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„Wir forschen in den Bereichen, in denen sich die Fragen von ‚Klischeefrei‘ bewegen“

Prof. Dr. h.c. Jutta Allmendinger, Ph.D., Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB)
© Inga Haar

Berufswahl, Bildungs- und Karriereverläufe von Frauen und Männern, Übergänge in den Arbeitsmarkt: Am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung beschäftigen sich Forschende u.a. mit „Klischeefrei-Themen“. Prof. Jutta Allmendinger über die Gründe, sich an der Initiative zu beteiligen.

Frau Prof. Allmendinger, stellen Sie Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) bitte kurz vor.

Das WZB ist eines der bedeutendsten europäischen außeruniversitären Forschungsinstitute in den Sozialwissenschaften; seit 2007 wird es von mir als Präsidentin geleitet. Es erforscht grundlegende gesellschaftliche Fragen. Seine thematischen Schwerpunkte sind Bildung und Arbeit, Migration, Demokratie, Märkte und Entscheidung, internationale Politik und Recht.

Am WZB arbeiten Forscherinnen und Forscher verschiedener Disziplinen zusammen – vor allem aus der Soziologie, der Politikwissenschaft, der Ökonomie, der Rechtswissenschaft und der Psychologie.

Was hat Sie motiviert, sich bei den Nationalen Kooperationen zu engagieren?

Am WZB wird in Bereichen geforscht, in denen sich die Fragen von „Klischeefrei“ bewegen, unter anderem Schulsysteme und -reformen, Übergänge in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, Studien- und Berufswahl, Bildung, insbesondere Bildungs- und Karriereverläufe von jungen Frauen und Männern etc. Zudem werden Gleichstellung, Familienfreundlichkeit und Vereinbarung von Karriere und Familie am WZB großgeschrieben.

Auf welche Weise setzen Sie sich für eine geschlechtersensible Berufs- und Studienorientierung ein?

Zum einen durch die Forschung des WZB: Das Nationale Bildungspanel erforscht seit 2009 die individuelle Bildungs- und Kompetenzentwicklung von 60.000 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Ein besonderer Fokus liegt hier auf beruflicher Bildung und Übergänge in den Arbeitsmarkt. Die Forschungsgruppe „Arbeit und Fürsorge“ untersucht unter anderem die Organisation von „Fürsorgemärkten“ in der Kinderbetreuung und Pflege sowie die Konsequenzen von Fürsorgearbeit für den Karriereverlauf. Eine weitere Forschungsgruppe im Bereich von Arbeit und Fürsorge ist in Planung.

Zum anderen durch institutionelle Strukturen, die von dem Zeitpunkt der Einstellung bis zur Berufung auf Professuren sicherstellen, dass die Karriereverläufe von Frauen am WZB keinen Knick erfahren: Die Gleichstellungsbeauftragte beteiligt sich auf allen Karriereniveaus an der Personalauswahl. Das WZB hat sich einen Code of Conduct für Familienfreundlichkeit gegeben. Darin legt es Grundsätze für die Förderung von Frauen und Männern, insbesondere hinsichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie fest.

Weiterhin hat die Europäische Kommission dem WZB das Logo „HR Excellence in Research“ für seine Bemühungen um eine faire Personalpolitik verliehen. Besonderes Augenmerk liegt hier auf offener, transparenter und rein an Leistung und Qualifikation orientierter Personalgewinnung.

Auch innerhalb der Leibniz-Gemeinschaft gehört das WZB in Sachen Gleichstellung zu den Spitzenreitern. Bei einer Erhebung zur Umsetzung von Gleichstellungsstandards erreichte das WZB 66 von 68 möglichen Punkten. Für seine familienbewusste Personalpolitik wurde das WZB zudem bereits mehrfach mit dem Audit berufundfamilie ausgezeichnet.

Das WZB fördert seine Promovierenden und Postdocs auf ihren Karrierewegen. Sie erhalten Unterstützung bei der Klärung von Entwicklungsmöglichkeiten sowie bei konkreten Karriereschritten, unter anderem durch Coaching und Probevorträge.

Welche Erfolge haben Sie bisher mit Ihrer Arbeit erreicht?

Gemäß den Anforderungen der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) legt das WZB jährlich Gleichstellungs-Zielquoten fest, die zusätzlich nach Führungsebenen ausgewiesen werden. 2017 waren beide Instituts-Leitungspersonen weiblich, ein Viertel der Abteilungsleitungen und mehr als die Hälfte der Forschungsgruppenleitungen.

Die Wissenschaftlerinnen am WZB verfolgen nach ihrer Rückkehr aus der Elternzeit ihre Karrieren weiter. Väter nehmen überdurchschnittlich häufig und lange ihre Elternzeit wahr. In einer internen Verbleibstudie zeigte sich, dass von den in den letzten zehn Jahren ausgeschiedenen Postdocs mittlerweile 60 Prozent der Übergang auf eine Professur gelungen ist. Frauen und Männer sind hier gleichermaßen erfolgreich.