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12.07.2021

„Berufe nur für Männer – die gibt es einfach nicht“

Noch immer arbeiten deutlich mehr Männer als Frauen in den TÜV-Unternehmen – im Schnitt sind es zwei Drittel. Die TÜV-Unternehmen wollen dies ändern. Geschäftsführer Dr. Joachim Bühler erklärt im Interview, wie das gehen kann.

„Berufe nur für Männer – die gibt es einfach nicht“

Herr Dr. Bühler, können Sie den TÜV-Verband kurz vorstellen?

Der TÜV-Verband ist die Stimme der TÜV-Unternehmen in Deutschland. Gegenüber der Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Öffentlichkeit vertreten wir die Interessen unserer Mitglieder. Wir setzen uns für technische und digitale Sicherheit bei Produkten, Anlagen und Dienstleistungen durch unabhängige Prüfungen und qualifizierte Weiterbildung ein. Mit unseren Mitgliedern verfolgen wir das Ziel, das hohe Niveau der technischen Sicherheit in unserer Gesellschaft zu wahren und Vertrauen für die digitale Welt zu schaffen.

Was hat Sie motiviert, sich in der Initiative Klischeefrei zu engagieren?

Die Branche der TÜV-Unternehmen ist traditionell männlich geprägt. Das merken wir im Verband, aber auch in unseren Häusern zeigt sich dieses Phänomen: Noch immer arbeiten deutlich mehr Männer als Frauen in den TÜV-Unternehmen – im Schnitt sind es zwei Drittel. Mit diesen Beschäftigtenzahlen liegen die TÜV-Unternehmen übrigens sogar über dem bundesdeutschen Anteil von weiblichen MINT-Fachkräften und -Akademikerinnen. Und auch wenn sich hier in den vergangenen Jahren einiges getan hat, geht die Entwicklung oft eher in kleinen Schritten voran. Wir bleiben aber hartnäckig und wollen uns weiter für weibliche Mitarbeiterinnen engagieren. Mit der Initiative Klischeefrei wollen wir einen weiteren Schritt in diese Richtung gehen.

Die Qualität der Arbeit eines Ingenieurs oder einer Ingenieurin hängt schließlich nicht vom Geschlecht ab, sondern von der Expertise, den Fähigkeiten und nicht zuletzt dem persönlichen Interesse. Berufe nur für Männer – die gibt es einfach nicht. Und weil die Weichen hierfür schon im Kindergartenalter gestellt werden, haben wir uns Klischeefrei angeschlossen.

Auf welche Weise setzen Sie sich für eine geschlechtersensible Berufs- und Studienorientierung ein?

Schon seit Jahren bringen die TÜV-Unternehmen mit verschiedenen Aktivitäten beim Girls'Day Mädchen und Technik zusammen – sie erhalten dort interessante Einblicke in die Arbeit als Kfz-Prüferin, Testerin im Spielzeuglabor oder als Kontrolleurin von Aufzügen. Die einzelnen TÜV-Häuser engagieren sich beispielsweise mit betriebseigenen Kindergärten, die allen Kindern den Raum für die Auseinandersetzung mit Naturwissenschaften geben, oder auch mit einer Kinderzeitschrift, die Lust auf Experimentieren machen sollte.

Natürlich legen die TÜV-Unternehmen auch großen Wert auf die Geschlechtergerechtigkeit in ihren eigenen Unternehmen: Neben diversen Programmen für Frauen in Führungspersonen und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gibt es Mentorinnenprogramme und Netzwerktreffen speziell für die Mitarbeiterinnen. Bei der Suche nach neuen Mitarbeiterinnen haben wir bemerkt, dass auch vermeintliche Kleinigkeiten wie die Formulierung von Stellenanzeigen schon einen großen Unterschied machen kann. Nicht zu unterschätzen ist außerdem der Einfluss, den Role Models haben können – bei „Komm, mach MINT“ gibt es daher Austausch zwischen TÜV-Mitarbeiterinnen und Studentinnen aus MINT-Studiengängen.

Welche Erfolge haben Sie bisher mit Ihrer Arbeit erreicht?

Jeder junge Mensch, bei denen die TÜV-Unternehmen mit ihrem Engagement Interesse an naturwissenschaftlich-technischen Berufen wecken konnten, ist für uns ein Erfolg. In den TÜV-Unternehmen wird aktuell viel im Bereich Gender Diversity aber auch für die Vielfalt allgemein angestoßen, messbare Veränderungen zeigen sich bei vielen Projekten jedoch erst nach einiger Zeit. Das liegt in der Natur dieser Prozesse. Konkrete Erfolge konnten die TÜV-Unternehmen in den vergangenen Jahren beispielsweise beim Anteil der Frauen in Führungspositionen verbuchen. Bei uns im TÜV-Verband liegt der Frauenanteil bei ungefähr 50 Prozent, 25 Prozent davon in Führungspositionen.