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15.02.2022

„Wir setzen uns aktiv gegen Klischees und für eine offene Verwaltung ein“

Der Bürgermeister der Stadt Wunstorf, Carsten Piellusch, und die Gleichstellungsbeauftragte, Marija Vorona beantworten die Fragen von der Initiative Klischeefrei. Für die Kommune arbeiten insgesamt 420 Leute. Jedes Jahr bildet sie etwa 20 bis 25 Menschen aus. Im Interview betonen der Bürgermeister und die Gleichstellungsbeauftragte, wie wichtig eine Entscheidung ohne Klischees im Kopf auch für die Berufswahl ist. Und: Beide erläutern auch, was die Stadt jetzt schon aktiv unternimmt.

„Wir setzen uns aktiv gegen Klischees und für eine offene Verwaltung ein“

Herr Piellusch, wie würden Sie Ihre Organisation in einigen Sätzen beschreiben? Was machen Sie? Was zeichnet Sie aus?

Unsere Stadtverwaltung Wunstorf versteht sich als zukunftsorientierter Dienstleistungsbetrieb und Arbeitgeber. Als Teil der Exekutive vertreten wir die Interessen der Wunstorfer Bürgerinnen und Bürger und setzen die Entscheidungen der Politik um. Dies jedoch immer unter Beachtung der für uns geltenden Rechte und Pflichten.

Insgesamt besteht die Stadt Wunstorf aus 10 Ortschaften, die von uns verwaltet werden. Die Aufgabenbewältigung erstreckt sich auf alle möglichen Lebensbereiche: Von der Entscheidung über Bauanträge, über die Durchführung oder Genehmigung von Veranstaltungen bis hin zur Wahrung der Sicherheit und Ordnung in der Stadt Wunstorf. Hierbei habe ich als Bürgermeister zum Ziel, dass unsere Arbeit so transparent und bürgernah wie nur möglich gestaltet wird.

Als Arbeitgeber im Öffentlichen Dienst können wir trotz des schnellen und fortlaufenden Wandels in der Arbeitswelt sichere Arbeitsplätze und eine faire Bezahlung bieten. Aufgrund der vielfältigen Aufgaben, die die Stadt Wunstorf zu bewältigen hat, sind auch die Jobmöglichkeiten bei der Stadt Wunstorf entsprechend vielseitig. Je nach Themengebiet fallen täglich neue Aufgaben an, sodass es bei uns nicht langweilig wird. Zukunftsorientiert möchte ich die Stadtverwaltung weiter digitalisieren und modernisieren. Die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, als Arbeitgeber modern aufgestellt zu sein. Mit der Möglichkeit zu Home-Office und unserem großzügigen Gleitzeitrahmen von 6:00 Uhr bis derzeit noch 21:00 Uhr kann bei uns flexibel gearbeitet werden (sofern der Arbeitsplatz dieses auch zulässt).

Der Hauptarbeitsort unserer Stadtverwaltung ist unser Rathaus, dass seinen Standort direkt in der Wunstorfer Innenstadt hat. Diese ist im Übrigen als „schönste Innenstadt der Region“ bekannt, was sich definitiv nicht leugnen lässt (*Zwinker*). Unsere Fußgängerzone besteht aus einer Bandbreite an Geschäften und verschiedenen Lokalitäten, sodass viele meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Rathauses ihre Mittagspause gerne in der Fußgängerzone verbringen. Erholung im Anschluss an den Arbeitstag bietet das Steinhuder Meer bei uns direkt um die Ecke. Das Steinhuder Meer ist immer einen Ausflug wert und lockt dadurch insbesondere in den Sommermonaten auch viele Tagestouristen an.

Herr Piellusch, was hat Sie motiviert, der Initiative Klischeefrei beizutreten?

Klischees und Stereotypen sind in unserer Gesellschaft fest verankert. Diese beeinflussen die Berufswahl und führen oft zu falschen Entscheidungen. Ich finde, wir sollten gemeinsam an einem Strang ziehen und allen Menschen signalisieren, dass bei der Berufsentscheidung im Wesentlichen das persönliche Interesse und die eigenen Fähigkeiten eine Rolle spielen sollten. Und auch ob Eltern, Familie und Freunde den eigenen Beruf passend finden, darf junge Menschen nicht von einem Job abhalten. Dafür müssen wir schon frühzeitig Klischees in Kita, Schule und Ausbildung thematisieren und dagegen arbeiten.

Es ist mir ein Anliegen, dass wir uns in Wunstorf aktiv gegen Klischees und für eine moderne sowie auch offene Verwaltung einsetzen. Auch wir in der Verwaltung merken, dass in manchen Bereichen wie EDV oder Kindertagesstätten einzelne Geschlechter stark überrepräsentiert sind. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass gemischte, diverse Teams besser zusammenarbeiten. Das ist auch für das Betriebsklima nicht unwichtig.

Ich glaube, dass der Beitritt zu dieser Initiative ein wichtiges Signal ist. Es ist aber auch noch ein weiter Weg vor uns. Und er braucht Zeit. Die Initiative bringt uns neue Denkanstöße. Wir haben deswegen bereits Informationsmaterialien für die Stadtbibliothek und weiteren Bildungseinrichtungen bestellt, damit wir möglichst viele junge Menschen rechtzeitig erreichen. Gemeinsam mit anderen Kommunen, Vereinen, Verbänden und Unternehmen können wir zudem ein Netzwerk spannen und Menschen gemeinsam dabei stärken, ihren eigenen Weg ins Berufsleben zu gehen.

Frau Vorona, wie setzen Sie sich für eine geschlechtersensible Berufs- und Studienorientierung ein?

Für mich als Gleichstellungsbeauftragte ist es wichtig, vorhandene Klischees in der Gesellschaft zu thematisieren und ihnen entgegenzuwirken. Die Internetseite der Kampagne ist dafür eine gute Informationsquelle. Wir als Stadt müssen dieses Wissen aber auch aktiv mit Veranstaltungen und Aktivitäten in die Gesellschaft tragen. Vor allem müssen wir die jungen Leute so ansprechen, dass sie dem Thema überhaupt offen gegenüberstehen. Flyer und Plakate an den Schulen werde da nicht reichen. Wir müssen hier kreativer werden und auch unkonventionelle Wege gehen, um die Jugendlichen für dieses Thema zu gewinnen.

Jedes Jahr beteiligt sich die Stadt Wunstorf am Zukunftstag und öffnet jungen Menschen die Türen. Die Beschäftigten und Auszubildenden der Stadtverwaltung zeigen und erklären dort ihre Berufe. Letztes Jahr haben wir beispielweise mit einer Gruppe den Baubereich in den Fokus genommen. Dabei wurden der Baubetriebshof und der Straßen- und Tiefbau beleuchtet. Die zweite Gruppe durfte die vielfältigen Tätigkeiten im Sozialbereich kennenlernen. Ihnen berichteten eine Sozialarbeiterin, eine Erzieherin und ein Jugendpfleger über ihre Tätigkeiten. Natürlich hatten die Schüler*innen dabei die Möglichkeit, ihre Fragen zu den verschiedenen Berufen zu stellen. Wir wollen auch auf den Berufsmessen Klischees aktiv ansprechen und unsere Position deutlich machen.

Auch haben wir die kleinsten in unserer Gesellschaft im Blick. Wir haben bereits eine Literaturempfehlung mit einigen Büchern in die Kita-Einrichtungen, aber auch an die Tagespflegepersonen geschickt. Dabei sind wir auf offene Ohren gestoßen und werden unsere Angebote vielleicht mit einer Weiterbildung für die Fachkräfte erweitern.

In den nächsten Tagen starten wir die Kampagne „Berufswahl – Du entscheidest“. Der Name trifft es schon ganz gut. Das „Du entscheidest“ zählt.

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