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Ausgezeichnet: das Berufsorientierungsprogramm des BMBF weckt bei beiden Geschlechtern Begeisterung

Der Parlamentarische Staatssekretär Stefan Müller (3. von rechts) mit VertreterInnen der Handwerkskammern Halle/Saale und Freiburg mit Schülerinnen und Schülern.
© BIBB/BOP, Fotograf: Stephan Röhl

Auf der 6. Jahrestagung des Berufsorientierungsprogramms (BOP) wurden zwei Projekte zum Motto „Das WIE entscheidet! Methodische Gesamtkonzepte im BOP“ für ihre überzeugende Konzeption und Durchführung prämiert.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Stefan Müller, prämierte bei der 6. Jahrestagung am 28. November 2016 in Berlin zwei Projekte des Berufsorientierungsprogramms (BOP), die mit ihren didaktischen Konzepten zum Thema „Das WIE entscheidet! Methodische Gesamtkonzepte im BOP“ überzeugten.

Im Fokus stand dabei die Frage: WIE können die Inhalte des Berufsorientierungsprogramms auf bestimmte Zielgruppen methodisch abgestimmt werden? Denn die überlegte und fundierte didaktische Planung schafft Räume und Möglichkeiten, um Begeisterung im Rahmen der Berufsorientierung zu wecken. Die prämierten Konzepte beschäftigten sich neben Schwerpunkten wie Heterogenität, Inklusion und Interkulturalität auch mit dem Einbezug von Gender und einer thematischen Qualifizierung des Ausbildungspersonals.

Methodenvielfalt und Ausbilderschulung

Das Projekt der Handwerkskammer Halle (Saale) setzt an bei der Konzeption der BOP-Werkstatttage auf den Einsatz vielfältiger Methoden, um die unterschiedlichen Lerntypen und Interessen der Jugendlichen anzusprechen. Der Methodenkoffer, der hierbei zum Einsatz kommt, wurde gemeinsam mit den Ausbilderinnen und Ausbildern entwickelt, um einen möglichst interessanten, aber auch realitätsnahen Einblick in die Berufsfelder zu ermöglichen.

Die am BOP beteiligten Ausbilderinnen und Ausbilder verstehen sich dabei als Moderatoren und Lernbegleiter (Motivation, Moderation, Präsentation, Intervention, Integration). Sie werden dazu systematisch zu den Themen Medieneinsatz, Gender, Umgang mit Jugendlichen, Handlungsorientierung, methodisch-didaktische Impulse und Interkulturalität weitergebildet. Dies versetzt sie in die Lage, auch sprachfremde Jugendliche durch überarbeitete Vermittlungsmethoden einzubeziehen (mehr Vormachen, Nutzung von visualisierten Lernkarten, Einbindung von Animationen etc.) und gemeinsames Lernen von Mitschülern anzuleiten.

Lernen an Stationen

Im Kfz-Bereich kommen beispielsweise bei der Methodik des Stationenlernens unterschiedliche Lernformen zum Einsatz: Fachgespräche, Präsentation über Video oder Lernkarten, Arbeitsaufträge auf Zeit, berufsfeldbezogenes Ausprobieren (zum Beispiel Autoreifenwechsel) oder Wettbewerbe (zum Beispiel Fachquiz) wechseln sich ab.

Wie das genau geht? Die Jugendlichen werden beispielsweise an der Station „Reifenkennzeichnung“ in Teams aufgeteilt. Sie erhalten eine Frageliste sowie Informationskarten und dürfen dann die Merkmale der Kennzeichnung recherchieren. Dabei ist auch der Einsatz von mobilen Geräten wie Smartphones erlaubt. Die (vermehrt mediale) Lebenswelt der Jugendlichen wird somit geachtet und wertschätzend einbezogen. Das reduziert Lernwiderstände und die Jugendlichen erfahren, die Geräte zielorientiert einzusetzen. Die Ergebnisse werden schließlich der Gruppe präsentiert und gemeinsam diskutiert, bevor es weiter an die Station Reifenwechsel geht.

Ein Berufsfeld – unterschiedliche Zugänge

Ein geschlechtergerechtes Aktivieren und Sensibilisieren ist bei dieser Konzeption möglich, da Jungen wie Mädchen ihre eigenen Interessen und Talente in den unterschiedlichen Stationen einbringen können. In der Erfahrung der Handwerkskammer Halle (Saale) ist zum Beispiel das Quiz bei Mädchen besonders beliebt und die Jungs spielen ihre Stärken gerne beim Reifenwechselwettbewerb aus. So können sich beide Geschlechter gleichermaßen einbringen und finden Raum, sich geschlechtergerecht und vielfältig an einem Berufsfeld auszuprobieren. Zudem wird auf einen altersgerechten Zugang geachtet und moderne Kommunikationsmittel einbezogen – so kann für beide Geschlechter auf jugendnahe Weise ein Bezug zu Technik hergestellt und gezeigt werden, dass die sinnvolle Einbettung neuer Medien in Lernkontexte möglich ist. Die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade der Stationen ermöglichen es darüber hinaus, individuell auf die jeweiligen Leistungsniveaus der Jugendlichen einzugehen.

Ein Beispiel gelingender Inklusion

Der zweite Preisträger, die Handwerkskammer Freiburg, setzt bei ihrem methodischen Ansatz ebenfalls auf Vielfalt: Das BOP wird hier zum einen schulartübergreifend durchgeführt, zum anderen sind Jugendliche mit Autismus, Hör- und Körper- und geistiger Behinderung ganz selbstverständlich in die Durchführung des BOP inkludiert.

Auch hier kommt es auf das methodische Geschick der Ausbilderinnen und Ausbilder an: Alle Schülerinnen und Schüler fertigen die gleichen Werkstücke an. Bei Leistungsunterschieden sind daher individuelle Lösungen gefragt, um allen Schülerinnen und Schülern die Mitarbeit zu ermöglichen. Das gemeinsame Arbeiten im BOP ist nicht nur für die Jugendlichen mit Einschränkungen eine Herausforderung und manchmal eine Grenzerfahrung, sondern auch für die Schülerinnen und Schüler der anderen Schulen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass sich das Konzept sehr positiv auf das Miteinander in den Arbeitsgruppen ausgewirkt.

Das eigene Talent entdecken

Im BOP wird die Handlungsorientierung, sprich das Ausprobieren und Entdecken, groß geschrieben: so können Jungen wie Mädchen gleichermaßen im praktischen Tun für sich entdecken, was ihnen Spaß macht. Dies trägt dazu bei, später eine überlegte und kompetente Berufswahlentscheidung zu treffen. Dabei werden Sie von Ausbilderinnen und Ausbildern verantwortungsvoll und motivierend begleitet.


Weitere Informationen zum Berufsorientierungsprogramm finden Sie unter www.berufsorientierungsprogramm.de.