29.09.2026
Ausbildungsberufe weiterhin stark nach Geschlecht getrennt
Ausbildungsberufe sind weiterhin stark nach Geschlecht getrennt. Ein neuer BIBB Report zeigt: Rund drei Viertel der untersuchten Berufe sind frauen- oder männerdominiert. Was bedeutet das für eine klischeefreie Berufsorientierung?
Welche Ausbildung junge Menschen wählen, unterscheidet sich nach wie vor deutlich nach Geschlecht. Das zeigt ein neuer Report des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), der 338 duale und schulische Ausbildungsberufe anhand ihrer Fähigkeitsprofile untersucht und vier unterschiedlichen Ausbildungssegmenten zuordnet. Ergänzende Analysen zeigen: Diese Segmente unterscheiden sich auch deutlich in ihrer Geschlechterzusammensetzung.
Für die Geschlechteranalyse wurden 332 Ausbildungsberufe betrachtet. Von ihnen waren 54,2 Prozent männerdominiert und 21,1 Prozent frauendominiert. Lediglich 24,7 Prozent wurden als geschlechtergemischte Berufe eingestuft. Als männer- beziehungsweise frauendominiert gelten in der Untersuchung Berufe, in denen mindestens 70 Prozent der neuen Auszubildenden dem jeweiligen Geschlecht angehören. Grundlage dieser Auswertung sind Daten aus dem Jahr 2019.
Besonders ausgeprägt ist die Geschlechtersegregation im größten untersuchten Segment, das berufsspezifische Fähigkeiten mit geringen bis mittleren kognitiven Anforderungen umfasst. Zwar verteilen sich die Auszubildenden dort insgesamt nahezu gleich auf Frauen und Männer. Auf Ebene der einzelnen Berufe zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Nur 17 Prozent der Berufe sind geschlechtergemischt, während rund 61 Prozent männer- und rund 22 Prozent frauendominiert sind.
Auch in zwei weiteren Segmenten überwiegen Berufe, die deutlich von einem Geschlecht geprägt sind. Eine Ausnahme bildet das Segment mit eher allgemeinen Fähigkeiten und hohen kognitiven Anforderungen: Hier sind 55,6 Prozent der Ausbildungsberufe geschlechtergemischt.
Berufswahl erweitert oder begrenzt Möglichkeiten
Die Ergebnisse machen sichtbar, dass ein insgesamt annähernd ausgeglichenes Verhältnis von Frauen und Männern in der beruflichen Bildung nicht automatisch bedeutet, dass sich beide Geschlechter auch auf dieselben Berufe verteilen. Vielmehr konzentrieren sich junge Frauen und Männer weiterhin auf unterschiedliche Ausbildungsberufe.
Für die geschlechtersensible Berufsorientierung ist dieser Befund relevant: Jugendliche sollten die Möglichkeit haben, Berufe nach ihren Interessen, Fähigkeiten und Stärken kennenzulernen – unabhängig davon, ob ein Beruf bislang überwiegend von Frauen oder Männern gewählt wird. Eine Berufsorientierung frei von Geschlechterklischees kann dazu beitragen, das Berufswahlspektrum zu erweitern und bislang wenig berücksichtigte Möglichkeiten sichtbar zu machen.
Der BIBB Report „Fähigkeitsprofile und berufliche Ausbildungssegmente. Eine Typisierung zur Analyse dualer und schulischer Berufsbildung“ untersucht neben der Geschlechterzusammensetzung auch Unterschiede bei Zugangschancen, Ausbildungsvergütung, beruflichem Ansehen und der Stabilität von Ausbildungsverhältnissen.