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Schulische Berufsausbildung

Geschlechterverhältnisse in verschiedenen Ausbildungsbereichen

Eine Alternative zur betrieblichen Ausbildung ist die vollzeitschulische Berufsausbildung an Berufsfachschulen oder Schulen des Gesundheitswesens. Rund ein Drittel (30 Prozent) der Auszubildenden entscheidet sich für diesen Ausbildungsweg, zum Großteil an einer Berufsfachschule. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler an Berufsfachschulen ist seit 2005 stetig gesunken, an Schulen des Gesundheitswesens hingegen gestiegen. Während deutlich mehr Frauen an Schulen des Gesundheitswesens lernen, ist das Geschlechterverhältnis an Berufsfachschulen ausgeglichener.1

Balkendiagramme zu Berufsfachschulen und Schulen aus dem Gesundheitswesen
Abb. 1:
Schüler/innen an Berufsfachschulen und Schulen des Gesundheitswesens nach Geschlecht und ausgewählten Jahrgängen

Berufsfachschulen

Berufsfachschulen bieten in mehr als 20 Bereichen Ausbildungsgänge an – auch im Gesundheitsbereich. 93 Prozent der Schülerinnen konzentrieren sich auf lediglich sechs Berufsbereiche. Männer sind zwar an Berufsfachschulen weniger stark vertreten, verteilen sich aber auf ein breiteres Ausbildungsspektrum. In den sechs am stärksten besetzten Bereichen beträgt ihr Anteil 81 Prozent.

Top 6 der Frauen und Top 6 der Männer
Abb. 2:
Schüler/innen in den Top-6-Berufsbereichen an Berufsfachschulen nach Geschlecht in Prozent

Schulen des Gesundheitswesens

Insgesamt sind Schülerinnen an Schulen des Gesundheitswesens mit einem Anteil von 76 Prozent deutlich stärker vertreten als Schüler (24 Prozent). Besonders ausgeprägt ist der Überhang an Schülerinnen in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege (95 Prozent), der Diätassistenz (90 Prozent) und der Podologie (87 Prozent). In den Berufen medizinische/r Bademeister/in und Masseur/in ist das Geschlechterverhältnis hingegen ausgewogen.1

Grafik
Abb. 3:
Schüler/innen in ausgewählten Ausbildungsgängen an Schulen des Gesundheitswesens nach Geschlecht in Prozent

Merkmale der schulischen Berufsausbildung

Die vollzeitschulische Berufsausbildung umfasst rund 130 Ausbildungsgänge. Die Schulen sind als Ausbildungsträger für die gesamte Ausbildung einschließlich der fachpraktischen Phasen allein verantwortlich. Bei der betrieblichen bzw. dualen Ausbildung teilen sich Betriebe/Verwaltungen und Berufsschulen die Zuständigkeit. Die betriebliche Ausbildung ist einheitlich nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der Handwerksordnung (HWO) geregelt. Im Gegensatz dazu fällt die schulische Berufsausbildung unter ganz unterschiedliche bundes- oder landesrechtliche Regelungen.

Zu den Ausbildungen nach Bundesrecht zählen vor allem die Gesundheitsfachberufe, zum Beispiel in der Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege. Zu den Ausbildungsgängen nach Landesrecht zählen zum einen die Gesundheits-, Erziehungsund Sozialberufe und zum anderen Assistenzberufe wie etwa staatlich geprüfte kaufmännische Assistent/innen.2

Von 2005 bis 2018 hat sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler an Berufsfachschulen um 26 Prozent auf 416.358 verringert. An Schulen des Gesundheitswesens hingegen ist die Zahl der Schülerinnen und Schüler um 30 Prozent auf 157.020 gestiegen.1  Der Rückgang der Zahlen an Berufsfachschulen ist wirtschaftsund bildungspolitisch durchaus gewünscht, denn viele duale Ausbildungen vermitteln dieselben Qualifikationen wie schulische Berufsausbildungen – bieten aber Vorteile bei Betriebsnähe, Arbeitsmarktpassung sowie bessere Übergangschancen in den Beruf. Der dualen Ausbildung soll in diesen Fällen der Vorzug gegeben werden.3

Schulische Berufsausbildung – Männer holen auf

In der schulischen Berufsausbildung bilden Frauen mit 71 Prozent zwar die Mehrheit, ein Blick auf das Geschlechterverhältnis zeigt jedoch eine Annäherung. An Berufsfachschulen hat sich seit 2005 die Differenz zwischen den Geschlechtern verringert: 2018 lag der Anteil der Männer bei 45 Prozent. An Schulen des Gesundheitswesens stieg der Männeranteil um 2 Prozentpunkte von 22 Prozent im Jahr 2005 auf 24 Prozent im Jahr 2018. Absolut gesehen haben hier 2018 im Vergleich zu 2005 über 10.000 Männer mehr eine Ausbildung begonnen – das entspricht einer Steigerung von 44 Prozent.1

  • 1

    Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Bildung und Kultur. Berufliche Schulen, Schuljahr 2018/2019, Fachserie 11, Reihe 2. Wiesbaden 2019.

  • 2

    Zöllner, M.: Schulische Ausbildungsgänge – eine unterschätzte Größe in der Berufsbildung. In: BWP (2015) 5, S. 52 – 54.

  • 3

     Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.): Berufsbildungsbericht 2019. Bonn, Berlin 2019.

Über die Initiative Klischeefrei

Die Initiative Klischeefrei ist ein Bündnis aus Bildung, Politik, Wirtschaft und Forschung. Ihr Ziel: eine an individuellen Stärken orientierte Berufs- und Studienwahl – frei von Geschlechterklischees. Die Initiative richtet sich an alle, die junge Menschen bei der Berufsorientierung begleiten. Machen Sie mit! Das Portal klischee-frei.de gibt Ihnen dazu Infos und Materialien an die Hand.

Der Inhalt dieses Werkes steht unter einer Creative-Commons-Lizenz (Lizenztyp: Namensnennung - Keine kommerzielle Nutzung - Keine Bearbeitung - 4.0 Deutschland). Bei Abdruck Belegexemplar erbeten.
Zitation: Servicestelle der Initiative Klischeefrei: „Schulische Ausbildung", Stand 09/2020, Creative Commons Linzenz (CC BY NC ND 4.0 Deutschland).

Stand: 09/2020

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