mit Fluchterfahrung. Wir begleiten sie auf ihrem Weg von der Schule in den Beruf, fördern ihre individuelle Persönlichkeitsentwicklung und stärken ihre Beschäftigungsfähigkeit. Wir wollen Perspektiven eröffnen! Und wir begleiten sie außerdem beim Übergang in den Arbeitsmarkt. Auf der anderen Seite unterstützen wir auch Betriebe bei der Personalsuche und bieten passgenaue Weiterbildungen, auch für Schulen und Bildungsträger, an.

Was hat Sie motiviert, sich in der Initiative Klischeefrei zu engagieren?

Wir verfolgen in der Berufsorientierung einen stärkenorientierten Ansatz – in Projekten von Berufseinstiegsbegleitung bis hin zur Jugendhilfe. Geschlechterklischees der Jugendlichen selbst sowie der Eltern und im Umfeld verschränken häufig den Blick auf die passenden Berufswege. Dabei geht es doch darum, für sich das Richtige zu finden! Wir möchten unseren Teil dazu beitragen, Jugendliche entsprechend ihrer individuellen Begabungen und Neigungen zu beraten und ihnen Entwicklungschancen zu bieten.

Auf welche Weise setzt sich das bbw Südhessen für eine geschlechtergerechte Berufs- und Studienorientierung ein?

Einerseits beraten wir anhand der von uns getesteten und von den Jugendlichen selbst genannten Stärken. Andererseits hinterfragen wir auch die formulierten Berufswünsche und versuchen herauszufinden, was hinter „klischeehaften“ Jobideen steckt. Dahinter verbergen sich nicht selten Vorurteile und falsche Vorstellungen über die Tätigkeiten im angestrebten Beruf. Weiterhin sensibilisieren wir das Umfeld über die Chancen einer klischeefreien Berufswahl. Bei Schülerpraktika und Aktionstagen wie dem „Girls’Day und Boys‘Day“ versuchen wir, möglichst häufig Ausbilderinnen und Ausbilder einzusetzen, die den stereotypischen Bildern nicht entsprechen. Durch eine vorgelebte und selbstverständliche klischeefreie Praxis sehen und spüren Jugendliche am besten, dass untypische Berufswege nicht nur auf dem Papier möglich sind - sondern Andere bereits erfolgreich vorangegangen sind.

Welche Erfolge haben Sie bisher mit Ihrer Arbeit erreicht?

Regelmäßig stellen Jugendliche bei uns fest, dass es sich lohnt, über den Tellerrand der (oft sozial erwünschten) klischeebeladenen Berufswünsche zu schauen. Nach Potenzialanalyse und Praxiserfahrungen in verschiedenen Berufsfeldern merken sie: „Hey, da gibt’s ja noch viel mehr spannende Jobs!“ Da wird der Horizont weiter. Auch die Bestärkung Jugendlicher, die ihre Eltern noch von ihrem vielleicht untypischen Berufswunsch überzeugen müssen, ist ein wichtiger Baustein bei den klischeefreien Erfolgsgeschichten.