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21.09.2026

Frauen in Technik: Auf die Berufswahl folgen die Arbeitsbedingungen

Eine aktuelle Studie untersucht Arbeitsbedingungen und Organisationskulturen an technisch-naturwissenschaftlich ausgerichteten Universitäten. Sie zeigt: Geschlechtergerechtigkeit entscheidet sich nicht allein daran, wie viele Frauen sich für technische Studien- und Berufswege entscheiden. Auch die Bedingungen, die sie dort vorfinden, spielen eine wichtige Rolle.

Frauen in Technik: Auf die Berufswahl folgen die Arbeitsbedingungen

Frauen für technische Studiengänge und Berufe zu gewinnen, ist ein wichtiges Ziel einer klischeefreien Berufs- und Studienorientierung. Doch mit der Entscheidung für einen solchen Weg ist es nicht getan. Entscheidend ist auch, unter welchen Bedingungen Menschen anschließend studieren, arbeiten und ihre berufliche Laufbahn entwickeln können.

Darauf richtet eine aktuelle Studie des Center für Geschlechterverhältnisse in der Wissenschaft (CEWS) bei GESIS den Blick. Untersucht wurden die Arbeits- und Organisationsbedingungen an acht technisch-naturwissenschaftlich orientierten Universitäten, darunter sieben Hochschulen des TU9-Verbunds. Grundlage waren unter anderem eine Online-Befragung wissenschaftlich Beschäftigter mit 5.428 ausgewerteten Rückmeldungen, Interviews sowie Hochschulstatistiken und Dokumentenanalysen.

Benachteiligung und psychische Gewalt

Fast ein Drittel der Befragten gab an, innerhalb der vergangenen zwölf Monate Benachteiligungen erlebt zu haben. Frauen und nichtbinäre Personen berichteten häufiger von psychischer Gewalt als Männer. 10,5 Prozent der Befragten gaben zudem an, sexuelle Belästigung erfahren zu haben. Besonders häufig betroffen waren unter anderem Frauen und nichtbinäre Personen sowie Beschäftigte unter 35 Jahren.

Die Studie nimmt außerdem die Arbeitskultur in der Wissenschaft in den Blick. Demnach wirken Vorstellungen eines „idealen Wissenschaftlers“ fort, der in Vollzeit arbeitet, weitgehend uneingeschränkt verfügbar und von Sorgeverpflichtungen entlastet ist. In der Karrierephase zwischen Promotion und Professur sind Frauen und nichtbinäre Personen häufiger von Befristung und Teilzeit betroffen.

Klischeefreie Berufswahl braucht Perspektiven

Für eine klischeefreie Berufs- und Studienwahl sind diese Ergebnisse auch über den Wissenschaftsbetrieb hinaus relevant. Junge Menschen sollten technische und naturwissenschaftliche Berufe entsprechend ihren Interessen, Fähigkeiten und Talenten in Betracht ziehen können – unabhängig von ihrem Geschlecht. Geschlechterklischees können dazu beitragen, dass bestimmte Studiengänge und Berufe gar nicht erst als Möglichkeit wahrgenommen werden.

Eine Entscheidung frei von Klischees ist deshalb ein wichtiger erster Schritt. Ebenso wichtig sind jedoch Arbeits- und Karrierebedingungen, unter denen Menschen ihre beruflichen Möglichkeiten tatsächlich ausschöpfen können. Wer mehr Frauen für Technik und Naturwissenschaften gewinnen möchte, muss daher beides im Blick behalten: den Zugang zu diesen Berufsfeldern und die Bedingungen, die Menschen dort im weiteren Berufsleben vorfinden.

Die SIGIS-Studie nennt unter anderem sichtbare Beratungsangebote, transparente Verfahren sowie eine aktive Gleichstellungs- und Antidiskriminierungspolitik als Ansatzpunkte für Hochschulen.

Quelle: Studie „Strukturelle und kulturell normative Geschlechterungleichheiten in Arbeits- und Organisationsbedingungen an Hochschulen (SIGIS)“, GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, 2026.