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„Wir wollen Bewusstsein für die Bedeutung der Berufswahl für den Lebensverlauf wecken“

Christine Niephaus, Dipl. Sozialpädagogin, Wilhelm-Kraft-Gesamtschule des Ennepe-Ruhr-Kreises
© Wilhelm-Kraft-Gesamtschule

Das Thema Gleichstellung sollte in jeder Erziehungs- und Bildungseinrichtung eine Rolle spielen, findet Sozialpädagogin Christine Niephaus von der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule des Ennepe-Ruhr-Kreises. Im Interview erzählt sie, wie ihre Schule das Thema anpackt.

Frau Niephaus, könnten Sie die Wilhelm-Kraft-Gesamtschule bitte kurz vorstellen?

Die Wilhelm-Kraft-Gesamtschule in Sprockhövel-Haßlinghausen ist eine Schule in Trägerschaft des Ennepe-Ruhr-Kreises. Sie bietet ca. 1.100 Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, verschiedene Abschlüsse zu erreichen. Seit einigen Jahren wird auch inklusiv unterrichtet. Die Arbeitsfelder sind sehr umfangreich und daher nicht in wenigen Sätzen darzustellen. Dazu passt unter anderem, dass wir „Schule der Vielfalt“ sind. Wir haben ein übersichtliches Leitbild erstellt, welches auf unserer Website einsehbar ist.

Was hat Sie motiviert, sich in der Initiative Klischeefrei zu engagieren?

Das Thema Gleichstellung sollte in jeder Erziehungs- und Bildungseinrichtung eine Rolle spielen. Im Verhalten der Jungen und Mädchen spiegelt sich ein Bild der Gesellschaft wieder, welches häufig den Eindruck vermittelt, dass sich die Situation nur sehr langsam zu einem gleichberechtigten Miteinander zwischen Männern und Frauen entwickelt. Auch wir Erwachsenen sind Vorbilder. Seit vielen Jahren gibt es an der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule einen Arbeitskreis „Gender“, der unter anderem ein Gender-Mainstreaming-Konzept erstellt hat.

Auf welche Weise setzen Sie sich für eine geschlechtersensible Berufs- und Studienorientierung ein?

In der Berufswahl- und Studienorientierung an der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule werden unterschiedliche Formen der Beratung und vielfältige Möglichkeiten zur Erkundung der Praxis genutzt: Schnuppertage, Girls‘Day und Boys’Day sowie Betriebserkundungs- und Fachpraktika.

Zur Information und Beratung der Schülerinnen und Schüler finden in der Schule regelmäßige Berufswahlbörsen und Abende mit Expertinnen und Experten statt. Auch gibt es Berufswahlbegleitung für einzelne Jugendliche. Allerdings wird nicht explizit auf geschlechtersensible Berufs- und Studienorientierung geachtet, denn hier steht eher die Unterstützung bei gefährdeten Abschlüssen im Vordergrund.

Nach wie vor erfolgt die Berufswahl vieler Mädchen unter einer verengten Perspektive. Gleiches gilt für die Wahl von Berufsfachschulen. Die Bereitschaft sich auf unbekannte Berufe einzulassen ist eher gering, viele Mädchen besuchen nach dem Abschluss der Klasse 10 die Berufsfachschule für Gesundheit und Soziales. So landen sie oft in Berufen mit geringen Verdiensten und gleichzeitig familienunfreundlichen Arbeitszeiten.

Es erscheint dringend geboten, auch Bewusstsein zu wecken für die Bedeutung der Berufswahl für den Lebens- und Erwerbsverlauf (Existenzsicherung für Alleinerziehende, Gender-Pension-Gap). Die Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie bleibt im schulischen Berufswahlprozess weitgehend ausgeklammert, beeinflusst aber die Berufs-und Studienwahl intensiv. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Welche Erfolge haben Sie bisher mit Ihrer Arbeit erreicht?

Innerhalb des Kollegiums hat sich ein Bewusstsein entwickelt, dass auch wir Erwachsenen Vorbilder sind. Ein weiterer Erfolg besteht darin, dass sich Schülerinnen und Schüler gerne am Girls’Day und Boys’Day beteiligen und Anregungen für die Wahl der Praktika bereitwillig annehmen.