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Horizontale Segregation des Arbeitsmarktes

Verteilung von Frauen und Männern auf unterschiedliche Berufe

Frauen und Männer verteilen sich sehr unterschiedlich auf Berufe und Berufssegmente. Während Männer in sieben von vierzehn Berufssegmenten dominieren, gilt dies für Frauen nur in drei Berufssegmenten. Frauen sind vor allem in den personenbezogenen  Dienstleistungen stark vertreten (zum Beispiel Gesundheitsberufe). Hohe Männeranteile gibt es hingegen hauptsächlich in den Produktionsberufen (zum Beispiel Bau- und Ausbauberufe). Daneben finden sich auch einige wenige Berufssegmente, in denen das Geschlechterverhältnis annähernd ausgewogen ist (zum Beispiel Handelsberufe).1

Abb. 1:
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach Berufssegmenten und Geschlecht im September 2019 in Prozent und absoluten Zahlen

Wer ist wo beschäftigt? Die Top-5-Berufsgruppen von Frauen und Männern

Bei den Top 5 der Frauen und Männer findet sich nur eine Überschneidung: bei der Berufsgruppe Unternehmensorganisation und -strategie. Die anderen Top 5 der Frauen sind vor allem Dienstleistungsberufe und haben einen sehr hohen Frauenanteil. Die weiteren Top 5 der Männer liegen vorwiegend im technischen Bereich und weisen einen hohen Männeranteil auf.1

Grafik
Abb. 2:Top-5-Berufsgruppen nach Geschlecht im September 2019, Frauen- bzw. Männeranteil in Prozent und absoluten Zahlen

Horizontale Segregation

Horizontale Segregation des Arbeitsmarktes ist die ungleiche Verteilung von Frauen und Männern auf verschiedene Berufe, vertikale Segregation die auf unterschiedliche berufliche Hierarchieebenen. Bei frauen- oder männerdominierten Berufen liegt der Anteil des jeweiligen Geschlechts über 70 Prozent, bei Mischberufen zwischen 30 und 70 Prozent.2,3

Horizontale Segregation bleibt hartnäckig

Die horizontale Segregation des deutschen Arbeitsmarktes bleibt seit Jahren sehr stabil: In vielen Berufen sind mehrheitlich Frauen oder mehrheitlich Männer beschäftigt, wobei der Anteil männlich dominierter Berufe deutlich überwiegt. Dieser Zustand hält sich trotz vieler positiver Entwicklungen bei Bildung und Erwerbsbeteiligung von Frauen. Im internationalen Vergleich ist die Arbeitsmarktsegregation in Deutschland hoch.3, 4

Positive Entwicklungen erkennbar

Trotz der starken Trennung der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt finden sich auch positive Entwicklungen in Berufsgruppen mit hohem Frauen- beziehungsweise Männeranteil: So ist in den letzten fünf Jahren die Zahl der Männer zum Beispiel in der Altenpflege um 37 Prozent und in der Arzt- und Praxishilfe um 41 Prozent deutlich stärker als die der Frauen gestiegen. In der Mechatronik und Automatisierungstechnik sowie in der Technischen Forschung und Entwicklung wuchs mit 47 beziehungsweise 46 Prozent die Zahl der Frauen doppelt so stark wie die der Männer.1

Segregation des Arbeitsmarktes beginnt bei der Berufs- und Studienwahl

Ursachen für die anhaltende Segregation des Arbeitsmarktes werden in unterschiedlichen Präferenzen von jungen Frauen und Männern bei der Berufs- und Studienwahl gesehen, die stark durch die vorherrschenden Geschlechterklischees beeinflusst werden. Aber auch die Betriebe tragen eine große Verantwortung für eine klischeefreie Berufs- und Studienwahl. Unternehmenskulturen sind darüber hinaus nicht selten für den Verbleib von Fachkräften in Betrieben und Berufsbereichen entscheidend.2, 3, 4

Stärkere Mischung der Geschlechter in Berufen hat hohe gesellschaftliche Relevanz

Berufe mit hohem Frauenanteil weisen auch bei vergleichbarer Qualifikation und beruflicher Stellung häufig schlechtere Verdienste und Aufstiegschancen auf. Ein ausgewogeneres Geschlechterverhältnis könnte diese Ungleichheiten um Teil auflösen. Schon heute fehlen in vielen Bereichen Fachkräfte. Es ist daher wichtig, Frauen und Männern eine an individuellen Stärken und Interessen orientierte Berufs- und Studienwahl zu ermöglichen und sie für Berufsbereiche zu gewinnen, in denen sie unterrepräsentiert sind. Weiterhin zeigen Studien, dass in heterogenen Gruppen die Gruppenproduktivität besonders hoch ist. Eine Annäherung der Frauen- und Männeranteile in Berufen könnte damit auch einen Gewinn für die Produktivität in vielen Berufsfeldern bedeuten.3,4

  • 1

    Statistisches Bundesamt (Hrsg): Beschäftigte nach Berufen (KldB 2010) (Quartalszahlen). Nürnberg August 2015, April 2020.

  • 2

    Achatz, Juliane: Berufliche Geschlechtersegregation. In: M. Abraham & T. Hinz (Hrsg.), Arbeitsmarktsoziologie. Probleme, Theorien, empirische Befunde. Springer VS, S. 389–435. Wiesbaden 2018.

  • 3

    Busch, Anne: Die berufliche Geschlechtersegregation in Deutschland – Ursachen, Reproduktion, Folgen. Wiesbaden 2013.

  • 4

    Hausmann, Ann-Christin; Kleinert, Corinna: Berufliche Segregation auf dem Arbeitsmarkt: Männer- und Frauendomänen kaum verändert. IAB-Kurzbericht 09/2014. Nürnberg 2014.

Über die Initiative Klischeefrei

Die Initiative Klischeefrei ist ein Bündnis aus Bildung, Politik, Wirtschaft und Forschung. Ihr Ziel: eine an individuellen Stärken orientierte Berufs- und Studienwahl – frei von Geschlechterklischees. Die Initiative richtet sich an alle, die junge Menschen bei der Berufsorientierung begleiten. Machen Sie mit! Das Portal klischee-frei.de gibt Ihnen dazu Infos und Materialien an die Hand.

Der Inhalt dieses Werkes steht unter einer Creative-Commons-Lizenz (Lizenztyp: Namensnennung - Keine kommerzielle Nutzung - Keine Bearbeitung - 4.0 Deutschland). Bei Abdruck Belegexemplar erbeten.
Zitation: Servicestelle der Initiative Klischeefrei: „Horizontale Segregation des Arbeitsmarkts", Stand 10/2020, Creative Commons Linzenz (CC BY NC ND 4.0 Deutschland).

Stand: 10/2020

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