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22.06.2026

Klischeefreie Berufsorientierung beginnt in der Lehrkräftebildung

Ein Pilotprojekt mit der Universität Münster zeigt, wie Veränderung systematisch gelingen kann

Klischeefreie Berufsorientierung beginnt in der Lehrkräftebildung
von links nach rechts: Miguel Diaz, (Leiter der Servicestelle der Initiative Klischeefrei), Professorin Dr. Katja Driesel-Lange (Universität Münster) sowie Christoph Kröger (Servicestelle der Initiative Klischeefrei)

Berufsorientierung ist ein zentraler Bestandteil schulischer Bildung. Sie unterstützt junge Menschen dabei, ihre Interessen, Stärken und beruflichen Möglichkeiten kennenzulernen. Gleichzeitig wirken Geschlechterklischees noch immer auf Bildungs- und Berufsentscheidungen ein – oft unbewusst, aber mit spürbaren Folgen.

Ein wichtiger Hebel setzt deshalb früh an, nämlich in der Ausbildung angehender Lehrkräfte. Denn Lehrkräfte begleiten Schülerinnen und Schüler nicht nur fachlich. Sie prägen auch Lernräume, geben Impulse, eröffnen Perspektiven und können dazu beitragen, stereotype Vorstellungen von Berufen zu hinterfragen.

Genau hier setzt das gemeinsame Pilotprojekt der Universität Münster und der Initiative Klischeefrei an.

Berufsorientierung in der Lehrkräfteausbildung verankern

Im Rahmen eines Werkstattseminars wurde erprobt, wie klischeefreie Berufsorientierung systematisch in die Lehramtsausbildung integriert werden kann. Ziel war es, Studierende frühzeitig für das Thema zu sensibilisieren und ihnen konkrete didaktische Werkzeuge für ihre spätere Schulpraxis an die Hand zu geben.

Das Seminar verband theoretische Impulse mit praktischer Anwendung. Die Studierenden setzten sich mit Geschlechterklischees in der Berufsorientierung auseinander, reflektierten eigene Perspektiven auf Geschlecht und Beruf und entwickelten Unterrichtskonzepte für unterschiedliche Fächer.

Entstanden sind vielfältige Ideen, unter anderem für Biologie, Deutsch und Philosophie. Sie zeigen, dass klischeefreie Berufsorientierung kein zusätzliches Thema neben dem Unterricht sein muss, sondern dass diese fachlich eingebettet, praxisnah und altersgerecht umgesetzt werden kann.

Studierende als aktive Gestalterinnen und Gestalter

Ein zentraler Erfolgsfaktor des Projekts war die aktive Rolle der Studierenden. Sie wurden nicht nur als Zielgruppe angesprochen, sondern als zukünftige Lehrkräfte ernst genommen, die eigene Ideen entwickeln, erproben und reflektieren.

Dadurch entstand ein Lernformat, das nicht nur Wissen vermittelt, sondern Handlungskompetenz stärkt. Die Studierenden beschäftigten sich mit der Frage, wie Unterricht gestaltet werden kann, damit Jugendliche ihre Interessen und Fähigkeiten unabhängig von Geschlechterklischees entdecken können.
 

„Ich bin angetreten, innovative Lehrkonzepte zur Berufsorientierung zu entwickeln und nachhaltig in der Lehrkräftebildung zu verankern.“

Professorin Dr. Katja Driesel-Lange (Universität Münster)

Teilnehmende am Workshop zum Pilotprojekt der Initiative Klischeefrei mit der Universität Münster führen eine Gruppenübung durch
Pilotprojekt der Initiative Klischeefrei mit der Universität Münster

Das Pilotprojekt verdeutlicht, dass nachhaltige Veränderung im System Schule entstehen kann, wenn angehende Lehrkräfte bereits in ihrer Ausbildung lernen, klischeefreie Berufsorientierung mitzudenken.

Zentrale Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt

Aus der Konzeption, Durchführung und Auswertung des Pilotprojektes hat sich gezeigt, dass sich klischeefreie Berufsorientierung erfolgreich in die Lehramtsausbildung integrieren lässt. Besonders wirksam ist ein Format, das wissenschaftliche Grundlagen, praktische Entwicklung und persönliche Reflexion miteinander verbindet.

Aus dem Pilotprojekt lassen sich mehrere Erkenntnisse ableiten:

  • Klischeefreie Berufsorientierung kann fachübergreifend in die Lehrkräftebildung eingebunden werden. Studierende entwickeln dabei ein hohes Maß an Reflexionsfähigkeit und Handlungskompetenz.
  • Praxisnahe Formate erleichtern den Transfer in die spätere Unterrichtsgestaltung.
  • Darüber hinaus wird deutlich, dass engagierte Lehrende und verlässliche Kooperationen wichtige Voraussetzungen für den Erfolg sind.

„Unser Ziel war zunächst, zu prüfen, ob das Konzept überhaupt funktioniert. Das Ergebnis ist klar: Es funktioniert – wenn engagierte Partnerinnen und Partner den Prozess tragen.“

Christoph Kröger (Servicestelle der Initiative Klischeefrei)

Teilnehmende am Workshop zum Pilotprojekt der Initiative Klischeefrei mit der Universität Münster stehen für ein Gruppenbild zusammen
Teilnehmende am Politprojekt der Initiative Klischeefrei mit der Universität Münster

Kooperation als Schlüssel

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war die enge Zusammenarbeit zwischen der Universität Münster und der Initiative Klischeefrei. Die Kooperation ermöglichte es, wissenschaftliche Perspektiven, praktische Erfahrungen und konkrete Materialien miteinander zu verbinden.

So entstand ein Format, das didaktisch fundiert ist und zugleich direkt an der Ausbildungspraxis ansetzt. Für Prof. Dr. Katja Driesel-Lange ist Zusammenarbeit dabei ein entscheidender Faktor.
 

„Ich bin überzeugt: Nur durch Kooperation zwischen Universität, Schule und Praxis gelingt es, innovative Ansätze nachhaltig zu etablieren.“

Professorin Dr. Katja Driesel-Lange (Universität Münster)

Pilotprojekt der Initiative Klischeefrei mit der Universität Münster: Auf einer Pinnwand sind Gedanken zum Thema klischeefreie Berufsorientierung festgehalten
Aus dem Pilotprojekt der Initiative Klischeefrei mit der Universität Münster

Auch für die Initiative Klischeefrei stand von Beginn an die Frage im Mittelpunkt, wie aus einem Pilotprojekt langfristige Wirkung entstehen kann.

„Für uns war von Anfang an entscheidend, dass das Projekt nicht beim Piloten stehen bleibt.“

Miguel Diaz, Leiter der Servicestelle der Initiative Klischeefrei

Vom Pilotprojekt zur Struktur

Das Projekt bleibt kein einmaliges Experiment. An der Universität Münster wird der Ansatz bereits weitergeführt und ausgebaut. Geplant sind unter anderem die Integration in weitere Lehrveranstaltungen, eine stärkere Verzahnung mit schulischer Praxis sowie die Weiterentwicklung für unterschiedliche Jahrgangsstufen und Schulformen.

Damit rückt die Frage in den Fokus, wie aus einem erfolgreichen Pilotprojekt ein dauerhafter Bestandteil der Lehrkräftebildung werden kann? Die Antwort liegt nicht in einzelnen Maßnahmen, sondern in struktureller Verankerung. Wenn klischeefreie Berufsorientierung regelmäßig in der Lehrkräfteausbildung aufgegriffen wird, können angehende Lehrkräfte frühzeitig lernen, stereotype Berufsbilder zu erkennen und ihnen im Unterricht entgegenzuwirken.

Ein Modell mit Perspektive

Das Pilotprojekt mit der Universität Münster zeigt exemplarisch, wie Veränderung im Bildungssystem angestoßen werden kann, nämlich durch gezielte Impulse an einer zentralen Schnittstelle, durch praxisnahe Entwicklung von Unterricht und durch langfristige Kooperationen.

Die Lehrkräftebildung ist dabei ein besonders wirkungsvoller Ansatzpunkt. Denn wer angehende Lehrkräfte erreicht, erreicht langfristig auch Schulen, Klassenräume und viele Generationen von Schülerinnen und Schülern.

Klischeefreie Berufsorientierung beginnt damit nicht erst im Berufswahlprozess der Jugendlichen. Sie beginnt dort, wo zukünftige Lehrkräfte lernen, Perspektiven zu öffnen.