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14.07.2026

Berufsberatung im Erwerbsleben: Geschlechterklischees auch bei beruflicher Neuorientierung mitdenken

Eine aktuelle Auswertung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt: Frauen und Teilzeitbeschäftigte nutzen die Berufsberatung im Erwerbsleben besonders häufig. Die Ergebnisse machen deutlich, wie wichtig eine geschlechtersensible und klischeefreie Beratung auch im weiteren Erwerbsverlauf ist.

Berufsberatung im Erwerbsleben: Geschlechterklischees auch bei beruflicher Neuorientierung mitdenken

Seit 2020 bietet die Bundesagentur für Arbeit (BA) die „Berufsberatung im Erwerbsleben“ an. Das kostenfreie Angebot richtet sich vor allem an Beschäftigte sowie an Menschen, die vor dem beruflichen Wiedereinstieg stehen oder sich neu orientieren möchten. Zu den Beratungsthemen zählen berufliche Neuorientierung, Weiterbildung und Karriereplanung.

Nach einer aktuellen Auswertung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist die Zahl der erstmals beratenen Beschäftigten von rund 45.000 im Jahr 2021 auf knapp 60.000 im Jahr 2024 gestiegen. Bestimmte Beschäftigtengruppen nutzten das Angebot deutlich häufiger als andere.

Frauen nutzen das Angebot überdurchschnittlich häufig

62 Prozent der beratenen Beschäftigten waren Frauen. In der Vergleichsgruppe der Beschäftigten, die das Angebot nicht nutzten, lag ihr Anteil bei 46 Prozent. Auch Teilzeitbeschäftigte waren mit 43 Prozent deutlich stärker vertreten als in der Vergleichsgruppe mit 31 Prozent.

Das IAB verweist darauf, dass der hohe Anteil von Teilzeitbeschäftigten mit dem überdurchschnittlich hohen Frauenanteil unter den Beratenen zusammenhängen dürfte. Auch befristet Beschäftigte nutzten die Beratung vergleichsweise häufig: Sie machten 23 Prozent der Beratenen, aber nur 14 Prozent der Vergleichsgruppe aus. Dies kann darauf hindeuten, dass Menschen in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen häufiger nach Möglichkeiten der beruflichen Veränderung suchen.

Unterschiede nach Berufen und Branchen

Auch bei den ausgeübten Berufen zeigen sich Unterschiede. 16 Prozent der Beratenen arbeiteten in sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen, gegenüber neun Prozent in der Vergleichsgruppe. In den Gesundheitsberufen waren es 14 gegenüber elf Prozent.

Beschäftigte aus dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie aus dem Handel nahmen die Beratung ebenfalls überdurchschnittlich häufig in Anspruch. Beschäftigte aus dem verarbeitenden Gewerbe waren dagegen unter den Beratenen deutlich schwächer vertreten.

Diese Verteilung ist auch aus Geschlechterperspektive relevant. Teilzeitarbeit sowie Tätigkeiten im Gesundheits-, Sozial- und Erziehungsbereich sind weiterhin stark weiblich geprägt. Die Studie selbst untersucht allerdings weder die Ursachen für die unterschiedliche Nutzung des Angebots noch die Inhalte der Beratungsgespräche. Aus den Daten lässt sich daher nicht ableiten, ob Geschlechterklischees bei der Beratung eine Rolle spielten.

Berufliche Entscheidungen im gesellschaftlichen Kontext

Berufliche Neuorientierung findet unter Bedingungen statt, die von bisherigen Berufswegen, familiären Aufgaben, Beschäftigungssicherheit und Arbeitszeitmöglichkeiten geprägt sind. Geschlechterbezogene Erwartungen können dabei beeinflussen, welche Tätigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten Menschen für realistisch oder passend halten.

Eine geschlechtersensible Einordnung kann deshalb auch bei Weiterbildung, Wiedereinstieg und Berufswechsel von Bedeutung sein. Dabei geht es nicht darum, Ratsuchenden bestimmte Berufswege nahezulegen. Vielmehr sollte berücksichtigt werden, dass Berufsbilder und Vorstellungen von beruflicher Eignung gesellschaftlich geprägt sein können.

Die überdurchschnittliche Nutzung der Berufsberatung durch Frauen und Teilzeitbeschäftigte sollte zudem nicht vorschnell als Ausdruck eines individuellen Orientierungsbedarfs verstanden werden. Die Ergebnisse können ebenso auf unterschiedliche strukturelle Ausgangsbedingungen und Erwerbsverläufe hinweisen.

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