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25.08.2022

Mütter würden gerne mehr arbeiten

Ungleichheit der Erwerbseinkommen hat zugenommen

In den letzten 25 Jahren ist die Ungleichheit der Erwerbseinkommen stark gestiegen. Dies liegt vor allem an der Entwicklung der Arbeitszeiten: Menschen mit höheren Einkommen arbeiten mehr Stunden als Menschen im Niedriglohnsektor. Vor allem Mütter und Berufseinsteigende würden gerne mehr arbeiten.

Mütter würden gerne mehr arbeiten

Mütter würden vielfach gerne mehr arbeiten, aber auch andere Bevölkerungsgruppen sind nicht im von ihnen präferierten Umfang erwerbstätig. Dies belegt eine Auswertung von Daten des Sozioökonomischen Panels (SOEP), die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in seiner Reihe DIW Wochenbericht veröffentlicht hat.

Die beiden Autoren haben auf Basis der vorliegenden Daten eine zunehmende Ungleichheit in der Entwicklung des Erwerbseinkommens errechnet.

Betrachtet wurden:

  • die Verteilung der Stundenlöhne
  • die Verteilung der Arbeitszeiten und
  • der statistischen Zusammenhang (Korrelation) zwischen Stundenlöhnen und Arbeitszeiten.

Vergleicht man Erwerbstätige im Dienstleistungssektor des Jahres 1993 mit denen des Jahres 2018, zeigt sich, dass zum einen heute insgesamt mehr Menschen in diesem Sektor beschäftigt sind als vor 25 Jahren und der Sektor durch einen hohen Frauenanteil gekennzeichnet ist. (1993: 31 Prozent, 2018: 40 Prozent). Dies allein erklärt jedoch nicht die Ungleichheit der Einkommen, so die Forscher. Vielmehr stellen sie eine wachsende Kluft zwischen tatsächlicher Arbeitszeit und gewünschter Arbeitszeit fest. Vor allem Menschen mit geringen Einkommen arbeiten weniger Stunden als sie eigentlich wollen. Besonders Geringverdienende, Neu- und Wiedereinsteigende sowie Mütter arbeiten unfreiwillig weniger. Diese Gruppen wollen zwar weniger arbeiten als andere Beschäftigte, jedoch nicht in diesem Umfang. Mütter wünschen sich im Schnitt zwei Stunden mehr Arbeitszeit als sie tatsächlich realisieren.

Würden diese Beschäftigtengruppen in dem Umfang arbeiten können, wie sie dies wünschen, gäbe es weniger Ungleichheit im Erwerbseinkommen, da zudem die Einführung des Mindestlohns die Ungleichheit bei den Stundenlöhnen etwas abgefedert hat.

Die Studie legt nahe, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für insbesondere die Mütter immer noch nicht ihren Bedarfen entspricht. Eine gleichberechtigtere Verteilung der Sorgearbeit würde sich hier ebenso positiv auswirken wie mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten für beide Geschlechter.

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