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Pflegeberufe

Geschlechterverhältnisse in Beschäftigung, Ausbildung und Studium

Unter dem Begriff der Pflegeberufe werden Berufe in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie in der Altenpflege gefasst. Die Pflege von Menschen aller Altersstufen ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe und stellt eine wesentliche Säule der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung dar. Diese kann nur mit ausreichend und gut ausgebildetem Personal gewährleistet werden.

Reform des Pflegeberufegesetzes – Neue Perspektiven für Ausbildung und Studium

Die Pflegeberufe, in denen mit rund 80 Prozent mehrheitlich Frauen beschäftigt sind, gehören zu den sogenannten Engpassberufen, das heißt, sie sind vom Fachkräftemangel betroffen. Es ist deshalb ein wichtiges Ziel, mehr Menschen für Pflegeberufe zu gewinnen und die Rahmenbedingungen für Ausbildung und Studium attraktiver zu gestalten.

Mit dem Gesetz zur Reform des Pflegeberufegesetzes, das im Januar 2020 in Kraft getreten ist, wurde dafür ein wichtiger Grundstein gelegt. Sowohl die Schulgeldfreiheit als auch die Zahlung einer angemessenen Ausbildungsvergütung für alle Auszubildenden in Pflegeberufen sind nun bundeseinheitlich geregelt. Darüber hinaus wurden Aufgaben festgelegt, die nur durch Pflegefachpersonen übernommen werden dürfen, sogenannte Vorbehaltsaufgaben, wodurch das Berufsfeld eine Aufwertung erfährt. Zudem ist im Pflegeberufegesetz geregelt, dass im Rahmen von Modellprojekten erweiterte Kompetenzen zur eigenverantwortlichen Übernahme heilkundlicher Aufgaben erworben werden können. Auch im Bereich der Hochschulbildung gibt es eine Weiterentwicklung mit dem Ziel, die Attraktivität der Pflegeberufe durch weiterführende Qualifizierungswege zu steigern.1 Die erweiterten Kompetenzen zur Übernahme heilkundlicher Aufgaben können sowohl in der beruflichen als auch in der hochschulischen Ausbildung erworben werden.

Mehr Eintritte in die Pflegeausbildung

In den letzten Jahren ist die Zahl der Auszubildenden in Pflegeberufen in Deutschland kontinuierlich gestiegen. Auch der Anteil der Männer an den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen ist beständig gewachsen. Der erste Jahrgang von Auszubildenden hat 2020 die generalistische Pflegeausbildung aufgenommen. In diesem Jahr gab es zum Stichtag des 31.12. rund 53.610 Auszubildende mit neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen, rund 13.008 davon waren männliche Auszubildenden (24,3 Prozent). Für das Jahr 2024 ist der Männeranteil mit rund 16.170 Auszubildenden, die zum 31.12. des Berichtsjahres einen neuen Ausbildungsvertrag abgeschlossen haben, auf 27,2 Prozent gestiegen. Insgesamt haben bis zum Stichtag 59.394 Auszubildende mit der Ausbildung begonnen.2

Pflegeberufe – jetzt auch in der Hochschulbildung fest verankert

Neben berufsbegleitenden bzw. ausbildungsintegrierenden Studiengängen wurden Anfang der 2000er Jahre im Rahmen von Modellversuchen auch primärqualifizierende Studiengänge im Bereich der Pflege eingeführt. Während die erstgenannten Studienmodelle auf einer Kooperation mit Berufsfachschulen basieren, liegt bei primärqualifizierenden Studiengängen, also der vollständigen hochschulischen Erstausbildung, die Gesamtverantwortung inklusive praktischer Anteile ausschließlich bei den Hochschulen. Solche primärqualifizierenden Studiengänge sind nun fest mit dem Bachelor-Abschluss (B.Sc.) „Pflegefachmann“ bzw. „Pflegefachfrau“ im Pflegeberufegesetz verankert.

Ein wichtiger Grund für den angestrebten Ausbau der hochschulischen Ausbildung ist, dass Pflegeaufgaben immer komplexer werden und ein Teil der Pflegefachpersonen zusätzlich zu den pflegerischen Kompetenzen auch über akademische Qualifikationen verfügen muss, zum Beispiel für wissenschaftliche Recherche, Qualitätsmanagement oder die Konzeption von Fortbildungen. Darüber hinaus bietet die Hochschulbildung gute Aufstiegsmöglichkeiten, wirkt sich positiv auf die Berufszufriedenheit der Beschäftigten sowie die Versorgung von Patientinnen und Patienten aus und steigert damit die Attraktivität des Berufsfeldes.

Ein Ziel in der hochschulischen Ausbildung liegt darin, dass Absolventinnen und Absolventen weiterhin „klientennahe“ Tätigkeiten ausüben, also weiterhin mit der Versorgung von Patientinnen und Patienten befasst sind. Eine Befragung von Absolventinnen und Absolventen aus einschlägigen Modellstudiengängen kommt zu dem Ergebnis, dass dies in der Praxis gelingt: 84 Prozent von ihnen arbeiten nach dem Erwerb des Hochschulabschlusses in einer Haupterwerbstätigkeit mit „klientennahen“ Aufgaben und übernehmen im Vergleich zu beruflich Ausgebildeten zusätzliche Aufgaben, zum Beispiel in den Bereichen Beratung, wissenschaftliche Recherche und Konzeptentwicklung.3

2024 wurden erstmalig Daten zu den Pflegestudierenden erhoben. Zum Stichtag des 31.12. waren in Deutschland insgesamt 1.233 Personen für das Pflegestudium eingeschrieben, hier lag der Männeranteil mit einer Anzahl von 234 Studenten bei 19 Prozent. Unter den Studierenden, die 2024 das Studium neu begonnen haben, ist der Anteil mit 21 Prozent etwas höher, hier waren 156 von den 744 neu eingeschriebenen Studierenden männlich. Trotzdem sind die Männeranteile unter den Studierenden jeweils geringer als bei den Pflegeauszubildenden, wo der Männeranteil 2024 insgesamt bei 26 Prozent und unter den neu gestarteten Azubis bei 27,2 Prozent lag.4

Pflegeberufe – Geschlechterverhältnis in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung

Mitte 2025 waren in der Pflege 1.9 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, in der Gesundheits- und Krankenpflege (1.25 Mio.) knapp doppelt so viele wie in der Altenpflege (0.65 Mio.). Im Jahr 2021 waren 1.78 Millionen Personen in Pflegeberufen beschäftigt, seitdem ist ein Anstieg der Beschäftigtenzahlen um 7 Prozent zu verzeichnen.

Im Pflegebereich sind nach wie vor überwiegend Frauen beschäftigt. Der Männeranteil liegt im Jahr 2025 bei 21,2 Prozent und hat sich in den letzten Jahren leicht positiv entwickelt.

Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten ist vergleichsweise hoch und über die Jahre stabil. Im Jahr 2025 liegt der Anteil der Teilzeitbeschäftigung in der Gesundheits- und Krankenpflege bei 42 Prozent, in der Altenpflege bei 57 Prozent. Damit ist der Anteil der Teilzeitbeschäftigung in der Pflege höher als bei sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung insgesamt (31 Prozent). 5

Abbildung 1: Gesundheits- und Krankenpflege sowie in der Altenpflege
Abbildung 1:
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Pflegeberufen (in Tsd.) – aufgeschlüsselt nach Geschlecht im Jahresvergleich 2021 und 2025

Steigendes Entgelt in Pflegeberufen

In der Gesundheits- und Krankenpflege beträgt das mittlere monatliche Brutto-Entgelt (Median) bei Vollzeitbeschäftigung im Jahr 2024 für Frauen rund 4.214 Euro und für Männer rund 4.396 Euro. Zum Vergleich: In der Gesundheits- und Krankenpflege ist das mittlere Brutto-Entgelt höher als bei allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt (Frauen: 3.793 Euro, Männer: 4.138 Euro), das entsprechende Entgelt in der Altenpflege liegt mit rund 3.746 Euro für Frauen und 3.909 Euro für Männer unter diesem Mittelwert.

Das Entgelt in Pflegeberufen ist im dargestellten Beobachtungszeitraum seit 2021 kontinuierlich gestiegen. Im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege ist bei Frauen und Männern jeweils ein Anstieg um rund 13 Prozent zu verzeichnen. Das Entgelt in der Altenpflege ist um 23,8 Prozent gestiegen – hier fiel der Anstieg bei dem Entgelt der Frauen mit 24 Prozent etwas höher aus als bei dem der Männer mit 22,7 Prozent. Zum Vergleich: das Gehaltsniveau in Bezug auf alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg um 14,1 Prozent.6

Abbildung 2: Gap von 2021 bis 2024 in der Gesundheitspflege und Altenpflege
Abbildung 2:
Entgelt (Median Vollzeit) in Pflegeberufen – aufgeschlüsselt nach Geschlecht im Jahresvergleich 2021 und 2024

Geschlechterverteilung in Führungspositionen

Männer und Frauen sind auf beruflichen Leitungsebenen unterschiedlich stark vertreten. Das gilt auch für den Bereich der Pflegeberufe. Die Anteile von Männern, die eine Position mit dem Anforderungsniveau „Experte“ innehaben, sind in den Teilbereichen der Pflege unterschiedlich hoch. In der Gesundheits- und Krankenpflege sind es anteilig 22 Prozent, in der Altenpflege sind es 36 Prozent Männer. Die Anteile der Frauen in diesen Funktionen liegen entsprechend bei 78 Prozent und 64 Prozent. Besonders in der Altenpflege liegt der Anteil der Männer in Expertenpositionen mit 36 Prozent deutlich über dem Anteil der Männer in der Gesamtbelegschaft (19 Prozent). Aber auch in der Gesundheits- und Krankenpflege sind im Verhältnis zum Anteil in der Gesamtbelegschaft (22 Prozent) Männer in Aufsichts- und Führungspositionen mit 23 Prozent stärker vertreten.7

Abbildung 3: Gesundheitspflege (gesamt: Männer 22 %, Frauen 78 %, Anteil in Führungspositionen: Männer 23 % , Frauen 77 %)), Altenpflege: Insgesamt Männer 19 %, Frauen 81 Prozent, Anteil in Führungspositionen: Männer 36 %, Frauen 64 %
Abbildung 3:
Aufsichts- und Führungspositionen – aufgeschlüsselt nach Geschlecht (absolute Angaben in Tsd., Datenstand Juni 2025)

Expertinnen und Experten sind nach der Klassifizierung des Anforderungsniveaus laut KldB 2010 Personen, die der höchsten Anforderungsstufe angehören und hochkomplexe Tätigkeiten übernehmen. Beispiele aus dem Bereich der Pflegeberufe sind unter anderem die Beschäftigung als Pflegedirektor/in oder die Leitung von Pflegeeinrichtungen.

Mehr Männer für Pflegeberufe gewinnen

Im Zuge des demografischen Wandels ist davon auszugehen, dass die Zahl der pflegebedürftigen Menschen und damit auch die Nachfrage an Fachkräften weiter steigen wird. Die Zahl der gemeldeten Arbeitsstellen für Pflegekräfte lag 2024 bei 31.000 gemeldeten Stellen, 10 Prozent beziehungsweise 4.000 Stellen unter dem Vorjahreswert. Damit nahmen die gemeldeten Stellen das zweite Jahr in Folge ab, nachdem in den Jahren zuvor die freien Stellen stetig zugenommen haben. Gründe für die Umkehrung des Trends lassen sich nicht allein durch einen sinkenden Bedarf an Arbeitskräften erklären, sondern können auch ein Anzeichen für Fachkräftemangel sein, wenn Betriebe durch vorherige vergebliche Suchen auf das erneute Ausschreiben von Stellen verzichten.8 Nach Einschätzung von Expertinnen und Experten werden bis zum Jahr 2049 zusätzlich rund 460.000 Pflegefachpersonen sowie Personen aus Hilfs- und Assistenzberufen benötigt, im Vergleich zu 2024 steigt der Bedarf somit um knapp 33 Prozent. 9

Statistiken belegen, dass der Fachkräftemangel in einseitig von Männern bzw. Frauen besetzten Berufen und Berufsfeldern besonders ausgeprägt ist. Ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu mehr Fachkräften ist deshalb, die unterrepräsentierte Geschlechtergruppe für die jeweiligen Berufe zu gewinnen und gleichzeitig einengende Geschlechterklischees bei der Berufs- und Studienwahl sowie die geschlechtliche Konnotation der Berufe kritisch zu hinterfragen und abzubauen.10

  • 1

    Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Gesetz zur Reform der Pflegeberufe. 14.07.2020.  Link zum Artikel

  • 2

    Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Bildung und Kultur. Statistik nach der Pflegeberufe-Ausbildungsfinanzierungsordnung.

  • 3

    Dieterich, S.; Hoßfeld, R.; Latteck, Ä. D.; Bonato, M.; Fuchs-Rechlin, K.; Helmbold, A.; große Schlarmann, J. und Heim, S. (Hrsg.): Verbleibstudie der Absolventinnen und Absolventen der Modellstudiengänge in Nordrhein-Westfalen (VAMOS) – Abschlussbericht. Bochum 2019. Link zum Bericht

  • 4

    Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Bildung und Kultur. Statistik nach der Pflegeberufe-Ausbildungsfinanzierungsordnung 2024.

  • 5

    Bundesagentur für Arbeit: Berufe auf einen Blick, Thema: Beschäftigung, Berufe (nach KldB 2010): 813 Gesundh., Krankenpfl.,Rettungsd., Geburtsh. & 821 Altenpflege. Stichtag 30.06.2025.

  • 6

    Bundesagentur für Arbeit: Berufe auf einen Blick, Thema: Entgelt, Berufe (nach KldB 2010): 813 Gesundh., Krankenpfl., Rettungsd., Geburtsh. & 821 Altenpflege. Stichtag 31.12.2024.

  • 7

    Bundesagentur für Arbeit: Berufe auf einen Blick, Thema: Entgelt, Berufe (nach KldB 2010): 813 Gesundh., Krankenpfl., Rettungsd., Geburtsh. & 821 Altenpflege, Anforderungsniveau: Experten. Stichtag 30.06.2025.

  • 8

    Statistik der Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.): Bericht: Blickpunkt Arbeitsmarkt – Arbeitsmarktsituation im Pflegebereich, Nürnberg, Mai 2025. Link zum Bericht

  • 9

    Statistisches Bundesamt: Bis 2049 werden voraussichtlich mindestens 280.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt. Pressemitteilung Nr. 033 vom 24. Januar 2024. Link zur Pressemitteilung

  • 10

    Institut der Deutschen Wirtschaft (Hrsg.): KOFA-Studie 2/2019. Fachkräfteengpässe in Unternehmen. Köln 2019.  Link zur Studie

Hinweis zum Copyright

Der Inhalt dieses Werkes steht unter einer Creative-Commons-Lizenz (Lizenztyp: Namensnennung - Keine kommerzielle Nutzung - Keine Bearbeitung - 4.0 Deutschland). Bei Abdruck Belegexemplar erbeten.

Zitation: Servicestelle der Initiative Klischeefrei: „Pflegeberufe", Stand 04/2026, Creative Commons Lizenz (CC BY NC ND 4.0 Deutschland).

Stand: 04/2026

Über die Initiative Klischeefrei

Die Initiative Klischeefrei ist ein Bündnis aus Bildung, Politik, Wirtschaft und Forschung. Ihr Ziel: eine an individuellen Stärken orientierte Berufs- und Studienwahl – frei von Geschlechterklischees. Die Initiative richtet sich an alle, die junge Menschen bei der Berufsorientierung begleiten. Machen Sie mit! Das Portal klischee-frei.de gibt Ihnen dazu Infos und Materialien an die Hand.

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