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19.10.2026

Pilotprojekte zu klischeefreier Berufsorientierung zeigen Wirkung

Begleitende Wirkungsanalyse veröffentlicht

Im Frühjahr 2026 führte die Servicestelle der Initiative Klischeefrei mit den Universitäten Paderborn und Münster Pilotprojekte durch. Ziel war, Ansätze für die Einbindung von klischeefreier Berufsorientierung in die Lehrkräfteausbildung zu finden und ihre Wirkung zu testen. Das Ergebnis: Ja, das geht – und wirkt!

Pilotprojekte zu klischeefreier Berufsorientierung zeigen Wirkung

Sind Lehrkräfte wichtig in der Berufsorientierung?

Dass Lehrkräfte bei der Berufsorientierung von Jugendlichen eine wichtige Rolle spielen, belegen verschiedene Studien. Neben den Eltern gehören sie zu den wichtigsten Personen im Orientierungsprozess. Ihre Haltung und ihre Unterrichtsgestaltung können Jugendliche nachhaltig positiv beeinflussen, auch was die stärkenorientierte Berufsorientierung frei von Geschlechterklischees betrifft.

Welchen Stellenwert hat klischeefreie Berufsorientierung in der Lehrkräftebildung?

Bisher ist eine ausdrücklich geschlechtersensible Berufsorientierung noch nicht überall Teil des Lehramtsstudiums. Vor allem wird sie nicht mit dem Fachunterricht in Verbindung gebracht. Doch Klischees werden genau dort reproduziert – oder eben aufgedeckt und hinterfragt.

Mit den beiden Pilotprojekten sammelte die Initiative Klischeefrei praktische Erfahrungen, wie Lehrkräfte darin ausgebildet werden können, ihren Fachunterricht als Teil einer geschlechtersensiblen beruflichen Orientierung zu begreifen und ihre Rolle als Lehrkraft darin zu reflektieren.

Wie war das Pilotprojekt in Münster gestaltet?

Am Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Münster unter der Leitung von Prof.in Dr.in Katja Driesel-Lange wurde im Rahmen des Piloten ein Werkstattseminar durchgeführt; 18 Studierende aus unterschiedlichen Fächern nahmen daran teil. Ziel des Seminars war es, die Studierenden für die Bedeutung von Geschlechterstereotypen in Bildungs- und Berufswahlprozessen zu sensibilisieren sowie ihre Reflexions- und Handlungskompetenz zu stärken und zu professionalisieren. Dabei übertrugen sie die Prinzipien klischeefreier Berufsorientierung auf konkrete Unterrichtskontexte und entwickelten eigene Unterrichtsmethoden für Fächer wie Deutsch oder Biologie.

Wie bewerteten die Studierenden das Seminar?

Die Studierenden empfanden das Werkstattseminar als sehr bereichernd für ihre künftige Tätigkeit in der Schule. Sie sprachen sich dafür aus, klischeefreie Berufsorientierung verbindlich in das Studium zu integrieren, idealerweise durch eine Kombination aus einem verpflichtenden Mastermodul und einer fächerübergreifenden Einbindung. Gleichzeitig sahen die Teilnehmenden Bedarf an guten Umsetzungshilfen für den Unterricht.

Was sagen andere Expertinnen und Experten?

Ergänzend dazu führte die Initiative Klischeefrei ein Experteninterview mit Dr. Tobias Jenert, Professor für Wirtschaftspädagogik an der Universität Paderborn. Seine Perspektive bestätigt die Erfahrungen aus Münster und ergänzt sie um eine bildungstheoretische und hochschuldidaktische Perspektive. Drei Punkte sind aus seiner Sicht besonders wichtig:

  1. Die Passung ist entscheidend. Klischeefreie Berufsorientierung muss immer an konkrete Lebens-, Berufs- und Bildungskontexte angepasst werden. Standardlösungen greifen zu kurz.
  2. Passungsarbeit ist Kern professionellen Handelns. Die Fähigkeit, Angebote auf unterschiedliche Zielgruppen zu übertragen und anzupassen, ist ein zentraler Bestandteil professioneller Lehrkräftearbeit. Diese Kompetenz soll in der Lehrkräftebildung systematisch gefördert werden.
  3. Ungleichheiten sind oft subtil. Diskriminierung und Stereotype treten häufig nicht offen oder absichtlich auf, sondern wirken verdeckt und strukturell. Lehrkräfte müssen lernen, diese subtilen Formen wahrzunehmen und professionell damit umzugehen.

Welches Fazit zieht die Wirkungsanalyse?

Die Ergebnisse der Wirkungsanalyse sprechen für eine systematische und fächerübergreifende Verankerung klischeefreier Berufsorientierung als Querschnittsthema in der Lehrkräftebildung. Die Pilotprojekte zeigen, dass eine Integration in bestehende Studienstrukturen möglich ist. So würden angehende Lehrkräfte besser darauf vorbereitet, junge Menschen klischeefrei in ihren Bildungs- und Berufswahlprozessen professionell und fachlich kompetent zu begleiten.