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„Frauen wie Männer sollen sich souverän und mündig im digitalen Umfeld bewegen können“

Hannes Schwaderer, Präsident Initiative D21 e.V.
© Adrian Bedoy

Welche gesellschaftlichen Herausforderungen bringt der digitale Wandel mit sich und wie können wir gemeinsam darauf antworten? Mit diesen Fragen setzt sich die Initiative D21 auseinander. Präsident Hannes Schwaderer erklärt, warum dabei der Blick auf Geschlechter von Bedeutung ist.

Herr Schwaderer, stellen Sie sich und Ihre Organisation bitte kurz vor.

Ich bin Präsident der Initiative D21, Deutschlands größtem gemeinnützigen Netzwerk für die digitale Gesellschaft, bestehend aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Unser Ziel ist es, die gesellschaftlichen Herausforderungen im digitalen Wandel zu durchleuchten, jährliche Lagebilder zu liefern und Debatten anzustoßen, um die Zukunft der digitalen Gesellschaft sinnvoll zu gestalten.

Was hat Sie motiviert, sich in der Initiative Klischeefrei zu engagieren?

Die zunehmende Digitalisierung betrifft nahezu alle Bereiche unseres Zusammenlebens grundlegend. Das birgt großes Verbesserungspotenzial und eröffnet zahlreiche Chancen, stellt unsere Gesellschaft andererseits aber auch vor immer neue Herausforderungen. Daher ist es wichtig, dass wir diesen Prozess der Transformation selbst in die Hand nehmen, aktiv gestalten und positiv für uns nutzen. Eine Grundlage dafür sind junge Menschen – Frauen wie Männer – die sich souverän und mündig im digitalen Umfeld bewegen. Ein Bereich, in dem die Digitalisierung besonders große Auswirkungen hat, sind die MINT-Fächer und -Berufe. Diese sind aber nach wie vor überwiegend männlich besetzt. Daher möchten wir helfen, dass mehr junge Frauen hier mögliche Perspektiven für sich erkennen und nutzen. Denn wir werden zukünftig noch mehr guten Nachwuchs in diesen Bereichen brauchen.

Auf welche Weise setzt sich die Initiative D21 für eine geschlechtersensible Berufs- und Studienorientierung ein?

Die D21 setzt sich auf verschiedenen Ebenen dafür ein: Generell geht es uns darum, einer digitalen Spaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken, ob nun entlang von Alter, Standort oder eben Geschlecht. Wir beobachten in unseren regelmäßigen Studien wie dem D21-Digital-Index durchaus einen Unterschied in der Nutzung und Einstellung gegenüber digitalen Angeboten. Anhand solcher Daten können wir rechtzeitig Debatten starten und für entsprechende Entwicklungen sensibilisieren. Ein zentraler Baustein unseres Engagements ist der Girls’Day: Seit über zehn Jahren eröffnet die Initiative D21 gemeinsam mit Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel einen Tag vor dem eigentlichen Girls’Day den Aktionstag im Kanzleramt. Das schafft eine große Aufmerksamkeit und somit Bewusstsein für Ungleichgewichte bei der Berufswahl und gewährt den Mädchen Einblicke in Bereiche, die ihnen vielleicht neue Perspektiven eröffnen. Außerdem bringen wir in verschiedenen Arbeitsgruppen Akteure aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen. Da geht es beispielsweise darum, wie eine zeitgemäße digitale Bildung in den Institutionen vorangebracht werden kann und wir die heranwachsende Generation für die Zukunft vorbereiten können – unabhängig von Geschlechterklischees.

Welche Erfolge haben Sie bereits mit Ihrem Engagement erreichen können?

Dazu vielleicht ein Beispiel aus den eigenen Reihen: Wir streben perspektivisch einen paritätischen Vorstand in unserem Verein an. Davon sind wir aktuell aber noch weit entfernt. Um diesem Ziel näher zu kommen stärken wir den Frauenanteil im Vorstand der Initiative D21 durch aktive Maßnahmen. Daher haben wir im Juli einstimmig eine Geschlechter-Quote beschlossen: Unsere Satzung legt nun fest, dass mindestens ein Drittel der Personen des Vorstandes durch das unterrepräsentierte Geschlecht besetzt werden. Aktuell betrifft das die Frauen. Zusätzlich zur Quote haben wir auch bewusst die Regelung des „leeren Stuhls“ eingeführt. Sollte sich also keine Personen des aktuell unterrepräsentierten Geschlechts zur Wahl stellen oder nicht gewählt werden, bleiben die entsprechenden Plätze frei. Damit setzen wir bewusst einen Anreiz.