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14.09.2026

Gleichberechtigt? Was Berufswahl mit Demokratie zu tun hat

Nur 13 Prozent der in Deutschland Befragten halten die Gleichstellung von Frauen und Männern bereits für erreicht. Das zeigt eine aktuelle Ipsos-Umfrage. Auch ein Blick auf die Geschlechterverteilung auf dem Arbeitsmarkt anlässlich des Internationalen Tages der Demokratie am 15. September belegt den Eindruck von Männer- und Frauendomänen.

Gleichberechtigt? Was Berufswahl mit Demokratie zu tun hat

Gleichberechtigung: Anspruch und Wirklichkeit

Gleichstellung ist für eine deutliche Mehrheit der Befragten in Deutschland wichtig. 62 Prozent geben dies in einer Ipsos-Umfrage zum Weltfrauentag 2026 an. Nur 13 Prozent sind allerdings der Ansicht, dass die Gleichstellung von Frauen und Männern bereits erreicht ist.

Auch bei der Verteilung von Aufgaben zeigen sich Unterschiede zwischen persönlichen Vorstellungen und wahrgenommenen gesellschaftlichen Erwartungen. Rund drei Viertel der Befragten sehen Frauen und Männer gleichermaßen in der Verantwortung für Kindererziehung, Geldverdienen und Hausarbeit. Gleichzeitig nehmen 44 Prozent wahr, dass Kindererziehung gesellschaftlich vor allem Frauen zugeschrieben wird. Bei der Hausarbeit ist der Anteil ebenso hoch. Beim Geldverdienen sehen dagegen fast die Hälfte der Befragten die gesellschaftliche Erwartung eher bei Männern. Für die Studie wurden rund 1.000 Menschen zwischen 16 und 74 Jahren in Deutschland befragt.

Diese Vorstellungen spiegeln, welche Fähigkeiten und Tätigkeiten Frauen und Männern zugeschrieben werden. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Berufswahl.

Demokratie lebt von Teilhabe

Der Internationale Tag der Demokratie wird seit 2007 jedes Jahr am 15. September begangen. Die Vereinten Nationen stellen 2026 die Beteiligung unterschiedlicher gesellschaftlicher Stimmen in den Mittelpunkt. Demokratie braucht die Möglichkeit, sich einzubringen, gehört zu werden und Entscheidungen mitzugestalten, die das eigene Leben betreffen.

Gleichberechtigte Teilhabe setzt deshalb auch voraus, dass Menschen ihre individuellen Fähigkeiten und Interessen entwickeln und ihren Lebensweg möglichst selbstbestimmt gestalten können. Das gilt für gesellschaftliche und politische Beteiligung ebenso wie für Bildung und Beruf.

Geschlechterklischees beeinflussen die Berufswahl

In Deutschland stehen jungen Menschen grundsätzlich unabhängig von ihrem Geschlecht alle Berufe offen. Trotzdem ist der Ausbildungs- und Arbeitsmarkt nach wie vor deutlich nach Geschlecht aufgeteilt. Die Berufsbildungsforschung zeigt, dass Geschlechterklischees bereits während der Berufsorientierung wirken können.

Jugendliche schließen bestimmte Berufe teilweise aus, weil diese aus ihrer Sicht nicht zum eigenen Geschlecht passen. Neben Interessen und Fähigkeiten spielen dabei auch das Ansehen eines Berufs und die erwarteten Reaktionen des sozialen Umfelds eine Rolle.

Berufswahlfreiheit bedeutet deshalb mehr, als einen Beruf formal wählen zu dürfen. Junge Menschen müssen unterschiedliche Berufe kennenlernen und die Möglichkeit haben, ihre eigenen Stärken und Interessen zu entdecken. Geschlechterklischees können dieses Spektrum verkleinern, wenn bestimmte Tätigkeiten von vornherein als unpassend wahrgenommen werden.

Der Ausbildungsmarkt bleibt deutlich aufgeteilt

Die Ausbildungszahlen für 2025 zeigen, wie unterschiedlich junge Frauen und Männer ihre Berufe weiterhin wählen. Kraftfahrzeugmechatroniker war bei Männern erneut der häufigste neu abgeschlossene Ausbildungsberuf. Rund 22.300 Männer begannen eine entsprechende Ausbildung. Bei Frauen lag der Beruf dagegen nur auf Rang 27; rund 1.500 Frauen entschieden sich dafür.

Bei Frauen stand die Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten mit rund 16.100 Neuverträgen an erster Stelle. Bei Männern landete dieser Beruf auf einem der letzten Ränge.

Aus solchen Zahlen lässt sich nicht ableiten, warum sich einzelne Menschen für oder gegen einen Beruf entscheiden. Interessen, Fähigkeiten, Verdienstmöglichkeiten, Arbeitsbedingungen, Ausbildungsangebote und persönliche Erfahrungen beeinflussen die Berufswahl. Die Zahlen machen aber sichtbar, dass sich Frauen und Männer weiterhin auf sehr unterschiedliche Berufe verteilen.

Berufsorientierung kann Möglichkeiten erweitern

Klischeefreie Berufsorientierung will junge Menschen nicht in bestimmte Berufe lenken. Ihr Ziel ist eine Berufs- und Studienwahl, die sich an individuellen Stärken und Interessen orientiert und nicht daran, was vermeintlich zu Frauen oder Männern passt.

Lehrkräfte, Berufsberatende, Eltern und Unternehmen können dazu beitragen, das Berufswahlspektrum junger Menschen zu erweitern. Dazu gehört, vielfältige berufliche Vorbilder sichtbar zu machen, Geschlechterzuschreibungen zu hinterfragen und Jugendlichen Erfahrungen auch in Berufen zu ermöglichen, die sie zunächst nicht für sich in Betracht gezogen haben.

Gleichberechtigung und freie Berufswahl hängen eng zusammen. Eine demokratische Gesellschaft schafft Voraussetzungen dafür, dass Menschen ihre Fähigkeiten einbringen, Entscheidungen treffen und ihr Leben möglichst selbstbestimmt gestalten können. Eine Berufsorientierung frei von Geschlechterklischees leistet dazu einen Beitrag.