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08.05.2026

Berufsbildungsbericht 2026: Eine geschlechtersensible Berufsorientierung bleibt unerlässlich

Bundesbildungsministerin Karin Prien hat am 6. Mai 2026 im Bundeskabinett den Berufsbildungsbericht 2026 vorgestellt. Vor dem Hintergrund eines differenzierten Bildes des Ausbildungsmarktes bleibt klischeefreie Berufsorientierung wichtig.

Berufsbildungsbericht 2026: Eine geschlechtersensible Berufsorientierung bleibt unerlässlich

Der Bericht macht deutlich, dass sich wieder mehr junge Menschen für eine berufliche Ausbildung interessieren. Gleichzeitig beginnen jedoch weniger von ihnen tatsächlich eine Ausbildung. Im Ausbildungsjahr 2024/25 wurden 475.950 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen – rund 10.000 weniger als im Vorjahr.

Von den 475.950 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen des Jahres 2025 wurden 173.468 mit Frauen und 302.115 mit Männern geschlossen. Darüber hinaus wurden 367 Verträge mit Personen gemeldet, die sich nicht eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen.  Der Frauenanteil lag im Jahr 2025 bei 36,4 Prozent.

Qualifizierungsoffensive Berufliche Bildung

Mit der 2026 gestarteten Qualifizierungsoffensive Berufliche Bildung (QBB) will das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) diesen Trend umkehren. Die Offensive setzt umfassend an: von verbesserter Berufsorientierung für unterschiedliche Schulformen über attraktivere Arbeits- und Lernbedingungen bis hin zu gleichwertigen Karrierewegen und der Weiterentwicklung von berufsabschlussorientierten Teilqualifikationen. Ziel ist es darüber hinaus auch, die gesellschaftliche Wertschätzung und Wahrnehmung der beruflichen Bildung weiter zu stärken.

Die Bedeutung der beruflichen Bildung zeigt sich sowohl für die individuelle Lebensperspektive als auch für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Eine duale Ausbildung bietet gute Chancen auf eine stabile Erwerbsbiografie: 79 Prozent der Auszubildenden wurden 2024 von ihren Ausbildungsbetrieben übernommen. Gleichzeitig besteht auf dem Arbeitsmarkt weiterhin eine hohe Nachfrage nach beruflich qualifizierten Fachkräften – eine klassische Win-Win-Situation für Wirtschaft und junge Menschen.

Ein zentrales Anliegen bleibt es, allen Interessierten den Zugang zu einer Ausbildung zu ermöglichen. Dabei richtet sich der Blick auch auf Personen, die eine Ausbildung oder ein Studium abgebrochen haben, sich weiterqualifizieren möchten oder bereits berufliche Erfahrungen mitbringen. Gerade im Kontext des Strukturwandels kommt es auf jede einzelne Arbeitskraft an.

Auch Menschen mit Einwanderungsgeschichte leisten einen wichtigen Beitrag: Laut integrierter Ausbildungsberichterstattung ist die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Bereich der Berufsbildung um 11 Prozent gestiegen.

Gemeinsam mit den Partnern der beruflichen Bildung – unter anderem im Rahmen der Allianz für Aus- und Weiterbildung – soll die Attraktivität der Ausbildung weiter gesteigert werden, damit mehr junge Menschen den Weg in eine Ausbildung finden und diese erfolgreich abschließen.

Geschlechtersensible Berufsorientierung

Der Bericht benennt das Problem, dass Frauen seltener in ihren Wunschberufen einmünden und folgert, dass es wichtig ist, dass Rollenbilder und Stereotype geschlechtsspezifische Zuschreibungen im Beruf und auch anderen gesellschaftlichen Bereichen nicht bestimmen: „Im Zusammenhang mit der Berufswahl sind es häufig Frauen, die Berufe wählen, die Ihnen weniger Aufstiegschancen, weniger Teilhabe am technischen und digitalen Fortschritt und weniger Entgelt einbringen, dafür aber mehr Teilzeit „ermöglichen“ mit unter Umständen weitreichenden Folgen für die ökonomische Selbstbestimmung. Dazu gehört auch, dass Männer deutlich seltener Soziale Berufe wählen.“ Und weiter: „Eine geschlechtersensible Berufsorientierung, Personalentwicklung sowie eine generelle Sensibilisierung für wirtschaftliche Eigenständigkeit bleiben deshalb unerlässlich. Nur so können die vollständige Chancengleichheit von Frauen und Männern im Berufsleben und zugleich die notwendige Fachkräftesicherung erreicht werden.“ (Berufsbildungsbericht 2026, Seite 28) Dabei wird auch die Initiative Klischeefrei explizit genannt. Die Initiative Klischeefrei findet sich auch im „Gesamtüberblick der berufsbildungspolitischen Aktivitäten und Programme der Bundesregierung“ auf Seite 152f. wieder.

Hintergrund

Der Berufsbildungsbericht 2026 bildet die Lage auf dem Ausbildungsmarkt zum Stichtag 30. September 2025 ab. Im Berichtsjahr 2025 ist das Ausbildungsstellenangebot auf 530.300 gesunken (–25.300 bzw. –4,6 Prozent).

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im dualen System lag bei 476.700 (–2,1 Prozent). Die traditionelle Ausbildungsnachfrage ging leicht auf 515.800 zurück (–0,3 Prozent), während die erweiterte Nachfrage auf 560.300 anstieg (+0,3 Prozent).

Zum Ende des Berichtszeitraums waren 84.400 Bewerberinnen und Bewerber noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz (+14.000). Gleichzeitig gab es 54.400 unbesetzte Ausbildungsstellen (–15.000). Die Zahl der unversorgt gebliebenen Bewerberinnen und Bewerber stieg auf 39.900 (+28,0 Prozent).

In der integrierten Ausbildungsberichterstattung zeigt sich zudem ein Rückgang der Anfängerzahlen in der dualen Berufsausbildung im Jahr 2025, während schulische Ausbildungsgänge – insbesondere in Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialberufen – Zuwächse verzeichnen.

„Der heute vorgelegte Berufsbildungsbericht 2026 zeigt, dass eine erfolgreich absolvierte duale Ausbildung klare Vorteile bietet. Gleichzeitig wachsen die Herausforderungen für den Ausbildungsmarkt: Das Angebot geht zurück, das Interesse steigt – und dennoch bleiben viele Stellen unbesetzt, weil es an der Passung fehlt. Regionale Unterschiede und eine ungleiche Verteilung bei den Ausbildungsberufen verstärken diese Entwicklung zusätzlich. Während in beliebten Ausbildungsberufen viele Bewerberinnen und Bewerber unversorgt bleiben, gibt es in anderen weiterhin offene Stellen. Auch die Qualifikationen der Interessierten passen nicht immer zu den Anforderungen der Betriebe.

Genau hier setzen wir mit gezielten Maßnahmen zur Stärkung von Basiskompetenzen und Berufsorientierung an. Zugleich machen wir die berufliche Bildung attraktiver – mit modernen Ausbildungsordnungen, besseren Karriereperspektiven und mehr Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung. Unser Ziel ist klar: Die berufliche Bildung muss als gleichwertige und attraktive Alternative zum Studium wahrgenommen werden. Deshalb unterstützen wir auch gezielt junge Erwachsene ohne Berufsabschluss. Mit der Qualifizierungsoffensive Berufliche Bildung verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz, damit mehr Menschen den Weg in Ausbildung und Beschäftigung finden.“

Karin Prien, Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend