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Rollenerwartungen machen es Frauen schwer

Frau in einer Besprechung schaut ihre Chefin unglücklich an
© contrastwerkstatt | stock.adobe.com

Wollen Frauen Karriere machen und Teams führen, können sie auch an geschlechtsspezifischen Rollenerwartungen scheitern. Denn aus Sicht von Beschäftigten dürfen sie zwar loben, aber nicht kritisieren.

Frauen sind nicht nur in Spitzenpositionen, sondern auch im mittleren Management großer Unternehmen unterrepräsentiert. Dies wurde bisher vor allem mit den Job- und Karrierepräferenzen, dem Wettbewerbsverhalten von Frauen sowie mit Benachteiligungen bei Beförderungsentscheidungen erklärt.

Die Ergebnisse einer neuen Studie deuten nun darauf hin, dass geschlechtsspezifische Erwartungen an den Führungsstil ausschlaggebend sind. Während Lob dreimal häufiger mit weiblichen Vorgesetzten in Verbindung gebracht wird, wird Kritik doppelt so oft männlichen Chefs zugeschrieben. Wenn kritische Chefinnen also diesen Rollenerwartungen nicht gerecht werden, kann das besonders negative Reaktionen bei Mitarbeitenden auslösen.

Der US-Ökonom Martin Abel bot über eine Online-Plattform reale Arbeitsaufträge eines fiktiven Unternehmens an. Den auf diese Weise gewonnenen 2.700 Arbeitskräften teilte er per Zufallsprinzip (ebenfalls fiktive) männliche oder weibliche Vorgesetzte zu, die den Beschäftigten im Verlauf ihrer Tätigkeit schriftliches Feedback zur Qualität der geleisteten Arbeit gaben.

Weibliche Kritik wird seltener akzeptiert

Bei negativer Kritik an der Arbeitsleistung ging die Jobzufriedenheit der Betroffenen wie zu erwarten war zurück. Kam die Kritik von einer weiblichen Vorgesetzten, ging die Zufriedenheit um 70 Prozent stärker zurück als bei einem männlichen Vorgesetzten. Interessanterweise war die diskriminierende Haltung gegenüber Chefinnen bei männlichen und weiblichen Arbeitskräften gleichermaßen ausgeprägt.

Dies könne, so Abel, Frauen davon abhalten, Führungspositionen anzustreben. Denn allzu ablehnende Reaktionen auf berechtigte Kritik könnte weibliche Vorgesetzte dazu bewegen, einen weniger effizienten Führungsstil zu pflegen, der ihrem weiteren Aufstieg im Wege steht. Auch könnten Frauen aufgrund solcher Erfahrungen freiwillig auf zusätzliche Personalverantwortung verzichten.

Die Studie gibt einige Hinweise darauf, wie es zu Überreaktionen auf von Frauen geäußerte Kritik kommt. Dass Chefinnen ignoriert werden, ist nicht der Fall – im Gegenteil: Die Beschäftigten nehmen sich sogar etwas mehr Zeit, um die Rückmeldungen weiblicher Vorgesetzter zu verarbeiten.

Auch implizite Vorurteile spielen offenbar keine nennenswerte Rolle. Zwar verbinden die Beschäftigten mit Karriere tendenziell eher Männer und mit Familie eher Frauen, doch das Verhalten gegenüber weiblichen Vorgesetzten ist davon weitgehend unabhängig.

Mögliche Lösungswege

Feedback-Coachings, in denen Mitarbeitende lernen, Kritik nicht persönlich zu nehmen, sondern sich auf den Inhalt zu konzentrieren könnten ebenso ein zielführendes Mittel sein wie Maßnahmen, die das Bewusstsein für diskriminierendes Verhalten schärfen.

Quelle: Diskriminierung gegenüber weiblichen Vorgesetzten. In: CEWSjournal Nr. 120 vom 29.10.2019, Seiten 16 und 17.