22.06.2026
Klischeefreie Berufsorientierung beginnt in der Lehrkräftebildung
Ein Pilotprojekt mit der Universität Münster zeigt, wie Veränderung systematisch gelingen kann
Berufsorientierung ist ein zentraler Bestandteil schulischer Bildung. Sie unterstützt junge Menschen dabei, ihre Interessen, Stärken und beruflichen Möglichkeiten kennenzulernen. Gleichzeitig wirken Geschlechterklischees noch immer auf Bildungs- und Berufsentscheidungen ein – oft unbewusst, aber mit spürbaren Folgen.
Ein wichtiger Hebel setzt deshalb früh an, nämlich in der Ausbildung angehender Lehrkräfte. Denn Lehrkräfte begleiten Schülerinnen und Schüler nicht nur fachlich. Sie prägen auch Lernräume, geben Impulse, eröffnen Perspektiven und können dazu beitragen, stereotype Vorstellungen von Berufen zu hinterfragen.
Genau hier setzt das gemeinsame Pilotprojekt der Universität Münster und der Initiative Klischeefrei an.
Berufsorientierung in der Lehrkräfteausbildung verankern
Im Rahmen eines Werkstattseminars wurde erprobt, wie klischeefreie Berufsorientierung systematisch in die Lehramtsausbildung integriert werden kann. Ziel war es, Studierende frühzeitig für das Thema zu sensibilisieren und ihnen konkrete didaktische Werkzeuge für ihre spätere Schulpraxis an die Hand zu geben.
Das Seminar verband theoretische Impulse mit praktischer Anwendung. Die Studierenden setzten sich mit Geschlechterklischees in der Berufsorientierung auseinander, reflektierten eigene Perspektiven auf Geschlecht und Beruf und entwickelten Unterrichtskonzepte für unterschiedliche Fächer.
Entstanden sind vielfältige Ideen, unter anderem für Biologie, Deutsch und Philosophie. Sie zeigen, dass klischeefreie Berufsorientierung kein zusätzliches Thema neben dem Unterricht sein muss, sondern dass diese fachlich eingebettet, praxisnah und altersgerecht umgesetzt werden kann.
Studierende als aktive Gestalterinnen und Gestalter
Ein zentraler Erfolgsfaktor des Projekts war die aktive Rolle der Studierenden. Sie wurden nicht nur als Zielgruppe angesprochen, sondern als zukünftige Lehrkräfte ernst genommen, die eigene Ideen entwickeln, erproben und reflektieren.
Dadurch entstand ein Lernformat, das nicht nur Wissen vermittelt, sondern Handlungskompetenz stärkt. Die Studierenden beschäftigten sich mit der Frage, wie Unterricht gestaltet werden kann, damit Jugendliche ihre Interessen und Fähigkeiten unabhängig von Geschlechterklischees entdecken können.