BP:
 

02.11.2020

Klischees von Anfang an

Klischees von Anfang an

„Was wird es denn?“ ist eine der ersten Fragen, die werdenden Eltern gestellt wird. Diese Frage bedeutet gleichzeitig den Start in unsere weibliche oder männliche Sozialisation, denn je nach Antwort geht es für die Kinder auf meist unterschiedlichen Wegen weiter. Neugeborene werden in rosa oder hellblau gekleidet. Spielzeuge und Bücher schon für Kleinkinder sind nach Geschlecht unterschieden. Kindergartenkindern ist klar, dass die Farbe Rosa, Feen und Pferde für Mädchen sind und die Farbe Blau, Autos und Superhelden für Jungs.

In ihrem Alltag erleben viele Kinder, dass auch die Erwachsenen bestimmte, nach Geschlecht unterteilte, Aufgaben übernehmen. Frauen widmen sich stärker der Kinderbetreuung, der Sorge- und Hausarbeit und sind deshalb häufig teilzeitbeschäftigt, während Männer dem Modell des Haupternährers nachgehen und sich im Hause eher um handwerklich-technische Dinge kümmern. Auch wenn dies nicht überall und überall gleich stringent gelebt wird und die Wirklichkeit vieler Kinder bunt und vielgestaltig ist, lernen sie im Großen und Ganzen schon früh, welche Tätigkeiten eher von Frauen und welche eher von Männern ausgeübt werden und damit, was einen „typischen“ Jungen und was ein „typisches“ Mädchen ausmacht. Im Alter von drei bis vier Jahren haben Kinder bereits recht klare Rollenbilder im Kopf. 

Der Frühen Bildung kommt in diesem Zusammenhang eine große Bedeutung zu. Eine klischeefreie Frühe Bildung kann Kindern andere Bilder mit auf den Weg geben und ihnen den Raum zur Verfügung stellen, sich frei von Klischees auszuprobieren. Nichts spricht gegen rosa Glitzer, Feen und Prinzessinnen, genauso wenig wie gegen Autos und Superhelden – wenn alle Kinder in diese Welten eintauchen und ihren Interessen nachgehen können, unabhängig vom Geschlecht. Die Voraussetzung dafür ist eine geschlechterreflektierte Haltung in der Frühen Bildung, denn Rollenklischees begegnen uns an vielen Stellen, und häufig sind wir uns unserer eigenen Klischees nicht bewusst.

Rollenklischees haben Auswirkungen auf die Berufs- und Studienwahl. So kommt es, dass sich bis heute eine Mehrheit der jungen Frauen für eine Ausbildung oder ein Studium in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Soziales entscheidet. Eine Mehrheit der jungen Männer wählt dagegen einen technisch-gewerblichen Beruf oder studiert ein ingenieur- oder naturwissenschaftliches Fach. Die schon früh verinnerlichten Klischeevorstellungen werden immer wieder reproduziert, zum Beispiel in Werbung und Marketing, in Filmen und durch Influencer, auch durch Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte. Das führt schließlich dazu, dass der gesamte Arbeitsmarkt stark von Geschlechterklischees geprägt ist und sich Frauen und Männer dort sehr unterschiedlich verteilen. Eine Berufs- und Studienwahl frei von Klischees wurzelt also in möglichst klischeefreiem Aufwachsen.

Mit unserem Themendossier zur Frühen Bildung wollen wir uns für eine klischeefreie Frühe Bildung stark machen. Wir erläutern die Zusammenhänge zwischen Früher Bildung und Berufswahl und beleuchten, ob das Geschlecht der Fachkräfte in Kitas eine Rolle spielt. Wir lassen Expertinnen und Experten aus der Kita-Praxis zu Wort kommen, und wir lassen Alu Kitzerow und Konsti Manthey, Eltern von drei Kindern und Betreiber*innen des Blogs grossekoepfe.de über ihre Erfahrungen sprechen. Sascha Verlan und Almut Schnerring von der „Rosa-Hellblau-Falle“ geben Einblicke in das Gendermarketing von Spielzeug. Praktische Tipps für den Erziehungsalltag runden das Dossier ab. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen. 
 

Was hat Frühe Bildung mit Berufswahl zu tun? Eine Einführung.

Was hat Frühe Bildung mit Berufswahl zu tun? Eine Einführung.

Berufsorientierung im Kindergarten? Nein, darum geht es hier nicht. Trotzdem kommt der Frühen Bildung eine wichtige Rolle zu, denn es geht darum, Klischees erst gar nicht zu festigen.

zum Hintergrundartikel
Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey im Interview

Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey im Interview

Die Ministerin spricht über Geschlechterklischees, Berufswahl und Maßnahmen der Familienpolitik.

zum Interview
Welche Bedeutung hat das Geschlecht pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen für die pädagogische Praxis?

Welche Bedeutung hat das Geschlecht pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen für die pädagogische Praxis?

Unterscheidet sich die pädagogische Praxis von männlichen und weiblichen Fachkräften in Kindertagesstätten? Jens Krabel von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin gibt einen Überblick über die Forschung.

zum Gastbeitrag
Die Elternsicht: Alu und Konsti vom Elternblog „grossekoepfe.de“

Die Elternsicht: Alu und Konsti vom Elternblog „grossekoepfe.de“

Klischeefrei erziehen ist manchmal gar nicht so leicht. Alu Kitzerow und Konstantin Manthey bloggen gemeinsam über ihr Leben als Eltern von drei Kindern und berichten hier von ihren Erfahrungen.

zum Gastbeitrag des Elternblogs „grossekoepfe.de“
Forschen mit Kita-Kindern. Erfahrungen aus der Praxis – Kita

Forschen mit Kita-Kindern. Erfahrungen aus der Praxis – Kita

Ein Gespräch mit Hildegard Müller-Ploghaus, Leiterin der Kitas im hessischen Bad Zwesten („KiTa Welt-Entdecker“ und „Die Wühlmäuse“) über MINT-Bildung in der Kita-Praxis, über kindliche Bedürfnisse, das Einbeziehen von Eltern in den Kita-Forscher*innen-Alltag und Geschlechterklischees.

zum Interview
Forschen mit Kita-Kindern. Erfahrungen aus der Praxis – Haus der kleinen Forscher

Forschen mit Kita-Kindern. Erfahrungen aus der Praxis – Haus der kleinen Forscher

Unsere Umgebung verstehen, den eigenen Beitrag reflektieren sowie verantwortungsvoll und werteorientiert handeln. Michael Fritz, Vorstandsvorsitzender der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“, erklärt im Interview die MINT-Bildung für nachhaltige Entwicklung der gemeinnützigen Stiftung.

zum Interview
Gendermarketing: Puppenmuttis und wilde Piraten

Gendermarketing: Puppenmuttis und wilde Piraten

Gendermarketing, also die Ausrichtung des Angebots auf zwei Geschlechter, schränkt Kinder in der freien Entfaltung der Persönlichkeit ein. Almut Schnerring und Sascha Verlan über die Wirkung einer problematischen Marketingpraxis und mögliche Auswege.

zum Gastbeitrag „Puppenmuttis und wilde Piraten“
10 Tipps für eine klischeefreie Erziehung

10 Tipps für eine klischeefreie Erziehung

So erziehen Sie Ihre Kinder ganz klischeefrei – eine Bildergalerie mit kurzen, praktischen und leicht umzusetzenden Anregungen.

zu den Tipps

Linktipps

Methoden-Set „Klischeefrei fängt früh an“

Methoden-Set „Klischeefrei fängt früh an“

Kinder werden früh mit einengenden Geschlechterklischees konfrontiert, die sich im Lebensverlauf verfestigen und später auf die Berufs- und Studienwahl auswirken können. Das Methoden-Set „Klischeefrei fängt früh an“ eignet sich zur Reflexion von Geschlechterklischees in der frühkindlichen Bildung.

zum Methoden-Set
Boys'Day

Boys'Day

Am Boys'Day lernen Jungen Berufe kennen, in denen bisher noch meist Frauen arbeiten – zum Beispiel Erzieher, Krankenpfleger, Grundschullehrer oder Psychologe. Außerdem können sie an Workshops zu Themen wie „Berufs- und Lebensplanung“, „Rollenbilder“ und „soziale Kompetenzen“ teilnehmen.

zur Website
Zukunftsberuf Erzieher – Internetportal für Jungen

Zukunftsberuf Erzieher – Internetportal für Jungen

Männer sind in Kitas in der Unterzahl, obwohl die Zahl der angehenden Erzieher steigt. Mit der Website werden junge Männer über den Erzieherberuf informiert. Sie erfahren alles über die Ausbildung und die Anforderungen. Durch Videos und Interviews bekommen sie einen Einblick in den Berufsalltag.

zur Website