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„Bei uns dürfen Mädchen und Jungen das ausprobieren, wozu sie Lust haben.“

Kathrin Thomas, Kindergarten „Die Wühlmäuse“ Bad Zwesten
© Kathrin Thomas

Ob Fußballspielen oder einen Stromkreis aufbauen: Im Kindergarten „Die Wühlmäuse“ sind unabhängig vom Geschlecht alle Kinder gleich gefragt und gefordert. Leiterin Kathrin Thomas erklärt im Gespräch mit Klischeefrei das Konzept.

Frau Thomas, können Sie Ihre Einrichtung kurz vorstellen?

Der Kindergarten „Die Wühlmäuse“, dessen Träger die Gemeinde Bad Zwesten ist, befindet sich in ländlicher Region im Schwalm-Eder-Kreis. Insgesamt können bis zu 45 Kinder im Alter von 2 bis 6 Jahren die halbtags geöffnete integrative Einrichtung, deren Schwerpunkte Sprache, Bewegung, Forschen, Entdecken, Natur und Technik sind besuchen. Davon beträgt der Anteil der Mädchen zurzeit über 50 Prozent.

Seit dem Sommer 2013 tragen wir den Titel zum „Haus der kleinen Forscher“. Im Juni 2017 haben wir die dritte Zertifizierung mit überdurchschnittlichen Ergebnis (94 %) erhalten.

Seit 2011 sind die Wühlmäuse jeden Donnerstag der „Natur auf der Spur“. Die Kinder haben die Möglichkeit in dieser Expeditionsgruppe unterwegs zu sein. Abwechselnde Angebote wie Forschen, Experimentieren und Technik, Gartenarbeit, Entdeckungs- und Forschungsreise im Wald und im Feld, „Wieso, weshalb, warum?“ – Aktionen, Umwelterziehung („Wie gehe ich nachhaltig mit dieser um?“) etc. sind nur ein Teil der Themen.

Die Gruppen werden nach Alter und Entwicklungsstand der Kinder eingeteilt. Diese Gruppen werden gemischt. Wir arbeiten hauptsächlich nach dem Hessischen Bildungsplan und dem Situationsorientierten Ansatz, aber auch an Lernzielen (zum Beispiel in der Spracherziehung und Vorschularbeit) und an Projekten (Haus der kleinen Forscher, Jahreszeiten, Festen etc.).

Die aktuelle und zukünftige Lebenssituation der Kinder wird berücksichtigt und in den Gruppenalltag integriert. Wir arbeiten binnen-differenziert, das heißt die Kinder können im Rahmen eines Projektes oder eines Angebotes unterschiedliches, ihrem Interesse oder ihren Fähigkeiten entsprechendes tun.
Die Einrichtung verfügt über einen gleichnamigen Förderverein, der diese finanziell unterstützt und besonders förderungswürdig anerkannten gemeinnützigen Zwecken dienend ist.

Was hat sie motiviert, sich bei der Nationalen Kooperation zu engagieren?

Konzeptionell haben wir „Klischeefrei“ schon lange verankert, denn bei uns gibt es nicht dieses typisch-Junge- oder typisch-Mädchen-Bild. Im Gegenteil, da nehmen die Mädchen den Akku-Schrauber in die Hand und die Jungen spielen mit den Puppen. Jeder darf das ausprobieren, wozu er Lust hat.

Somit war es für mich auch keine Frage beim Deutschen Arbeitgeberpreis 2017 mitzumachen. Zudem bin ich (da ich Kassiererin des Fördervereines bin) immer auf der Suche „Geldquellen“ zu öffnen, um den Kindern besondere Wünsche zu erfüllen: so zum Beispiel eine aus Edelstahl angefertigte Matschanlage oder eine große Vogelnestschaukel oder eine Sandwerkstatt.

Mit dem Arbeitgeberpreis hat es zwar leider nicht geklappt, aber dafür habe ich Ende Februar ihren Anruf erhalten. Somit können wir auch von einem Gewinn sprechen, da sich nun für unsere Arbeit wieder Türen öffnen, vielleicht in anderen Dimensionen. Es freut uns, dass unsere Arbeit Anerkennung findet und zeigt uns, das wir immer auf dem richtigen Weg sind.

Auf welche Weise setzt sich Ihr Kindergarten für eine geschlechtersensible Berufs- und Studienorientierung ein?

Unsere Aufgabe der vorschulischen Arbeit ist, die Kinder auf ein Leben in einer sich ständig verändernden Welt vorzubereiten, ihnen Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit und Stärke zu vermitteln.

„Typisch“ Mädchen oder „Typisch“ Junge gibt es bei uns nicht, alle sind gleich. Ob es um das Fußballspielen geht oder einen Stromkreis aufbauen, jeder von ihnen ist gefragt und jeder von ihnen ist gefordert. Da es bei uns auch konzeptionell so verankert ist, weiß jeder in unserer Einrichtung, worauf er sich bei uns einstellen muss. Diese Einstellung wird von allen Teammitgliedern getragen.

Hospitanten, und davon haben wir viele, lernen bei uns, wie unterschiedlich im Bereich „Kindergarten“ gearbeitet werden kann. Teilweise werden wir als „exotisch“ bezeichnet, weil wir den Kindern viele Angebote unterbreiten und ihnen Themen vorstellen, die eher nicht typisch für Kindergarten sind, wie zum Beispiel das Thema „Weltall“.

Beim Thema „Weltall“ arbeiten wir gerade eng mit dem Deutschen Zentrum für Luft-und Raumfahrt (DLR) zusammen. Es macht den Kindern riesigen Spaß, den Aufbau einer Rakete zu untersuchen, zu wissen wie ein Start und eine Landung funktionieren.

Eben all das, was in unseren Augen ein „Haus der kleinen Forscher“ ist und ausmachen sollte. Männliche Erzieher sind bei uns im ländlichen Raum eher in der Jugendpflege oder in den Heimbereichen zu finden. Hier ist es leider nicht klischeefrei, aber wir arbeiten bei den Hospitanten daran, dass die Arbeit im Kindergarten auch anders aussehen kann.