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Erstmals mehr Anwältinnen als Anwälte zugelassen

Eine Anwältin sitzt im Büro am Schreibtisch, im Vordergrund steht eine Figur der Justizia
Gina Sanders | stock.adobe.com

Die Anwaltschaft wird zunehmend weiblicher. Im Jahr 2017 wurden mit 52 Prozent erstmals mehr Frauen als Männer neu für den Beruf zugelassen, wie aus einer Studie des Soldan-Instituts hervorgeht. Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

Die Folgen für den Arbeitsmarkt skizzierte Prof. Dr. Matthias Kilian, Direktor des Soldan-Instituts, auf dem Deutschen Anwaltstag in Leipzig im Mai 2019. Frauen seien eher als Männer daran interessiert, in einem Angestelltenverhältnis zu arbeiten. Dadurch sinke die Anzahl derjenigen, die den Beruf unternehmerisch ausüben: „Während 53 Prozent der jungen Anwälte sich perspektivisch als Partner in einer Anwaltskanzlei sehen, sind es bei den Anwältinnen nur 26 Prozent.“

Auch arbeiten Anwältinnen häufiger in Teilzeit (42 Prozent) als Anwälte (16 Prozent Teilzeitquote). Wie in den meisten anderen Berufen sind es hauptsächlich Frauen, die wegen familiärer Pflichten beruflich kürzertreten. Fast alle Männer (95 Prozent) arbeiten weiterhin in Vollzeit, wenn sie Vater werden. Werden Frauen Mütter, arbeiten nur 58 Prozent von ihnen später in Vollzeit.

Auch wenn Frauen die Männer bei der Zulassungsquote für den Beruf der Anwältin bzw. des Anwalts 2017 erstmals überholt haben, so liegt der Anteil der Juristinnen in Deutschland nur bei 35 Prozent. Die Anwaltschaft ist im Vergleich zu anderen Ländern wie etwa Großbritannien oder den USA also männerdominiert. Dass der Beruf Anwalt/Anwältin ein typischer Männerberuf ist, überrascht vor dem Hintergrund, das bereits seit 2004 mehr Frauen als Männer Jura studieren (2017 waren es ca. 55 Prozent Frauen).

Das Soldan-Institut zieht aus den Zahlen den Schluss, dass sich die Kultur in Kanzleien, die häufig auf Präsenz, Stundenhonoraren und überwiegend Männern als Gesellschaftern beruht, wird ändern müssen, wenn Frauen im Beruf gehalten werden wollen. Zudem könnten Qualifikationen wie Fachanwalts- oder Doktortitel weniger bedeutsam werden. Diese Abschlüsse zu erwerben erfordere viel Zeit und falle üblicherweise in das vierte Lebensjahrzehnt, also in die Zeit der Familiengründung.