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Bildung – Gesundheit – Interkulturalität

Prof. Dr. rer. nat. habil. Dr. h.c. Astrid Beckmann, Rektorin/President PH Schwäbisch Gmünd, University of Education
© Prof. Dr. Astrid Beckmann

Bereits seit einigen Jahren engagiert sich die Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd im Bereich der Diversitätsorientierung und Gleichstellung. Prof. Dr. Astrid Beckmann, Rektorin der Hochschule, stellt im Interview die einzelnen Tätigkeitsfelder vor.

Frau Prof. Beckmann, können Sie die Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd vorstellen?

Die Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd ist eine dynamische wissenschaftliche Hochschule mit einer besonders langen Tradition in der Lehrerbildung seit 1825. Ehemals Lehrerseminar hat sie heute Universitätsstatus mit einem breiten Studienangebot und internationaler Vernetzung in Forschung und Lehre.

Als einzige bildungswissenschaftliche Hochschule der weiten Region und dem wissenschaftlichen Profil Bildung – Gesundheit – Interkulturalität ist sie das Kompetenzzentrum Ostwürttemberg für Bildungsforschung, interdisziplinäre Gesundheitsförderung und Migrations- und Partizipationsforschung. Die Bildungsforschung umfasst die Bildungsprozesse im Lebenslauf in der Breite der zentralen gesellschaftlichen Themen einschließlich der wissenschaftlichen Weiterbildung.

In ihrem Profil bietet die PH Schwäbisch Gmünd ein breites Angebot von Studiengängen von der Lehramtsbildung und der Kindheits- und Sozialpädagogik über die Gesundheitsförderung und Pflegewissenschaft bis hin zur Interkulturalität und Integration. Die ca. 3.000 Studierenden profitieren von einer persönlichen Atmosphäre, guten Studienbedingungen und forschungsorientierter innovativer Lehre über die Forschungs- und Anwendungszentren der PH.

Zusätzliche Kompetenzen können sie auch in Erweiterungsstudiengängen, spezifischen Forschungs-, Förder- und regionalen Transferprojekten oder in den Modulen des bundesweit einmaligen Beratungs- und Qualifizierungskonzepts Staufer Studienmodell erwerben. Im Lehramt gestatten die Profilbereiche eine besondere Qualifizierung, zum Beispiel in Beratung, Sprach- und MINT-Förderung, Medienbildung, Berufsorientierung, Bildung im Kontext von Heterogenität und Gesundheitsförderung. Die Beratungs- und Qualifizierungsprogramme der PH Schwäbisch Gmünd erhalten in Absolventenbefragungen stets beste Bewertungen. Die PH ist Mitglied im Best Practice Club „Familie in der Hochschule“ und fördert aktiv Familienfreundlichkeit, Chancengleichheit, Diversität und Nachhaltigkeit. Das Gleichstellungskonzept der PH Schwäbisch Gmünd wurde bereits mehrfach durch die Förderung im Professorinnenprogramm des Bundes besonders gewürdigt.

Was hat sie motiviert, sich bei der Nationalen Kooperation zu engagieren?

Die PH Schwäbisch Gmünd engagiert sich bereits seit einigen Jahren ausdrücklich und erfolgreich im Bereich der Diversitätsorientierung und Gleichstellung und hat auch entsprechende Maßnahmen zum Abbau von geschlechterstereotypen Berufs- bzw. Studienwahlentscheidungen angestoßen, durchgeführt bzw. im Struktur- und Entwicklungsplan 2017–2021 verankert.

Die PH sieht sich auf Grund ihres Lehr- und Forschungsprofils in Bildung und Gesundheit besonders gefordert. Einerseits gibt es mit konstant über 75 Prozent überdurchschnittlich hohe Studentinnenanteile, vor allem in den Studiengängen der Elementarpädagogik und der Gesundheitsförderung.

Hier ist es notwendig, soweit es der gesamtgesellschaftliche Rahmen ermöglicht, diese Berufsfelder für Männer durch die entsprechende Studiengangsgestaltung noch attraktiver zu machen. Andererseits gibt es auch eine klare fachliche Geschlechtersegregation zu Ungunsten von Frauen vor allem in den MINT-Fächern: insbesondere weisen einige naturwissenschaftlich-technische Fächer sowie Politik und Sport in den Lehramtsstudiengängen und die Bachelor- und Masterstudiengänge in Ingenieurpädagogik unterdurchschnittliche Studentinnenanteile auf. Auch hier gilt es, geschlechtsspezifische Hindernisse abzubauen.

Wir von der PH Schwäbisch Gmünd freuen uns auf den Austausch mit den Kooperationspartnerinnen und -partnern und wollen unsere Expertise aus eigenen Best-Practice Beispielen, Projekten und Maßnahmen gerne weitergeben.

Auf welche Weise setzt sich die PH Schwäbisch Gmünd für eine geschlechtersensible Berufs- und Studienorientierung ein?

Die PH Schwäbisch Gmünd setzt sich in ihrem gesamten wissenschaftlichen Profil Bildung – Gesundheit – Interkulturalität auf verschiedene Weise für eine geschlechtersensible Berufs- und Studienorientierung ein. Zudem ergeben sich durch die besondere Rolle der PH als Bildungs- und Weiterbildungsinstitution für Lehrkräfte viele Gestaltungsmöglichkeiten sowohl in die eigene Hochschule hinein als auch nach außen.

Bei der Ansprache der Studierenden achtet die PH Schwäbisch Gmünd auf die genderreflektierte Gestaltung der Öffentlichkeitsarbeit, der Orientierungsveranstaltungen (z.B. Studieninformationstag) und der Beratungsangebote.

Die Wirkung nach außen stützt sich auf zwei Säulen:

Erstens wird die anwendungsorientierte (Weiter-)Entwicklung von Genderkompetenz der Lehramtsstudierenden gefördert, so dass sie diese Kompetenzen sowohl im Fachunterricht als auch in außerfachlichen pädagogischen Kontexten wie der Berufsorientierung nutzen können. Dies geschieht durch die Integration von Geschlechterforschungsaspekten in den regulären Studienmodulen sowie die Ausbringung zusätzlicher Angebote zum Beispiel bei der jährlichen „Genderwoche“ der PH Schwäbisch Gmünd.

Neu seit 2017 wird außerdem das im Rahmen des Professorinnenprogramms von Bund und Ländern geförderte Projekt „GenderMachtSchule“ durchgeführt. Dabei werden die bereits an der PH bestehenden Lehr- und Forschungsinhalte aus den Gender Studies noch besser für die Studierenden sichtbar gemacht und Material zu gendergerechter Unterrichtsgestaltung gesammelt und zur Verfügung gestellt. In der nächsten Projektphase wird es dann auch Workshops und ein neu konzipiertes Online-Angebot geben, bei denen die Studierenden besonders des Lehramtes ihre Kompetenzen in diesem Bereich weiter ausbauen können.

Zweitens trägt die PH Schwäbisch Gmünd durch innovative Forschungs- und Transferprojekte dazu bei, Geschlechterungleichheiten in Berufs- und Studienorientierung entgegenzuwirken. Ein Beispiel dafür ist das Projekt „Geschlechtergerechte Fachdidaktik in Naturwissenschaften, Technik und Wirtschaftswissenschaften (GELEFA)“, welches vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Weingarten sowie dem Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen – „Komm, mach MINT“ durchgeführt wurde. Dieses Projekt ging 2015–2016 der Frage nach, wie Jungen und Mädchen in den benannten Fächern gleichermaßen erfolgreich ausgebildet werden können und setzte einen Schwerpunkt in der Vernetzung von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Schule und Politik.

Aktuell startet an der PH Schwäbisch Gmünd das Projekt „Teaching MINTD: Förderung der diversitätsorientierten Lehre und Lehramtsausbildung in Physik und Technik“ (2018–2020), ein vom Landesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg finanziertes Modellprojekt. In diesem Projekt werden fundierte Instrumente entwickelt, um Lehrkräfte dabei zu unterstützen, Schülerinnen und Schüler gender- und diversitätssensibel für naturwissenschaftlich-technische Fächer zu begeistern und ihre Lernleistung zu fördern.

Sowohl die nach innen als auch die nach außen gerichteten Maßnahmen und Angebote zur geschlechtersensiblen Berufs- und Studienorientierung sind in die langfristige Struktur- und Entwicklungsplanung der PH integriert und damit nachhaltig verankert. Darüber hinaus vernetzen sich die verschiedenen Fächer und das Büro für Gleichstellung und Familie regelmäßig miteinander, um die Weiterentwicklung von Forschungs- und Transfervorhaben in diesem Bereich voranzubringen.
Bereits seit einigen Jahren wirke ich in meiner Funktion als Rektorin als MINT-Beauftragte der Landesrektorenkonferenz (LRK) der Pädagogischen Hochschulen in der Initiative „Frauen in MINT-Berufen“ des Landes Baden-Württemberg mit und vertrete dort die Bündnispartnerschaft der LRK-PHs.

Welche Erfolge haben Sie bereits mit Ihrem Engagement erreichen können?

Die wiederholte Einwerbung von zusätzlichen Fördermitteln für die Umsetzung der Forschungs- und Transferprojekte ist sicher ein Erfolgsmerkmal an sich. Darüber hinaus wird an der PH Schwäbisch Gmünd bereits eine steigende Tendenz des Männeranteils im Grundschullehramt (von 11,6 Prozent im Wintersemester 2011/12 bis 14,9 Prozent 2016/17) sowie im Bachelor Gesundheitsförderung (von 5,4 Prozent auf 13,9 Prozent im selben Zeitraum) verzeichnet. In den einzelnen Fächern der Lehramtsstudiengänge sowie in der Ingenieurpädagogik lassen sich hingegen bislang auch wegen der teilweise sehr geringen Fallzahlen noch keine eindeutigen Tendenzen ausmachen.