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Fächerwahl und Schulleistungen

Leistungen und fachbezogene Präferenzen im Geschlechtervergleich

Die PISA-Studie 2018 zeigt, dass sich die Leistungen von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften nur graduell unterscheiden. Mädchen haben gegenüber Jungen einen Leistungsvorsprung von 26 Punkten in der Lesekompetenz, das entspricht einem Vorsprung von knapp 8 Monaten. Jungen haben dagegen einen Leistungsvorsprung von 7 Punkten in Mathematik. Das entspricht einem zeitlichen Vorsprung von 2 Monaten. Die Kompetenzen in den Naturwissenschaften sind zwischen Mädchen und Jungen annähernd gleich verteilt.1

Kompetenzen in Lesen: Mädchen haben 8 Monate Vorsprung, Kompetenzen in Mathe:Jungen haben 2 Monate Vorsprung, Kompetenzen in Naturwissenschaften: Mädchen haben 0,5 Monate Vorsprung
Abb. 1:
PISA-Leistungsvergleich: Kompetenzen von 15-Jährigen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften nach Geschlecht im Jahr 2018

Mädchen und Jungen nutzen in ihrer Freizeit verschiedene Medien unterschiedlich stark. Fast jedes zweite Mädchen, aber nur jeder dritte Junge liest täglich oder mehrmals pro Woche Bücher aus Vergnügen, zum Beispiel Romane und Erzählungen. Dagegen lesen nur 11 Prozent der Mädchen gar keine Bücher in ihrer Freizeit, bei den Jungen ist dieser Anteil mit 20 Prozent fast doppelt so hoch. Die höhere Affinität zu Büchern und das damit verbundene regelmäßige Lesen sind wichtige Gründe für die stärker ausgeprägte Lesekompetenz der Mädchen.

In medienbezogener Freizeitgestaltung haben für Jungen digitale Spiele sowie Online-Videos größere Bedeutung. Mehr als 70 Prozent der Jungen spielen regelmäßig, bei den Mädchen liegt dieser Anteil bei 43 Prozent. Zudem haben digitale Spielwelten für die Jüngeren eine höhere Relevanz und sind mit zunehmendem Alter der Jungen und Mädchen weniger stark im Alltag verankert.2

Entwicklung von Kompetenzen – PISA-Ergebnisse im Jahresvergleich

Der Jahresvergleich für Deutschland zeigt, wie sich die Kompetenzen von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern in ausgewählten Bereichen entwickeln. Mädchen verfügten im Jahr 2018 im Vergleich zu Jungen über eine höhere Lesekompetenz. Dabei hat sich der Geschlechterunterschied von 40 Punkten im Jahr 2009 auf 26 Punkte im Jahr 2018 insgesamt verringert. Trotz des nach wie vor hohen Anteils „leseschwacher“ Jungen, hat sich der Anteil „lesestarker“ Jungen im Vergleich zu 2009 fast verdoppelt. 

Geschlechterverhältnisse in ausgewählten Leistungskursen

Grafik
Abb. 2:
Wahl der Leistungskurse in der Oberstufe nach Geschlecht im Schuljahr 2018/2019 (ausgewählte Fächer, ohne BadenWürttemberg; Deutsch und Mathematik ohne Brandenburg und Thüringen)

Die Wahl von Fächern mit erhöhten Anforderungen (Leistungsfächer) in der Oberstufe ist durch vorangegangene Leistungen und das Selbstvertrauen bestimmt, diese Leistungen künftig auch halten zu können. Die Fächer Deutsch, Englisch und Mathematik werden am häufigsten gewählt. Dies ist vor allem auf Vorgaben zur Belegung von Pflichtfächern zurückzuführen. Während das Geschlechterverhältnis in den Fächern Englisch und Mathematik annähernd ausgeglichen ist, liegt der Anteil der Mädchen im Fach Deutsch etwas höher.

In vielen anderen Fächern zeigt sich, dass die Wahl häufig geschlechterstereotypen Vorstellungen entspricht. Deutlich mehr Jungen als Mädchen wählen Informatik und Physik, umgekehrt wählen viel mehr Mädchen die Fächer Psychologie/Pädagogik und Musik als Leistungsfächer. Da Mädchen und Jungen in Mathematik etwa gleich häufig in den Leistungskursen vertreten sind, könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass Mathematik mittlerweile weniger stark männlich konnotiert ist als die Fächer Physik und Informatik.3

  • 1

     Reiss K. et al. (Hrsg.): PISA 2018 – Grundbildung im internationalen Vergleich. Waxmann Verlag, Münster 2019.

  • 2

    Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (Hrsg.): JIM-Studie 2018. Jugend, Information, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Stuttgart 2018.

  • 3

    Kultusministerkonferenz (Hrsg.): Übersicht der belegten Kurse in der gymnasialen Oberstufe der allgemeinbildenden Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen, Schuljahr 2018/2019. Berlin 2020. Statistik auf Anfrage unter  www.kmk.org

Über die Initiative Klischeefrei

Die Initiative Klischeefrei ist ein Bündnis aus Bildung, Politik, Wirtschaft und Forschung. Ihr Ziel: eine an individuellen Stärken orientierte Berufs- und Studienwahl – frei von Geschlechterklischees. Die Initiative richtet sich an alle, die junge Menschen bei der Berufsorientierung begleiten. Machen Sie mit! Das Portal klischee-frei.de gibt Ihnen dazu Infos und Materialien an die Hand.

Der Inhalt dieses Werkes steht unter einer Creative-Commons-Lizenz (Lizenztyp: Namensnennung - Keine kommerzielle Nutzung - Keine Bearbeitung - 4.0 Deutschland). Bei Abdruck Belegexemplar erbeten.

Zitation: Servicestelle der Initiative Klischeefrei: „Horizontale Segregation", Stand 10/2020, Creative Commons Linzenz (CC BY NC ND 4.0 Deutschland).

Stand: 10/2020

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