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Digitale Kompetenzen in der Arbeitswelt

Digitale Technologien treiben den Wandel der Arbeitswelt voran. Es gibt kaum noch einen Beruf, der nicht von der digitalen Transformation erfasst wurde. Was bedeutet das für das Arbeitsleben von Frauen und Männern? Welche Kompetenzen brauchen, wo lernen und wie arbeiten wir künftig?

Digitale Kompetenzen in der Arbeitswelt

Digitale Kompetenzen spielen im Alltag der meisten Menschen eine immer größere Rolle. Sowohl zu Hause als auch im Arbeitsleben wird unser Leben immer digitaler, und wir müssen mit Geräten und Anwendungen umgehen können. Doch digital kompetent zu sein meint viel mehr als nur bloßes Bedienen, es geht auch um die Gestaltung neuer Produkte und die Einordnung ihrer gesellschaftlichen Relevanz.

Wenn wir die Herausforderungen der Zukunft meistern wollen, ist die Gesellschaft darauf angewiesen, dass alle, Frauen wie Männer, digital kompetent agieren und ihre Fähigkeiten und Kompetenzen in der Arbeitswelt einbringen können. Weiterbildungen können ein Schlüssel sein, um den so genannten „Digital Gender Gap“ auszugleichen. Ein Text in diesem Dossier ist explizit diesem Gap gewidmet. Darüber hinaus muss bereits in der Frühen Bildung und in der Schule die Selbstwirksamkeit von Mädchen und jungen Frauen gestärkt werden.

Mädchen und junge Frauen sind zwar an MINT, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, interessiert, aber dieses Interesse lässt mit zunehmendem Alter nach und mündet selten in eine entsprechende Studien- oder Berufswahl. Ein Grund dafür könnte die im Vergleich zu Jungen und jungen Männern geringere Selbstwirksamkeitserwartung sein. Die Angst, dem Stereotyp (Mädchen sind schlechter in MINT als Jungen) zu entsprechen, führt dazu, dass die Leistung der Mädchen tatsächlich sinkt, das heißt, es kommt zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung.

Der Beitrag „Selbstwirksamkeit und Berufswahl“ zeigt, wie gendersensible didaktische Konzepte im Unterricht die Selbstwirksamkeitserwartung nachhaltig steigern können. Dabei hat die erfolgreiche Bewältigung einer Aufgabe durch eigene Anstrengung den größten Effekt. Initiativen wie der Girls’Day (und der Boys’Day) erzielen gute Erfolge, darüber hinaus sind zusätzliche Erfahrungen notwendig, beispielsweise längere Praktika.

Die Selbstwirksamkeitserwartung von Mädchen ist geringer, obwohl sie bei computer- und informationsbezogenen Fähigkeiten besser abschneiden als Jungen, die ihrerseits im informatischen Denken besser sind. Obwohl Mädchen – vereinfacht gesagt – besser mit Computern umgehen können, ziehen sie IT-Berufe für sich seltener in Erwägung als Jungen. Junge Männer wiederum glauben häufiger als junge Frauen, dass digitale Medien und technologischer Fortschritt für die Gesellschaft eine hohe Relevanz haben. Der Beitrag „Über welche digitalen Kompetenzen verfügen Kinder und Jugendliche?“ fasst den Status Quo in Deutschland anschaulich zusammen.

Digitale Technologien spielen bereits in der Ausbildung eine Rolle – wie der Beitrag „Ausbildung 4.0: Lehren und lernen für die Arbeitswelt der Zukunft“ zeigt. Zum einen geht es darum, die Auszubildenden auf die digitalisierte Arbeitswelt vorzubereiten. Zum anderen geht es aber auch darum, digitale Medien in der Ausbildung zu nutzen, um den Lernerfolg zu steigern. Voraussetzung dafür sind die Qualifikation des Ausbildungspersonals und die technische Ausstattung der Lernorte. Dabei verändert sich die Rolle von Ausbilderinnen und Ausbildern, die von Unterweisenden zu Lernbegleitenden werden.

Von der „Ausbildung 4.0“ führt der Weg zur „Arbeitswelt 4.0“. Diese ist für Arbeitnehmende zwar mit einigen Vorteilen verbunden, allerdings lauern auch Gefahren, beispielsweise dadurch, dass Stereotype von analogen in digitale Prozesse transferiert werden und sich Diskriminierung auf diese Weise verfestigt. Um mehr Frauen für die IT-Berufe zu gewinnen, müssen Geschlechterklischees abgebaut und geschlechtergerechte Arbeits- und Organisationskulturen geschaffen werden. Wie das aussehen kann, zeigt der Beitrag „Arbeitswelt der Zukunft: digital und klischeefrei?“.

Was sind digitale Kompetenzen?

Der Begriff „Digitale Kompetenzen“ ist nicht einheitlich definiert. Die Europäische Kommission hat ein Rahmenmodell für digitale Kompetenzen formuliert, das sogenannte DigComp 2.1. Es versteht unter digitalen Kompetenzen weit mehr als nur Computeranwendungskenntnisse. Dieses Dossier orientiert sich an diesem EU-Referenzrahmen, der ein breites Verständnis von „Digitaler Kompetenz“ hat.

Darüber hinaus gilt DigComp 2.1. als führendes Modell zur Einordnung und Vergleichbarkeit digitaler Kompetenzen und wird erfolgreich in verschiedenen Initiativen genutzt, beispielsweise auch in den Studien wie dem Digital-Index der Initiative D21, Deutschland größtem gemeinnützigen Netzwerk für die Digitale Gesellschaft.

Digitale Kompetenzen nach DigComp 2.1

Informations- und Datenkompetenz

Informationsbedürfnisse artikulieren, in digitalen Umgebungen nach Daten, Informationen und Inhalten suchen, auf sie zugreifen und zwischen ihnen navigieren. Informationen, Daten und digitale Inhalte auswerten und verwalten.

Kommunikation und Kollaboration

Durch eine Vielzahl digitaler Technologien interagieren und kollaborieren. Für einen gegebenen Kontext geeignete digitale Kommunikationsmittel nutzen. Umgangsregeln im Netz kennen und die eigene digitale Identität verwalten.

Erstellung digitaler Inhalte

Digitale Inhalte in verschiedenen Formaten erstellen und bearbeiten und sich mit digitalen Mitteln ausdrücken. Regeln zu digitalem Eigentum kennen.

Schutz und Sicherheit

Schutz vor Geräten und digitalen Inhalten sowie Verständnis von Risiken und Bedrohungen in digitalen Umgebungen, auch für das eigene Wohlbefinden. Sicherheitsmaßnahmen kennen und Privatsphäre bewahren.

Digitale Problemlösungskompetenz

Technische Probleme beim Betrieb von Geräten und bei der Nutzung digitaler Umgebungen erkennen und lösen. Identifizierung digitaler Kompetenzlücken. Angemessene digitale Lösungen für Bedürfnisse finden.

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