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„Unser Ziel sind klischeefreie Entwicklungschancen und Angebote“

Thomas Schlemo und Fee von Radetzky, Leitung Kita Teltower Damm
© Kita Teltower Damm

Die Kita Teltower Damm, beheimatet im Berliner Stadtteil Zehlendorf, achtet auf geschlechterbewusste Erziehung und hinterfragt im Bildungsalltag Rollenklischees. Thomas Schlemo und Fee von Radetzky, die die Kita leiten, erzählen im Interview mehr über das Erziehungs- und Bildungskonzept.

Herr Schlemo, Frau von Radetzky, können Sie ihre Kita kurz vorstellen?

Die Kita Teltower Damm gehört zum Träger Eigenbetrieb Süd-West. Sie liegt nahe dem Zentrum des Berliner Stadtteils Zehlendorfs und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Die Kita bietet insgesamt 200 Plätze für Kinder ab der achten Lebenswoche bis zum Schuleintritt. Im Interesse der Berufstätigkeit vieler Eltern bieten wir lange Öffnungszeiten von 6.00 Uhr morgens bis 19.00 Uhr abends an. Kinder mit besonderen Bedürfnissen können im Haus therapeutisch gefördert werden.

Unterschiedlichste Nationalitäten, verschiedene Formen des familiären Zusammenlebens und Kinder mit und ohne besondere Bedürfnisse besuchen unsere Kindertagesstätte. Neben der Arbeit nach dem Berliner Bildungsprogramm sind wir Pilot-Kita des „Haus der kleinen Forscher“. Wir fördern freie und zielgerichtete Bewegungsangebote in Kooperation mit dem Landessportbund.

Was hat Sie motiviert, der Initiative Klischeefrei beizutreten?

In einer Hausfortbildung haben wir uns mit dem Thema geschlechterbewusste Erziehung beschäftigt. Seitdem achten wir darauf die eigene Sprache im Hinblick auf Rollenklischees zu hinterfragen. Wir betrachten kritisch die Geschlechterrollen Zuschreibung in Bilderbüchern und bieten allen Kindern die gleiche Möglichkeit beim Zugang von Räumen, Material und Angeboten. Diese Einstellung halten wir für sehr wichtig und engagieren uns deshalb bei der Initiative „Klischeefrei“.

Auf welche Weise setzen Sie sich für eine geschlechtersensible Bildung ein?

Unsere Angebote und Spielmöglichkeiten orientieren sich unabhängig vom Geschlecht an den Bedürfnissen und Interessen der Kinder. Dies unterstützen wir mit vielfältigen, bewusst ausgewählten Materialien aus dem Alltag, wie beispielsweise Küchengeräte, Handwerkszeug oder Verkleidungsstücke.

Wir achten durch Beobachtung beispielsweise darauf, dass Jungen als auch Mädchen Zugang zum Bauteppich, zum Bolzplatz oder zur Puppenecke haben. Unsere Erkenntnisse sind immer auch Anlass für Gruppengespräche zum Thema Rollenzuordnung. Unsere Angebote im Bereich „Haus der kleinen Forscher“ richten sich gleichermaßen an Jungen und Mädchen und werden von allen Kindern vielfältig genutzt.

Der pädagogische Ansatz vom „Haus der kleinen Forscher“ mit seinem erforschenden und entdeckenden Lernen gibt Jungen und Mädchen die Chance die MINT-Bereiche kennen zu lernen und sich mit Spaß, Neugier und dem eigenen Wissen einzubringen. Hier fördern die Fachkräfte durch geschickte Fragen den individuellen Denkvorgang der einzelnen Kinder. Die Kinder erhalten dadurch auf kindgerechte Art Zugang zu den Wissenschaften.

Das Ziel unserer geschlechterbewussten Pädagogik ist es, Mädchen und Jungen in ihren individuellen Interessen und Fähigkeiten zu fördern. Dabei gilt es geschlechterstereotypische Rollenklischees unserer Gesellschaft zu hinterfragen und ein breit angelegtes Erfahrungsfeld zu bieten.

Welche Erfolge haben Sie bisher mit Ihrer Arbeit erreicht?

Wir hinterfragen Rollenklischees und setzen uns mit der Geschlechterrollenzuschreibung in Bilderbüchern auseinander. Kinder brauchen Bilderbücher und das Betrachten macht ihnen Spaß. Jedoch transportieren Bilderbücher häufig auch stereotype Bilder der Geschlechterrolle. Kinder brauchen unterschiedliche Bilder von Weiblichkeit und Männlichkeit. Bilderbücher sind daher immer ein guter Ausgangspunkt für Gespräche über Rollenverhalten. In diesem Zusammenhang leihen wir uns von der Bücherei ausgewählte Medien aus, die sich mit den vielfältigen Lebensweisen in unserer Gesellschaft auseinandersetzen.

Wir gestalten die Bereiche in der Kita so, dass sie von allen Kindern angenommen werden. So sehen wir Mädchen im Prinzessinnenkleid, die mit der Werkzeugkiste hantieren oder Jungen beim Rollenspiel in Küche oder Puppenecke.

Kinder haben bei uns die Möglichkeit sich mit weiblichem als auch männlichem Rollenverhalten auseinanderzusetzen. Sie erleben täglich, dass unsere pädagogischen Fachkräfte, Männer und Frauen, Bildung und Erziehung gemeinsam gestalten.