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Arbeitsmarkt

Arbeitsmarktpartizipation von Frauen und Männern

Die Erwerbstätigenquoten von Frauen und Männern sind in den vergangenen Jahren nahezu kontinuierlich gestiegen. 2018 betrug die Erwerbstätigenquote der Männer 79,6 Prozent, die der Frauen 72,1 Prozent. Da der Anstieg bei den Frauen seit 2005 mit 12,6 Prozentpunkten stärker ausfiel als bei den Männern (8,4 Prozentpunkte), ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern auf 7,5 Prozentpunkte gesunken.1

Abbildung zur Erwerbstätigenquote von Frauen und Männern
Abbildung 1:
Entwicklung der Erwerbstätigenquote nach Geschlecht in Prozent

Kaum etwas veranschaulicht die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern am Arbeitsmarkt deutlicher als der Blick auf die Teilzeitarbeit. Die Tatsache, dass Frauen die Hauptverantwortung für den familiären und häuslichen Bereich tragen, ist entscheidend dafür, dass sie nach wie vor nicht im gleichen Maße wie Männer in den Arbeitsmarkt integriert sind. Der Zuwachs an Teilzeitbeschäftigten spiegelt sich in der Teilzeitquote der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten wider. 2010 war etwa ein Drittel der Frauen und 6 Prozent der Männer in Teilzeit beschäftigt. 2018 waren es schon 48 Prozent der Frauen und rund 11 Prozent der Männer.2

Tortendiiagramm 2018: Frauen 78,6 %, Männer 21,4 %
Abbildung 2:
Teilzeitbeschäftigung nach Geschlecht im Jahr 2018 in Prozent
2010: Frauen 35 %, Männer 6 %, 2018: Frauen 48 %, Männer 11 %
Abbildung 3:
Anteil der Teilzeitbeschäftigten an allen Beschäftigten nach Geschlecht in den Jahren 2010 und 2018 in Prozent

Drei Viertel aller 15- bis 64-Jährigen sind erwerbstätig. Damit zählt Deutschland bei der Erwerbsbeteiligung zu den führenden Ländern in der Europäischen Union. Zurückzuführen ist dies auf die in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich gestiegene Erwerbstätigkeit, die anhand einer erhöhten Erwerbstätigenquote sichtbar wird. Diese beschreibt den Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Seit 2005 ist die Erwerbstätigenquote der Männer von 71,2 auf 79,6 Prozent gestiegen, die der Frauen sogar von 59,5 auf 72,1 Prozent. Zugleich ist die Lücke zwischen den Geschlechtern von 11,7 auf 7,5 Prozentpunkte geschrumpft (vgl. Abb. 1).1

Frauen arbeiten viel häufiger in Teilzeit als Männer

Gleichen sich die Erwerbs- und Arbeitszeitmuster von Frauen und Männern an? Der genauere Blick in die Statistiken offenbart nach wie vor große Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Fast 80 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Nahezu jede zweite beschäftigte Frau (48 Prozent) arbeitet in Teilzeit, bei den Männern ist es nur rund jeder Zehnte (11,3 Prozent). In absoluten Zahlen gab es zwischen 2010 und 2018 bei den Frauen einen Zuwachs bei den Teilzeitbeschäftigten von rund 2,8 Millionen, bei den Männern waren es rund 1,1 Millionen.2

Teilzeitbeschäftigung ist bei Frauen in allen Altersgruppen verbreitet

Die Gründe für eine Teilzeitbeschäftigung sind unterschiedlich. Männer arbeiten meist dann in Teilzeit, wenn keine Vollzeitstelle verfügbar ist, sie noch eine allgemeinbildende Schule oder Hochschule besuchen oder wenn sie Altersteilzeit in Anspruch nehmen. Teilzeitbeschäftigung bildet bei Männern somit eher eine Ausnahme am Anfang und Ende des Erwerbslebens. In der Phase der Familiengründung kommt ihr nur eine geringe Bedeutung zu. Anders bei den Frauen: Hier führt oft die Übernahme familiärer Aufgaben wie die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen zu einer Entscheidung für Teilzeitarbeit. Eine Konzentration auf bestimmte Phasen im Erwerbsleben wie bei Männern ist nicht zu beobachten. Teilzeitbeschäftigung nimmt bei Frauen in allen Altersgruppen einen breiten Raum ein.3

Wer langfristig in Teilzeit arbeitet, ist im Alter schlechter abgesichert


Teilzeitarbeit bringt Vor- und Nachteile mit sich. Wer weniger bezahlt arbeitet, kann private und berufliche Interessen oftmals besser vereinbaren, zumal wenn die Beschäftigten über die Verteilung der Arbeitszeit mitentscheiden können. Längerfristige Teilzeitarbeit bringt jedoch erhebliche Nachteile mit sich, da sie gegenüber einer Vollzeitbeschäftigung mit Lohneinbußen einhergeht und somit zu verminderten Rentenansprüchen führt. Frauen sind viel stärker davon betroffen als Männer.

  • 1

    Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Bevölkerung, Erwerbstätige, Erwerbslose, Erwerbspersonen, Nichterwerbspersonen im Alter von 15 bis unter 65 Jahren. Wiesbaden 2019. ► zur Tabelle

  • 2

    Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.): Frauen und Männer – Deutschland, West/Ost, Länder und Kreise (Jahreszahlen). Nürnberg 2010, 2018. ► zu den Tabellen

  • 3

    Wanger, S.: Frauen und Männer am Arbeitsmarkt. Traditionelle Erwerbs- und Arbeitszeitmuster sind nach wie vor verbreitet.
    IAB-Kurzbericht 04/2015. Nürnberg 2015.

Über die Initiative Klischeefrei

Die Initiative Klischeefrei ist ein Bündnis aus Bildung, Politik, Wirtschaft und Forschung. Ihr Ziel: eine an individuellen Stärken orientierte Berufs- und Studienwahl – frei von Geschlechterklischees. Die Initiative richtet sich an alle, die junge Menschen bei der Berufsorientierung begleiten. Machen Sie mit! Das Portal klischee-frei.de gibt Ihnen dazu Infos und Materialien an die Hand.

Der Inhalt dieses Werkes steht unter einer Creative-Commons-Lizenz (Lizenztyp: Namensnennung - Keine kommerzielle Nutzung - Keine Bearbeitung - 4.0 Deutschland). Bei Abdruck Belegexemplar erbeten.

Zitation: Servicestelle der Initiative Klischeefrei: „Horizontale Segregation", Stand 10/2020, Creative Commons Linzenz (CC BY NC ND 4.0 Deutschland).

Stand: 10/2020

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