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„Wir setzen uns dafür ein, traditionelle Rollenbilder nicht zu verstärken“

Prof. Dr. Claudia Weber, Viadrina-Vizepräsidentin für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Chancengleichheit
© Heide Fest, Viadrina

Die Europa-Universität Viadrina hat 6.000 Studierende, davon mehr Frauen als Männer. Mit verschiedenen Einrichtungen und Aktivitäten setzt sich die Hochschule dafür ein, dass überholte Rollenklischees abgebaut werden. Prof. Dr. Claudia Weber, Vizepräsidentin für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Chancengleichheit, stellt die Viadrina vor.

Frau Prof. Dr. Weber, können Sie die Viadrina kurz vorstellen?

Die Viadrina liegt mitten in Europa. Seit ihrer Wiedergründung im Jahre 1991 hat sie sich zu einer international gefragten Adresse an der deutsch-polnischen Grenze entwickelt: Über 6.000 Studierende sind derzeit hier immatrikuliert. Studierende und Lehrende kommen aus über 100 Ländern, Fremdsprachenangebote und Auslandsaufenthalte an einer der rund 250 Partnerhochschulen sind selbstverständlich. Kleine Seminare und direkter Kontakt zu den Lehrenden bieten ausgezeichnete Studienbedingungen.

Die Viadrina ist ein Ort, an dem man gut betreut in der Regelstudienzeit seine Abschlüsse erwerben und unterstützt von einem Career Center den Berufseinstieg vorbereiten kann. Das grenzübergreifende Leben schafft eine im besten Sinne europäische Atmosphäre.

Was hat Sie motiviert, sich bei den Nationalen Kooperationen zu engagieren?

Der Frauenanteil unter den Studierenden ist an der Viadrina höher als im Bundesdurchschnitt. Das liegt vor allem an unserer Fächerstruktur, den Kultur-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. An der Viadrina gibt es also keine traditionell von Frauen weniger nachgefragten Fächer wie Natur- oder Ingenieurswissenschaften. Im Gegenteil: In den Kulturwissenschaften studieren sogar deutlich weniger Studenten als Studentinnen.

Frauen sind erst in späteren Qualifikationsphasen unterrepräsentiert, während der Promotion, der Postdoc-Phase und auf Professuren. Das ist Chance und Risiko zugleich – einerseits ist es so leichter, qualifizierte Frauen für weiterführende Qualifizierungsphasen zu gewinnen, andererseits birgt es die Gefahr, dass sich geschlechtsspezifische Studienwahlmuster zu typischen „Frauenfächern“ verfestigen. Die Viadrina unterstützt daher die Ziele der Initiative für eine Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees.

Auf welche Weise setzt sich die Viadrina für eine geschlechtersensible Berufs- und
Studienorientierung ein?

Die Viadrina setzt sich dafür ein, traditionelle Rollenbilder nicht zu verstärken und unterrepräsentierte Gruppen aktiv anzusprechen. Das fängt an beim Schnupperstudium und dem Viadrina Day – unserem Tag der offenen Tür –, geht weiter bei den Viadrina-Botschafter*innen an Schulen und den Lotsen für Studienanfänger*innen, bis hin zu einer geschlechtersensiblen Öffentlichkeitsarbeit.

Anlaufstellen wie das Familien- und das Gleichstellungsbüro stellen wir in den zentralen Einführungsveranstaltungen vor. In Zukunft wollen wir Berufswahlmotive unserer Studierenden noch genauer analysieren und unsere Angebote dann darauf abstimmen.

Welche Erfolge haben Sie bereits mit Ihrem Engagement erreichen können?

An der Kulturwissenschaftlichen Fakultät haben Studierende aus allen Masterstudiengängen die Möglichkeit, das Modul Gender Studies und Queer Theory auszuwählen und sich so auch im Studium selbst mit Geschlechterrollen auseinanderzusetzen.

Auch unsere „Studienbegleiter*in“ erfreut sich großer Beliebtheit. Dabei handelt es sich um ein Nachschlage- und Schmökerheft für Studierende zu Themen wie Gender im Studium und in der Wissenschaft, Geschlechterunterschieden bei der Entlohnung, Diskussionskultur und -hierarchien, Empowerment, Geschlechterstereotypen und Alltagssexismen. Außerdem sind darin zahlreiche Beratungs- und Weiterbildungsangebote, Lesetipps und Möglichkeiten für das (Eng-)Agieren zu finden.

Außerdem gibt es einen studentischen Gleichstellungsfonds, aus dem Studierende eigene Projekte zum Thema Gender im Studium initiieren und eine Förderung bekommen können.