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Geschlechterquoten in der Wirtschaft: Strikte Regeln entfalten die größte Wirkung

Symbolbild: eine Hand setzt einen Würfel mit einem Frauen-Piktogramm auf 5 Würfel mit Männer-Piktogrammen
© Wolfilser | Stock.adobe.com

Braucht es Geschlechterquoten für mehr Gleichstellung in den Chefetagen? Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung hat verschiedenen Regelungen in Europa und ihre Auswirkung auf die Besetzung der Spitzengremien börsennotierter Unternehmen verglichen. Das Ergebnis ist eindeutig.

Geschlechterquoten führen zu mehr Frauen in den Spitzengremien großer Unternehmen. Dies belegt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Für die Untersuchung wurden die gesetzlichen Bestimmungen in den Ländern der Europäischen Union sowie in Norwegen, Island, Serbien und Mazedonien mit Daten des European Institute for Gender Equality (EIGE) über den Frauenanteil in den Spitzengremien großer Unternehmen in Beziehung gesetzt.

Die größte Wirkung entfalten demnach Quotenregelungen, die mit harten Sanktionen verknüpft sind. Dies ist in Norwegen, Frankreich und Italien der Fall, wo sich der Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten seit Einführung einer Quote ungefähr verdoppelt (Norwegen, Frankreich) oder sogar versechsfacht (!) hat (Italien). Wird die Quote nicht erfüllt, drohen Unternehmen in diesen Ländern empfindliche Strafen wie hohe Geldbußen oder die Nicht-Anerkennung des Gremiums, verbunden mit Fristen, bis zu denen die Quote erfüllt sein muss.

„Geschlechterquoten wirken tatsächlich, und zwar umso mehr, je strikter sie ausgelegt sind“
(Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics am DIW Berlin)

Verlaufskurve: Entwicklung des Frauenanteils in Spitzengremien von börsennotierten Unternehmen je nach Quotenregelung.
© Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

In Deutschland sowie in Portugal und Österreich wurden 2015 beziehungsweise 2017 Quoten mit moderaten Sanktionen eingeführt. Zwar stieg der Frauenanteil seit Einführung der Quotenregelung weiter an – in Deutschland er seit 2015 um fünf Prozentpunkte auf 33 Prozent gewachsen – eine dynamische Entwicklung wie bei härter sanktionierten Regelungen zeigt sich in diesen Ländern jedoch nicht.

Einige Länder, darunter Großbritannien, Schweden und Polen, verzichten auf Quotenregelungen, geben aber Empfehlungen zur Gender Diversity in Leitlinien zur Unternehmensführung heraus. Der Frauenanteil in Spitzengremien steigt in diesen Ländern deutlich langsamer als in Ländern mit Geschlechterquote.

Der geringste Effekt zeigte sich  in Ländern ohne Quote und ohne Empfehlung. Es sind dies unter anderem die Baltischen Staaten, Tschechien, Ungarn und Rumänien. Hier bleiben die Führungsgremien der großen Unternehmen weiterhin überwiegend in Männerhand.

Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics am DIW: „Wenn es um Quotenregelungen auch für andere Bereiche wie Politik, Wissenschaft oder Medien geht, sollte also allen Beteiligten klar sein, dass von freiwilligen Selbstverpflichtungen oder Quoten ohne Sanktionen nicht sehr viel zu erwarten ist.“