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„Die Gleichberechtigung gelingt nur dann, wenn tradierte Rollenbilder aufgebrochen werden“

Christina Runge, Bundessprecherin und Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Diepholz
© Susanne Hübner/Fotoagentur Hübner

Die „BAG Frauenbeauftragte“ bringt das Aufbrechen von Rollenklischees themenübergreifend und fortwährend in die öffentliche Diskussion ein. Die Partnerschaft in der Initiative Klischeefrei ist da ein logischer Schritt.

Liebe Frau Runge, könnten Sie die Bundesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Frauenbüros und Gleichstellungsstellen (BAG) bitte kurz vorstellen?

Die „Bundesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Frauenbüros und Gleichstellungsstellen“ (BAG) ist ein professionelles Netzwerk der institutionalisierten Frauenbewegung. Sie dient der Vernetzung und mischt sich als offenes Bündnis von Frauen in politische Entscheidungsprozesse in Deutschland ein.

Mit ihrer Mitgliedschaft im nationalen Netzwerk der BAG erweitern die kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten die Partizipationschancen der Bürgerinnen auf Entwicklungs- und Entscheidungsprozesse, die sich auf Bundesebene abspielen und von dort in die Kommunen und Landkreise zurückwirken.

Die BAG bündelt frauen- und gleichstellungspolitische Fachkompetenz und regionale Initiativen, sie vermittelt Wissen und Kontakte. Sie gibt politische Impulse in die Bundespolitik und nimmt ihrerseits bundespolitische Impulse auf und trägt sie in die Kommunen. Das Netzwerk der BAG steht im Dialog mit Verbänden, Institutionen, Parteien, NGOs und relevanten gesellschaftlichen Gruppen sowie der Bundesregierung. Es umfasst ca. 1.900 kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte in Deutschland und wird durch ein mehrköpfiges gewähltes Sprecherinnengremium vertreten.

Das Sprecherinnengremium

  • veröffentlicht Pressemitteilungen zu aktuellen Themen der Gleichstellung
  • führt Gespräche mit Ministerien, Instituten und Parteien
  • fordert Entscheider und Entscheiderinnen auf, sich für Geschlechtergerechtigkeit einzusetzen
  • organisiert Fachtagungen zu Themen wie Cybermobbing, Prostitution, Frauenarmut, Gewalt
  • organisiert alle 18 Monate die Bundeskonferenz (Buko), das frauenpolitische Diskussionsforum aller Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten
  • verschickt Newsletter

Was hat Sie motiviert, sich in der Initiative Klischeefrei zu engagieren?

Die von der Initiative Klischeefrei formulierten Zielsetzungen decken sich mit denen der BAG. Da ist es selbstverständlich, dass wir dieser Initiative beitreten. Die Gleichberechtigung der Geschlechter – eine im Grundgesetzt verankerte Aufgabe mit Verfassungsrang – kann nur gelingen, wenn tradierte Rollenbilder aufgebrochen werden und Jungen und Mädchen sich in ihrer Berufs- und Lebensplanung ausschließlich an ihren persönlichen Kompetenzen und Neigungen orientieren können.

Zudem ist es wichtig die Umsetzung guter Ideen und Vorhaben durch eine breite Netzwerkbildung zu befördern. Die BAG kann hierzu beitragen, da sie zum einen eine Wirkung über ihre bundesweiten Netzwerk- sowie Dialogpartnerinnen und -partner, zum anderen aber auch über ihre zahlreichen Mitgliedschaften in die kommunale Basis erzielen kann.

Auf welche Weise setzen Sie sich für eine geschlechtersensible Berufs- und Studienorientierung ein?

Arbeitsmarkt- und finanzpolitische Themen bilden einen großen Schwerpunkt unserer Arbeit. Geschlechtersensible Berufs- und Studienorientierung ist ein Querschnittsthema und spielt daher in allen von uns bearbeiteten Themen vom Equal Pay Day, den Frauenpolitischen Eckpunkten, der Quote, der Frauenarmut, der Grundsicherung für Arbeitssuchende, über Minijob und Teilzeit, bis hin zu Job und Qualifikation eine große Rolle.

So erarbeitet die BAG Stellungnahmen, stellt Expertise für Fachforen, Diskussionsrunden etc. zur Verfügung, und arbeitet mit seinen rund 1.900 Mitgliedschaften unter andrem daran,

  • dass Frauen genauso gute Berufs- und Aufstiegschancen haben wie Männer
  • dass sie für gleiche Arbeit nicht 1/3 weniger Geld bekommen
  • dass mehr Frauen in Wirtschaft, Verwaltung und Politik mitentscheiden
  • dass Mädchen nicht stärker von Arbeitslosigkeit und Ausbildungsplatzmangel betroffen sind als Jungen
  • dass sich Frauen und Männer Hausarbeit und Kindererziehung teilen
  • dass sich Frauen und Mädchen überall angstfrei bewegen können und keiner seelischer und körperlicher Gewalt ausgesetzt sind
  • dass das Gesundheitssystem auch Frauen eine gute und adäquate Versorgung bietet

Welche Erfolge haben Sie bisher mit Ihrer Arbeit erreicht?

Die BAG bringt das Aufbrechen von Rollenklischees themenübergreifend und fortwährend in die öffentliche Diskussion ein, aber auch in jedem Gremium, Beirat, Kommission und politische Beteiligungsprozesse an der die BAG beteiligt ist.

Es ist ein Querschnittsthema und wird daher im Zusammenhang mit der Berufs- und Lebensplanung von jungen Menschen diskutiert, aber auch im Zusammenhang mit dem Frauen-Wahlrecht, der mangelnden Vertretung von Frauen in politischen Ämtern und Funktionen oder dem demografischen Wandel.