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Equal Pay Day: Geschlechterklischees bewirken Lohnlücke

Stuhlreihen mit Taschen des Equal Pay Day über den Lehnen
© Businessfotografie Inga Haar

Der Equal Pay Day fällt in diesem Jahr auf den 17. März. Unter dem Motto „Auf Augenhöhe verhandeln – WIR SIND BEREIT!“ macht der Aktionstag auf die nach wie vor bestehende Lohnlücke von 21 Prozent zwischen den Geschlechtern aufmerksam. Schwerpunktthema in diesem Jahr ist die Gehaltsverhandlung.

Der unbereinigte Gender Pay Gap liegt seit 2016 unverändert bei 21 Prozent. Das heißt, Frauen erhalten durchschnittlich 21 Prozent weniger Gehalt als Männer. Rechnet man lohnrelevante Aspekte heraus, bleibt immer noch eine Lohnlücke von 6 Prozent. Als lohnrelevant gelten zum Beispiel die Berufswahl, die hohe Teilzeitquote unter erwerbstätigen Frauen oder die berufliche Auszeit zugunsten von Kindererziehung oder Pflege.

Dazu heißt es im öffentlichen Diskurs immer wieder, dass Frauen an ihrem geringeren Einkommen selbst schuld seien – sie müssten nur andere Lebensentscheidungen treffen oder sich mehr anstrengen. Die Bildungsabschlüsse und damit die Startbedingungen ins Berufsleben sind mittlerweile tatsächlich mit denen der Männer vergleichbar. Dennoch bleibt der Gehaltsunterschied.

Rollenbilder sind bestimmend

Menschen orientieren ihr Verhalten an gesellschaftlicher Normen. Letztlich sind es also Vorstellungen von Geschlechterrollen, die im Hintergrund des Gender Pay Gap wirken. Am Beispiel der Gehaltsverhandlung wird dies deutlich.

Frauen wird häufig nachgesagt, dass sie weniger gut ihr Gehalt verhandeln könnten als Männer und ihre Entgelte deshalb geringer seien. Dabei wollen Frauen ihr Gehalt durchaus verhandeln. Tatsächlich sind aber weniger erfolgreich darin als Männer. Dies belegen Studien. Unseren Rollenbildern zufolge sollten Frauen sich nett und fürsorglich verhalten. Ein forderndes Auftreten oder Durchsetzungsstärke, wie es in Gehaltsverhandlungen notwendig ist, gelten hingegen als „männliche“ Eigenschaften. Übernimmt eine Frau diese männlich konnotierten Verhaltensweisen, wird dies häufig als Verbissenheit gewertet und zu ihrem Nachteil ausgelegt – von Frauen ebenso wie von Männern.

Wer sich über die Rollenbilder hinwegsetzt, läuft also Gefahr, für Irritationen beim Gegenüber zu sorgen. Das trägt dazu bei, dass Frauen in Gehaltsverhandlungen vielfach nicht so selbstbewusst fordern wie Männer dies tun. Eine Studie der Frankfurt University of Applied Sciences zeigt, dass Frauen sogar häufiger als Männer aktiv nach mehr Gehalt fragen. Männer hingegen werden häufiger von ihren Arbeitgebern nach ihren Karriere- und Gehaltswünschen gefragt. Interessanterweise sind Frauen sehr erfolgreiche Verhandlerinnen – wenn sie für andere verhandeln, statt für sich selbst.

Auch hinter weiteren Ursachen für den Gender Pay Gap stecken letztlich tradierte Rollenbilder

Berufswahl 
Frauen arbeiten häufiger in Dienstleistungsberufen sowie in therapeutischen, pflegerischen oder hauswirtschaftlichen Berufen. Dort ist die Entlohnung vielfach geringer als in gewerblich-technischen Berufen. Mit der Wahl eines Berufs aus diesen Bereichen erfüllen Frauen die Erwartungen an ihre Rolle. Dass viele weiblich konnotierte Berufe geringer entlohnt werden, hat wiederum historische Ursachen.

Teilzeit 
Zwar nimmt die Erwerbsbeteiligung von Frauen immer mehr zu, der Abstand zu den Männern beträgt nur noch 8 Prozent. Doch arbeitet fast die Hälfte aller erwerbstätigen Frauen in Teilzeit. Minijobs sind darüber hinaus eine Frauendomäne. Rund 62 Prozent aller Minijobs werden von Frauen ausgeübt. Frauen leisten dagegen den größeren Teil der unbezahlten Arbeit in Haushalt und Familie. Dafür reduzieren sie ihre Erwerbsarbeit. Auch in diesen Konstellationen erfüllen Frauen (und Männer!) die an sie gestellten Rollenerwartungen.

Zu den Forderungen der Initiatorinnen des Equal Pay Days gehört es deshalb, Rollenklischees aktiv entgegenzuwirken und gleichberechtigte Lebensmodelle zu fördern.

Das Datum des Equal Pay Days am 17. März symbolisiert die Lohnlücke umgerechnet in Kalendertage. 21 Prozent weniger Gehalt entspricht 77 Tagen unbezahlter Arbeit von Frauen in diesem Kalenderjahr.

Den Equal Pay Day gibt es in Deutschland seit 2008. Er geht auf eine Initiative des „Business and Professional Women (BPW) Germany e. V.“ zurück, der den Aktionstag aus den USA übernommen hat. Dort wird bereits seit 1966 mit einem Equal Pay Day für Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern demonstriert.

Quellen:
Gender Pay Gap Journal 2020
Stand der Gleichstellung von Männern und Frauen in Deutschland. WSI-Report Nr. 56, Februar 2020

 

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